Erwartungen erfüllt

Fed belässt Leitzins zum fünften Mal in Folge unverändert - Was Anleger jetzt wissen müssen

30.07.26 08:50 Uhr

US-Notenbank mit fünfter Zinspause in Folge - jetzt richtet sich alles auf September | finanzen.net

Am Mittwoch stand ein wichtiger geldpolitischer Termin auf der Agenda: der Leitzinsentscheid der US-Notenbank Fed. So ist er ausgefallen.

  • Fed belässt Leitzins zum fünften Mal in Folge bei 3,50 bis 3,75 Prozent
  • Neun Fed-Mitglieder stimmen für Zinspause, drei fordern wegen hoher Inflation eine Anhebung
  • Fed-Chef Kevin Warsh betont Kampf gegen Inflation - Anleger warten auf weiteren Zinspfad

Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins bei ihrer zweiten Sitzung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh wie erwartet unverändert gelassen. Der Zentralbankrat stimmte mit neun zu drei Stimmen für eine erneute Zinspause.

Damit bleibt die Spanne zum fünften Mal in diesem Jahr bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die drei abweichenden Mitglieder Beth M. Hammack, Neel Kashkari und Lorie K. Logan sprachen sich für eine Anhebung um 25 Basispunkte aus.

Dass das Fed-Gremium nicht einstimmig votierte, ist zwar nicht außergewöhnlich. Die hohe Zahl der Abweichler zeigt jedoch, wie unterschiedlich stark die weiterhin erhöhte Inflation innerhalb der Notenbank gewichtet wird.

Warsh setzt Kampf gegen Inflation auf Prioritätenliste

"Unsere Gespräche verliefen erneut kollegial und konstruktiv", sagte Fed-Chef Kevin Warsh bei seiner Pressekonferenz. Die Mitglieder hätten unter anderem über die Folgen der Corona-Pandemie, globale Konflikte und die "erheblichen Erhöhungen der Zollsätze" gesprochen.

"Ich habe mir einen ordentlichen Familienstreit gewünscht, und den habe ich auch bekommen", sagte Warsh mit Blick auf die unterschiedlichen Positionen innerhalb des Gremiums.

Der Fed-Chef betonte erneut, dass die Notenbank Preisstabilität garantieren werde. Die USA stünden bei der Entwicklung der Vollbeschäftigung zwar gut da, "aber bei den Preisen deutlich schlechter", sagte Warsh.

Warsh gilt als Vertreter einer eher straffen Geldpolitik und wird häufig als "Inflation Hawk" bezeichnet. Er hatte zudem eine Sondereinheit angekündigt, die den Ursachen der Inflation nachgehen soll.

Gleichzeitig betonte Warsh, dass der Kampf gegen die Inflation Zeit benötige. Seit mehr als fünf Jahren liegt die Teuerungsrate in den USA über dem von der Fed angestrebten Ziel von zwei Prozent. "Wir werden nicht zögern zu handeln", sagte Warsh.

Inflation bleibt über Fed-Ziel - Arbeitsmarkt verliert an Dynamik

Die Inflation hat sich zuletzt weiter abgeschwächt. Die Verbraucherpreise stiegen im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Mai. Die Kerninflationsrate ohne Energie und Lebensmittel sank von 2,9 auf 2,6 Prozent.

Damit liegt die Teuerungsrate allerdings weiterhin deutlich über dem langfristigen Ziel der Fed von zwei Prozent.

Gleichzeitig verlor der Arbeitsmarkt an Dynamik. Im Juni entstanden außerhalb der Landwirtschaft lediglich 57.000 neue Stellen und damit deutlich weniger als von Ökonomen erwartet. Die Arbeitslosenquote ging dennoch leicht auf 4,2 Prozent zurück.

Energiekrise erschwert Zinspolitik der Fed

Der Spielraum der Notenbank bleibt angesichts der geopolitischen Lage begrenzt. Die Eskalation im Nahen Osten und der Iran-Krieg hatten die Sorge vor einer neuen Energiekrise verstärkt.

Der Preis für ein Fass der weltweiten Referenzsorte Brent war zeitweise über die Marke von 100 Dollar je Barrel gestiegen, bevor er nach einer jüngsten Pause der US-Angriffe wieder nachgab.

