Fed-Protokoll sorgt für Aufsehen: Drei Notenbanker wollten Zinserhöhung
Drei Notenbanker stimmten im Juli 2026 gegen die Fed-Entscheidung, und das Protokoll offenbart mehr hawkishe Stimmen als bekannt.
- Die Fed hielt die Zinsen im Juli bei 3,50 bis 3,75 Prozent stabil
- Drei Notenbanker stimmten für eine Zinserhöhung um einen Viertelpunkt
- Warsh brachte weniger Fed-Sitzungen pro Jahr ins Gespräch, ohne Beschluss
Das Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) vom 28. und 29. Juli zeigt eine tief gespaltene US-Notenbank: Die Fed hielt den Leitzins zwar zum fünften Mal in Folge bei 3,50 bis 3,75 Prozent, doch drei stimmberechtigte Mitglieder votierten für eine Anhebung um einen Viertelpunkt. Die am Mittwoch (19. August) veröffentlichten Aufzeichnungen belegen, dass die Zustimmung zu einer strafferen Geldpolitik weit über diese drei Dissidenten hinausreichte und die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September aus Sicht vieler Marktteilnehmer inzwischen wieder gesunken ist.
Drei Gegenstimmen für einen strafferen Kurs
Gegen die Entscheidung stimmten die Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, Beth Hammack, der Präsident der Federal Reserve Bank of Minneapolis, Neel Kashkari, sowie die Präsidentin der Federal Reserve Bank of Dallas, Lorie Logan. Alle drei favorisierten eine Anhebung um 25 Basispunkte. Es war laut den Aufzeichnungen der breiteste einheitliche Dissens in eine Richtung seit einem Jahrzehnt. Kein Mitglied des Board of Governors schloss sich den Gegenstimmen an, was zeigt, dass der Widerstand vor allem von den regionalen Notenbanken ausging.
Zustimmung reichte über die Dissidenten hinaus
Das Protokoll hält fest, dass zahlreiche Teilnehmer eine Straffung der Geldpolitik für notwendig hielten, sollte sich die Inflation nicht weiter abschwächen. Damit wird deutlich, dass die restriktive Haltung nicht auf die drei Dissidenten beschränkt blieb, sondern von einem größeren Teil des Gremiums getragen wurde, auch wenn diese Mitglieder letztlich für den Verbleib beim bestehenden Zinsniveau stimmten. Zusätzliches Gewicht erhält die Debatte dadurch, dass laut einem Bericht von Bloomberg auch die Präsidenten der Federal Reserve Bank of Kansas City, Jeffrey Schmid, und der Federal Reserve Bank of St. Louis, Alberto Musalem, im Nachgang signalisierten, im Juli ebenfalls für eine Anhebung gestimmt zu haben, wären sie zu diesem Zeitpunkt stimmberechtigt gewesen.
Seither hat sich das Bild eingetrübt
Seit der Sitzung Ende Juli hat sich die Datenlage aus Sicht vieler Beobachter gegen eine rasche Zinserhöhung verschoben. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft fiel im Juli schwächer aus als erwartet, zudem wurden die Werte der Vormonate spürbar nach unten revidiert. Gleichzeitig blieb die Kerninflation gedämpft. In der Folge ist die von Fed-Funds-Futures abgeleitete Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September nach Angaben von Newsquawk von rund zwei Dritteln unmittelbar nach der Sitzung auf zuletzt etwa 31 Prozent gesunken. Das Protokoll selbst gilt damit als rückwärtsgewandtes Dokument, dessen Aussagekraft durch die seither veröffentlichten Konjunkturdaten bereits teilweise überholt ist.
Debatte über weniger Fed-Sitzungen ohne Ergebnis
Neben der Zinsdebatte hält das Protokoll eine von Fed-Chef Kevin Warsh angestoßene Diskussion über den Sitzungsturnus fest. Warsh brachte den Vorschlag ein, die Zahl der jährlichen FOMC-Sitzungen von acht auf sechs zu reduzieren, mit einem Abstand von rund zwei Monaten zwischen den Terminen. Ein Kalender mit sechs Sitzungen würde nach seinen im Protokoll wiedergegebenen Worten mehr Zeit lassen, damit sich zwischen den Treffen ausreichend neue Informationen ansammeln, und Entscheidungsträgern sowie Mitarbeitern mehr Raum für strategische geldpolitische Fragen geben. Das Gremium äußerte sich dazu, kam aber zu keinem Ergebnis. Warsh stellte zugleich klar, dass die verbleibenden Termine für 2026 unverändert nach dem bestehenden Kalender stattfinden.
Blick auf Jackson Hole und die September-Sitzung
Die kommenden Wochen bringen mehrere Anhaltspunkte für die weitere Richtung. Am 26. August steht die Veröffentlichung des von der Fed bevorzugten Inflationsmaßes PCE für Juli an. Vom 27. bis 29. August folgt das Notenbank-Symposium von Jackson Hole, bei dem Warsh nach Angaben von Marktbeobachtern seine erste Grundsatzrede als Fed-Chef halten dürfte. Die nächste FOMC-Sitzung findet am 15. und 16. September statt und ist mit einer aktualisierten Zusammenfassung der Wirtschaftsprognosen samt Zinsprognosen der einzelnen Mitglieder verbunden, der ersten seit Juni. Bis dahin erhält der Ausschuss weitere Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten, sodass der kurzfristige Kurs der Geldpolitik nach eigenem Bekunden stark von den eintreffenden Zahlen abhängt.
Oktober und Dezember rücken in den Fokus
Anleger richten den Blick daher weniger auf das Protokoll selbst als auf die Frage, ob sich die Meinungsverschiebung innerhalb des Ausschusses bei der nächsten Sitzung in den Zinsprojektionen niederschlägt. Bereits jetzt zeigt sich, dass ein Teil der Terminmarkt-Teilnehmer eine Zinserhöhung eher aufgeschoben als vom Tisch sieht, da die Wahrscheinlichkeiten für die Sitzungen im Oktober und Dezember nach Angaben von Marktbeobachtern höher liegen als für den September-Termin selbst.
Die weitere Entwicklung der US-Geldpolitik bleibt mit Unsicherheit behaftet, da einzelne Konjunkturdaten die Erwartungen kurzfristig deutlich verschieben können.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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