EZB-Rat diskutiert offenbar weiter über geldpolitische Strategie
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) diskutiert laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg ab Dienstag erneut die offenen Punkte einer neuen geldpolitischen Strategie. Wie die Agentur unter Berufung auf informierte Personen schreibt, sollen die Beratungen am Dienstag mit einem Dinner in Frankfurt beginnen und könnten in den nächsten Tagen so weit gedeihen, dass es noch in dieser Woche zu einer offiziellen Mitteilung kommt.
Zu den wichtigsten Fragen der Strategieprüfung zählt die nach dem künftigen Inflationsziel der EZB. Seit 2003 definiert sie Preisstabilität als eine mittelfristige Inflation von unter, aber nahe 2 Prozent. Äußerungen von EZB-Offiziellen ist zu entnehmen, dass diese Formulierung einem Inflationsziel von glatt 2 Prozent weichen könnte.
Weniger klar ist jedoch, ob glatt 2 Prozent als ein symmetrisches Inflationsziel mit Flexibilität nach oben und unten verstanden werden wird oder ob explizit höhere Inflationsraten zum Ausgleich für zu niedrige Raten vorgesehen werden sollen. Letzteres käme der neuen Strategie der US-Notenbank nahe, die ein durchschnittliches Inflationsziel anstrebt.
Da der Euroraum eine Reihe von Jahren mit - gemessen am Zielwert von knapp 2 Prozent - zu niedriger Inflation hinter sich hat, hätte ein solches durchschnittliches Inflationsziel unmittelbare Auswirkungen für die aktuelle Geldpolitik, namentlich die Anleihekaufprogramme. Entsprechende Ambitionen der geldpolitischen "Tauben" im EZB-Rat werden jedoch dadurch gebremst, dass das Gremium den Strategiewechsel einstimmig beschließen muss.
Ein weiteres Thema mit unmittelbarer Auswirkung für die Geldpolitik ist die künftige Zusammensetzung der Unternehmensanleihekäufe. Es zeichnet sich ab, dass die EZB hier aus Gründen des Klimaschutzes von der bisher befolgten Marktneutralität abweichen wird, um die Überpräsenz anleiheemittierender Unternehmen mit schlechter Klimabilanz auszugleichen.
Ein programmatisch heißer, wenn auch weniger akuter Punkt ist die Kooperation von Geld- und Fiskalpolitik.
Die EZB will die Ergebnisse ihrer Strategieprüfung im Herbst vorstellen. Für diesen Zeitraum erwarten Analysten auch eine Entscheidung über die Zukunft des Pandemiekaufprogramms PEPP.
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)