Eine Zinssenkung war vor diesem Hintergrund für Ökonomen praktisch ausgeschlossen. Eine Zinserhöhung wäre zwar denkbar gewesen, hätte aber vor allem die Nachfrage gedämpft und nicht die eigentlichen Ursachen der gestiegenen Energiepreise gelöst.

Kritiker weisen darauf hin, dass eine Zinserhöhung die Hauptursachen der Inflation nicht bekämpfen würde. Ein Ende der Energiekrise sei erst bei einer dauerhaften Lösung der Situation in der Straße von Hormus absehbar. Die Meerenge ist für den globalen Energiehandel von großer Bedeutung.

Durch das knappe Angebot müssen Unternehmen mehr Geld für Öl, Gas und Dünger ausgeben. Eine voreilige Straffung der Geldpolitik könnte daher überhastet wirken, während die Fed weitere Daten abwarten kann.

Märkte richten Blick auf weiteren Zinspfad

Für die Finanzmärkte stand weniger die aktuelle Entscheidung selbst als vielmehr der Ausblick im Mittelpunkt. Ein unveränderter Leitzins sorgt zunächst für stabile Rahmenbedingungen an den Aktien- und Anleihemärkten.

Entscheidend ist nun, ob innerhalb des Offenmarktausschusses Unterstützung für weitere Zinsschritte wächst. Anleger achten besonders auf Signale zur möglichen Zinserhöhung im September.

Beim vergangenen Zinsentscheid im Juni hatte die Fed für das laufende Jahr kein schnelles Abflauen der Inflation erwartet. Für 2026 rechnet sie mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent. Für 2027 erwartet die Notenbank eine Inflation von 2,3 Prozent.

Fed-Mitglieder uneinig über weitere Zinsschritte

Die jüngsten Projektionen zeigen eine zunehmende Spaltung innerhalb der Notenbank. Im Juni erwarteten neun der 18 Fed-Mitglieder mindestens eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im laufenden Jahr.

Sechs Mitglieder konnten sich sogar eine stärkere Straffung vorstellen. Acht Mitglieder rechneten dagegen mit einer Zinspause. Nur ein Mitglied erwartete eine Zinssenkung.

Die Projektionen sind Einschätzungen des siebenköpfigen Fed-Vorstands und der zwölf Regionalbankpräsidenten zur Entwicklung von Wirtschaftswachstum, Inflation und Zinspolitik. Noch im März rechnete niemand mit einer strafferen Geldpolitik.

Der nächste Dot Plot mit den Zinserwartungen der Fed-Mitglieder wird bei der Sitzung am 15. und 16. September 2026 veröffentlicht. Bis dahin dürften vor allem Inflation und Arbeitsmarkt die Diskussion über weitere Zinsschritte bestimmen.

Politischer Druck auf die Fed sorgt für Diskussionen

Die Unabhängigkeit der US-Notenbank bleibt ein zentrales Thema. Ökonomen warnen davor, dass politischer Einfluss auf die Fed-Entscheidungen das Vertrauen der Anleger beschädigen könnte.

Kritiker befürchten, dass eine politisch motivierte Lockerung der Geldpolitik die Inflation erneut anheizen könnte. Mit der heutigen Entscheidung dürfte die Fed erneut US-Präsident Donald Trump verärgern.

Anders als Trump es häufig darstellt, entscheidet Warsh jedoch nicht allein über den geldpolitischen Kurs. Die Mitglieder des Offenmarktausschusses FOMC stimmen regelmäßig gemeinsam über die weitere Richtung ab.

Für Sparer bleibt zunächst alles beim Alten

Für Sparer hat die Entscheidung zunächst kaum unmittelbare Auswirkungen. Die Konditionen für Tagesgeld und Festgeld dürften sich kurzfristig kaum verändern.

Sollte die Fed den Leitzins im September anheben, könnten Banken ihre Angebote für Festgeld allerdings attraktiver gestalten.

Auch EZB legt nach Zinserhöhung zunächst Pause ein

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihre Zinsen trotz anhaltender Inflationsgefahren zuletzt ebenfalls unverändert gelassen. Nach der ersten Anhebung seit fast drei Jahren im Juni entschied sie sich, den für Banken und Sparer im Euroraum wichtigen Einlagenzins bei 2,25 Prozent zu belassen.

Eine weitere Anhebung könnte im September folgen, wenn der EZB neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vorliegen.

Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Schroders, spirit of america / Shutterstock.com

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