EZB-Zinsentscheid

EZB erhöht den Leitzins wie erwartet - Inflationsdruck steigt - das kommt jetzt auf Anleger zu


EZB erhöht den Leitzins wie erwartet - Inflationsdruck steigt - das kommt jetzt auf Anleger zu

Die EZB hat über den aktuellen Leitzins entschieden und damit erneut ein Signal für die künftige Ausrichtung der Geldpolitik im Euroraum gesetzt.

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  • Leitzins steigt wie erwartet um 25 Basispunkte
  • Einlagenzins erhöht sich damit auf 2,50 Prozent
  • Folgen für Anleger und Kreditnehmer im Blick
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Die Europäische Zentralbank hat am heutigen Donnerstag eine erneute Zinserhöhung beschlossen und den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben. Der Einlagenzins steigt damit von 2,25 Prozent auf 2,50 Prozent. Der Schritt kommt für den Markt nicht unerwartet, da Experten im Vorfeld mehrheitlich mit einer Zinserhöhung gerechnet hatten, um dem wieder gestiegenen Preisdruck entgegenzuwirken.

Starke Zinsanpassungen

Im Juli 2022 hatte die EZB die Zinswende eingeleitet: In zehn aufeinanderfolgenden Anhebungen stieg der Einlagensatz drastisch von minus 0,50 Prozent auf 4,00 Prozent. Ab September 2023 steuerte die Notenbank dann wieder um und lockerte ihre Geldpolitik über acht Zwischenschritte bis auf 2,00 Prozent. Nach einer ersten Straffung im Juni auf 2,25 Prozent und einer Zinspause im Juli, legt die Notenbank nun wieder nach.

Hintergrund ist der anhaltend hohe Preisdruck im Euroraum, der vor allem durch die Verknappung auf den Energiemärkten infolge des Iran-Kriegs angeheizt wird. Nach einem Anstieg der Verbraucherpreise auf 3,2 Prozent im Mai und einem zwischenzeitlichen Rückgang auf 2,8 Prozent im Juni zog die Inflationsrate im Juli wieder auf 2,9 Prozent und im August auf 3,3 Prozent an. Damit liegt sie weiterhin deutlich über dem Notenbankziel von 2,0 Prozent. Zwar hatte die EU‑Kommission in ihrer Frühjahrsprognose vom Mai das Wachstum der Eurozone für 2026 noch auf nur 0,9 Prozent geschätzt, doch neuere Daten zeigen ein robusteres Bild: Das BIP legte im zweiten Quartal um 0,6 Prozent zu. Dennoch wiegt die Sorge vor anhaltendem Preisdruck und Zweitrundeneffekten im EZB-Rat derzeit offenbar schwerer.

Iran-Krieg zieht sich: EZB-Aussagen lassen Inflationsdruck erkennen

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Geopolitische Spannungen rund um den anhaltenden Iran-Konflikt und die Lage an der Straße von Hormus sorgen für anhaltenden Druck auf die Energiemärkte. Die damit verbundenen Preisanstiege bei Öl und Gas treiben die Teuerung weiter an. Zudem dauert der Konflikt im Nahen Osten bereits länger, als die EZB noch im März in ihrem milderen Risikoszenario veranschlagt hatte.

An den Märkten rückt nach dem Zinsschritt nun die Frage in den Mittelpunkt, wie weit der Anhebungspfad noch führen wird. Tatsächlich gibt es bereits Spekulationen über weitere Zinserhöhungen. Nun suchen Anleger nach Hinweisen darauf, ob die EZB diesen Straffungskurs tatsächlich fortsetzen wird. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, die den neuen Projektionen der Notenbank und der Wortwahl von EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz zukommt.

EZB sieht höherer Preisdruck und steigendes BIP kommen

Nach den jüngsten Projektionen des volkswirtschaftlichen Stabs der EZB dürfte sich der Inflationsdruck im Euroraum zwar im laufenden Jahr 2026 wie geplant entwickeln, in den kommenden beiden Jahren jedoch etwas kräftiger ausfallen als bisher erwartet. Für das Jahr 2026 stützt die EZB ihre Erwartung weiterhin auf einen Verbraucherpreisanstieg von 3,0 Prozent. Im Jahr 2027 soll die Inflationsrate nach neuen Berechnungen auf 2,5 Prozent sinken – ein leicht oberhalb der Juni-Prognose von 2,3 Prozent liegender Wert. Auch für 2028 zeigt sich der Trend leicht nach oben korrigiert, nämlich von 2,0 auf nunmehr 2,1 Prozent.

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Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei der Kerninflation ab, die die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel ausklammert: Während für 2026 unverändert eine Rate von 2,5 Prozent prognostiziert wird, schlägt die Prognose für 2027 nun mit 2,6 Prozent (zuvor 2,5 Prozent) und für 2028 mit 2,3 Prozent (zuvor 2,2 Prozent) zu Buche. Neben dem hartnäckigeren Preisauftrieb verzeichnen die EZB-Experten jedoch auch einen positiven Impuls bei der Konjunktur, weshalb sie die Wachstumsaussichten für den Euroraum leicht nach oben angepasst haben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll demnach im Jahr 2026 um 0,9 Prozent wachsen, nachdem im Juni noch von einem Plus von 0,8 Prozent ausgegangen worden war.

Leitzins steigt: Das sind die Folgen für Anleger und Märkte

Für Anleger bringt die Zinserhöhung Veränderungen. Die Konditionen für Tagesgeld und Festgeld könnten in den kommenden Wochen wieder anziehen, da Banken im Wettbewerb um Kundeneinlagen auf das höhere Zinsniveau reagieren. Zinsbausteine im Portfolio gewinnen dadurch wieder an Attraktivität.

Am Aktienmarkt kann die Zinserhöhung hingegen kurzfristig für Ernüchterung sorgen. Höhere Zinsen verteuern die Kreditaufnahme für Unternehmen und können die Unternehmensbewertungen belasten. Insbesondere kapitalintensive Wachstumsaktien sowie der Immobiliensektor können durch höhere Finanzierungskosten unter Druck geraten.

Für Häuslebauer und Immobilienkäufer bedeutet der Beschluss ebenfalls Gegenwind: Steigende Marktzinsen können auch die Baufinanzierung verteuern. Das macht die Finanzierung von Wohneigentum teurer und könnte die Erholung am Immobilienmarkt vorerst bremsen.

"Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben", erklärte die Notenbank. Der Ausblick sei "nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet", wobei eine höhere Inflation und weniger Wirtschaftswachstum drohe.

Ob dem Schritt im September ein weiterer folgt, dürfte vor allem davon abhängen, wie sich der Ölpreis und die Lage an der Straße von Hormus in den kommenden Wochen entwickeln. Die nächste Sitzung des EZB-Rats am 29. Oktober gilt bereits jetzt als nächster wichtiger Termin.

Claudia Stephan, Bettina Schneider, Melanie Schürmann, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: einstein / Shutterstock.com, Petronilo G. Dangoy Jr. / Shutterstock.com

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