Diese drei Szenarien könnten den Goldpreis Experten zufolge auf 5.000 US-Dollar treiben
Ein neues Bewertungsmodell zeigt, dass schon eines von drei Extremszenarien den Goldpreis über die Marke von 5.000 US-Dollar tragen könnte.
Werte in diesem Artikel
- Jefferies sieht im neuen Modell drei Wege zu einem Goldpreis über 5.000 Dollar
- Neues Bewertungsmodell stützt sich weniger auf Realzinsen, Geldmenge und Dollarindex
- Modell verschiebt Perspektive für Anleger
Die Investmentbank Jefferies hat ihr Bewertungsmodell für Gold von Grund auf erneuert und kommt darin zu einem bemerkenswerten Schluss: Schon eines von drei möglichen Extremszenarien könnte das Edelmetall über die Marke von 5.000 US-Dollar je Feinunze treiben. Das Analysehaus verabschiedet sich dabei von den bisherigen Leitgrößen Realzinsen und US-Dollar und stellt stattdessen die Reservepolitik der Notenbanken sowie die Fiskaldefizite der Industriestaaten ins Zentrum. Für Anleger ist das mehr als eine akademische Übung, denn die drei Szenarien zeigen, wie schnell sich das Aufwärtspotenzial für Gold verschieben kann.
Das neue Bewertungsmodell für Gold: Warum die alte Formel nicht mehr passt
Wie Investing.com unter Berufung auf die Jefferies-Analysten berichtet, hält das bisherige Bewertungsmodell dem aktuellen Goldmarkt nicht mehr stand: Gold habe sich 2024 und 2025 zunehmend von seiner historischen Bindung an Realzinsen und den US-Dollar gelöst, weshalb reine Regressionsmodelle inzwischen einen Preis deutlich unter dem Marktniveau ausweisen. Statt die alte Formel zu reparieren, hat Jefferies sie ersetzt. Das neue Modell stützt sich auf ein 30-Jahres-Fenster von 1995 bis 2025 und auf drei Variablen: die Intensität der Reservediversifizierung der Notenbanken, einen Indikator dafür, ob Gold die US-Staatsanleihen in den Reserven bereits überholt hat, sowie die Fiskaldefizite der Industriestaaten gemessen an deren Wirtschaftsleistung. Zinsen, Geldmenge und Dollarindex fließen laut Jefferies nur noch indirekt ein.
Drei Szenarien, die den Goldpreis über 5.000 Dollar tragen könnten
Konkret nennt Jefferies drei Extremfälle, von denen laut eigener Einschätzung jeder für sich genommen ausreichen würde, um die runde Marke von 5.000 US-Dollar je Feinunze zu erreichen: eine Rückkehr zu Fiskaldefiziten wie während der Corona-Pandemie von rund 14 Prozent der Wirtschaftsleistung, ein Rückgang des Dollar-Anteils an den globalen Währungsreserven unter 40 Prozent oder eine Verdopplung des aktuellen Tempos der Notenbank-Goldkäufe. Das neue Modell selbst zielt bis zum Jahresende 2026 auf 4.650 US-Dollar, ein Aufschlag von rund 5 Prozent auf den aktuellen Kassapreis. Das bestätigt aus Sicht von Jefferies die ohnehin schon über dem Konsens liegende Prognose des Hauses von 4.500 US-Dollar für die zweite Jahreshälfte und 5.000 US-Dollar für die erste Hälfte 2027.
Notenbank-Käufe und Goldman Sachs stützen die These
Dass sich der von Jefferies beschriebene Trend bereits in echten Käufen niederschlägt, zeigt der jüngste Bericht des World Gold Council von Ende Juli: Notenbanken kauften im zweiten Quartal 2026 netto rund 289 Tonnen Gold, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal mit 177,9 Tonnen und der stärkste je gemessene Wert für ein zweites Quartal, angeführt von Polen und China. Zu einem ähnlichen Schluss kommen auch die Rohstoffanalysten Lina Thomas und Daan Struyven von Goldman Sachs, die in einer Ende August veröffentlichten Studie bis Jahresende einen Goldpreis von rund 4.900 US-Dollar je Feinunze erwarten, gestützt auf durchschnittlich 50 Tonnen monatlicher Notenbankkäufe und schwindende Erwartungen weiterer US-Zinserhöhungen.
Verschiebung der Perspektive: Das bedeutet das neue Bewertungsmodell für Anleger
Für Anleger verschiebt das Modell den Blickwinkel: Wer die Rally bislang an der Zinspolitik der US-Notenbank oder am Dollar festmachte, findet darin nicht mehr den zentralen Taktgeber, sondern die Reservepolitik der Notenbanken selbst. Entscheidender als die nächste Zinsentscheidung wird damit die Frage, ob Käufer wie Polen oder China ihr Tempo halten, beschleunigen oder ins Verkaufen drehen, denn genau daran hängt laut Jefferies der Ausschlag nach oben wie nach unten. Eine Einschränkung liefert das Haus gleich mit: Es versteht sein Modell selbst als Werkzeug, um bestehende Prognosen zu hinterfragen, nicht als abschließende Wahrheit. Wer die drei Extremszenarien vorschnell als Basisfall liest statt als Randbereich, überschätzt damit, wie nah 5.000 US-Dollar tatsächlich liegen.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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