Christian Scheid-Kolumne

Nestlé: Aktivistischer Investor sorgt für frischen Wind


Nestlé: Aktivistischer Investor sorgt für frischen Wind | finanzen.net

Der aktivistische Investor Daniel Loeb war bisher vor allem für Investitionen in amerikanische und japanische Firmen wie Yahoo und Sony bekannt. In einem Brief an seine Anleger hatte der Investor Ende April aber bereits angekündigt, dass er mit seinem Hedgefonds Third Point nach Investitionsmöglichkeiten in Europa Ausschau hält.

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Dementsprechend haben in der vergangenen Woche Spekulationen auf einen Einstieg Loebs die Aktie des Medizintechnikkonzerns Philips auf den höchsten Stand seit 15 Jahren getrieben.

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Nun hat der 55-jährige Amerikaner auch den weltgrößten Lebensmittelhersteller Nestlé ins Visier genommen. Third Point hat rund 3,5 Mrd. Dollar in die Hand genommen und dafür rund 40 Mio. Nestlé-Aktien gekauft. Der Hedgefonds hält damit zwar lediglich rund 1,25 Prozent an dem Schweizer Unternehmen. Doch da Loeb für gewöhnlich in der Öffentlichkeit Druck auf das Management ausübt und oft andere Anleger hinter sich bringt, kann er schon mit dem geringen Anteil großen Einfluss nehmen.

Verkauf gefordert

Bei Nestlé hat Loeb offenbar vor allem den 23-prozentigen Anteil am französischen Konsumgüterkonzern L‘Oréal im Visier. Dieser ist an der Börse derzeit rund 24 Mrd. Euro wert. Der Amerikaner fordert einen Verkauf. Den Erlös soll Nestlé vor allem in Aktienrückkäufe stecken. Zudem sollen die Schweizer ihr Portfolio straffen und die Rendite steigern.

Bereits Mitte Juni hat der Lebens-mittelkonzern mitgeteilt, strategische Optionen für das US-Geschäft mit Schokolade und anderen Süßigkeiten zu prüfen, einschließlich einer möglichen Veräußerung. Dieser Prozess solle bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Das US-Süßwarengeschäft von Nestlé umfasst vor allem einheimische Marken wie Butterfinger, BabyRuth, Raisinets oder Chunky. Im vergangenen Jahr erzielte Nestlé damit einen Umsatz von rund 900 Mio. Schweizer Franken. Das sind lediglich drei Prozent des Gesamtumsatzes in den USA. Stattdessen sollen in den Vereinigten Staaten nun andere wichtige Bereiche wie Tiernahrung, Wasser, Tiefkühlkost, Säuglingsnahrung oder Speiseeis weiterentwickelt werden.

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Zum Gegenschlag ausgeholt

Als Reaktion auf den Einstieg Loebs haben die Schweizer weitere Maßnahmen angekündigt. So wurde ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu 20 Mrd. Franken initiiert. Damit schafft Nestlé auch die Möglichkeit, größere Zukäufe mit eigenen Aktien zu finanzieren. In Frage kämen ausschließlich Firmen, die attraktive Renditen erzielen und dazu beitragen könnten, Nestlés Führungsposition in schnell wachsenden Konsumgüterbereichen wie Kaffee, Babynahrung, Wasser- oder Haustierprodukte zu stärken. Der Einstieg des Investors hat also schon einiges bewirkt. Wenn es in dem Stil weitergeht, könnte sich auch der Aufwärtstrend der Aktie fortsetzen. Darauf setzen spekulative Anleger mit einem MINI von Vontobel.

Christian Scheid ist seit rund 18 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist tätig, davon seit circa zehn Jahren als freier Autor. Aktuell schreibt er für mehrere deutschsprachige Fachmagazine und -zeitungen in den Bereichen Aktien und Derivate, darunter Börse Online, Capital, Euro am Sonntag und Zertifikate // Austria. Per 1. Juli 2014 kehrte er zum ZertifikateJournal zurück, wo er bis Ende 2009 schon einmal tätig war und die damalige Österreich-Ausgabe des ZJ verantwortete. Hier können Sie sich zum Gratis-Newsletter anmelden: ZertifikateJournal


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Bildquellen: Christian Scheid

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