Apple-Aktie im Fokus: iKonzern verklagt OpenAI - und wirft Ex-Mitarbeitern Geheimnisverrat vor
Apple hat am 10. Juli 2026 beim US-Bezirksgericht für den nördlichen Distrikt Kaliforniens eine Klage gegen OpenAI eingereicht.
Werte in diesem Artikel
• Beklagt sind fünf Parteien
• Laut Klageschrift sollen mittlerweile mehr als 400 ehemalige Apple-Beschäftigte bei OpenAI arbeiten
• Apple fordert einstweilige und dauerhafte Unterlassungsverfügungen und mehr
Die zentralen Vorwürfe gegen mehrere eheamlige Apple-Mitarbeiter
Apple wirft in seiner Klage ehemaligen Mitarbeitern systematischen Geheimnisverrat vor. So habe etwa Chang Liu laut Klageschrift acht Jahre als Senior System Electrical Engineer bei Apple gearbeitet, bevor er im Januar 2026 zu OpenAI gewechselt sei. Nach seinem Ausscheiden habe er ein Apple-Notebook nicht zurückgegeben und darüber - über eine laut Apple bislang unbekannte Authentifizierungslücke - weiterhin Zugriff auf das interne Netzwerk gehabt. Über mehrere Wochen habe er Dutzende vertrauliche Dateien heruntergeladen, darunter eine über tausend Seiten umfassende technische Zusammenstellung sowie Unterlagen zu Fertigung und Testverfahren von Hauptplatinen.
Belastet wird Liu laut Klageschrift durch interne Chatnachrichten: Er habe seinen Zugriff gegenüber einer noch bei Apple beschäftigten Kollegin, Yu-Ting "Alyssa" Peng, als Glücksfall kommentiert. Peng sei dann im April 2026 ebenfalls zu OpenAI gegangen. Liu habe sie zuvor angeleitet, wie sie Dateien kopieren könne, ohne beim Sicherheitsteam aufzufallen, und welche vertraulichen Apple-Informationen sie vor ihrem OpenAI-Interview durcharbeiten solle. Zur Verschleierung sei laut Apple der Messenger-Dienst LINE benutzt worden.
Ebenso sei Tang Yew Tan laut Klageschrift 24 Jahre bei Apple tätig gewesen, zuletzt als Vice President of Product Design für iPhone und Apple Watch. Heute ist er Chief Hardware Officer bei OpenAI. Apple wirft ihm vor, in Vorstellungsgesprächen gezielt interne Apple-Projektcodenamen verwendet zu haben, um Kandidaten weitere vertrauliche Informationen zu entlocken. Zudem seien Bewerber angewiesen worden, physische Bauteile, etwa Batterien, Hauptplatinen oder Gehäuseteile, zu "Show and Tell"-Sitzungen mitzubringen.
Tan habe zudem ein internes, als "Need to Know" gekennzeichnetes Apple-Dokument zu Abgangsprozeduren an neu rekrutierte Kandidaten weitergegeben, damit diese ihren Wechsel möglichst lange vor Apple hätten verbergen können, so der Vorwurf.
Apple wirft OpenAI System vor
Über die Einzelfälle hinaus wirft Apple OpenAI ein systematisches Muster vor: Bewerbungsgespräche seien demnach gezielt genutzt worden, um technische Details zu Bauteilauswahl, Lieferantenbeziehungen und Entwicklungsmethoden zu extrahieren. Als Beispiel für eine Ausweitung auf Zulieferer führt die Klageschrift eine mutmaßlich unautorisierte Nutzung eines proprietären Metallveredelungsverfahrens an: Ein Apple-Partnerunternehmen habe die Technik für OpenAI ausgeführt, nachdem man ihm laut Apple fälschlich vermittelt habe, dies geschehe mit Apples Erlaubnis.
Apple vertritt in der Klage zudem die Rechtsauffassung, das US-Unternehmen für KI-Hardware io Products sei als "alter ego" von OpenAI zu behandeln - das ist jedoch eine juristische Argumentation, kein feststehender Sachverhalt. Begründet wird dies unter anderem damit, dass beide Unternehmen dieselbe Adresse in San Francisco angeben und OpenAI laut Apple sämtliche operativen Entscheidungen von io kontrolliere.
Beweisgrundlage der Klage
Die Klageschrift beruft sich durchgehend auf Nachrichten und Aktivitätsprotokolle von Apple-eigenen Geräten sowie auf unternehmenseigene Netzwerk- und Zugriffsprotokolle, nicht auf Aussagen der Beschuldigten selbst. Apple betont zudem, die bislang bekannten Fälle stammten aus einer noch laufenden internen Untersuchung mit "praktisch keiner Sichtbarkeit" in das, was innerhalb von OpenAI und io tatsächlich geschehe. Man rechne damit, dass das Ausmaß im Rahmen des gerichtlichen Beweisverfahrens noch größer ausfallen werde.
Kontext: Hardware-Ambitionen und möglicher Einfluss auf den Börsengang
Die Klageschrift beziffert unter Verweis auf Medienberichte von CNBC & Co. den Kaufpreis für das von Tang Tan mitgegründete io Products im Mai 2025 auf rund 6,5 Milliarden US-Dollar. Denselben Quellen zufolge sei OpenAIs Bewertung von rund 29 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf etwa 852 Milliarden US-Dollar im April 2026 gestiegen.
Das Unternehmen habe demnach über 180 Milliarden US-Dollar von Investoren eingesammelt. Diese Zahlen stammen nicht aus Apples eigener Kenntnis, sondern werden in der Klageschrift per Fußnote auf externe Berichterstattung zurückgeführt. Bereits im November 2025 habe OpenAI eigenen Angaben zufolge erste Prototypen eines Hardware-Geräts fertiggestellt.
Ein Statement von OpenAI
In einem Beitrag auf X.com äußerte sich ein Communications-Mitarbeiter von OpenAI beschwichtigend: OpenAI habe kein Interesse an den Geheimnissen anderer Firmen, der Fokus läge auf der Entwicklung innovativer Technologien.
Our statement in response to this suit: We have no interest in other companies' trade secrets. We remain focused on building innovative technology that empowers people everywhere. https://t.co/lIxGW6hyz5
- Drew Pusateri (@drewpusateri) July 10, 2026
Trotz Klage: Geschäftsbeziehung bleibt bestehen
Trotz Klage sind Apple und OpenAI weiterhin vertraglich verbunden: Laut Klageschrift betrifft der Rechtsstreit ausdrücklich nicht die bestehende Vereinbarung zur Integration von ChatGPT in Apple Intelligence - diese sei rechtlich und sachlich von den erhobenen Vorwürfen getrennt.
Markus Maier, Redaktion finanzen.net
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Alle: Alle Empfehlungen
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 27.07.26 | Apple Hold | Jefferies & Company Inc. | |
| 16.07.26 | Apple Hold | Jefferies & Company Inc. | |
| 08.07.26 | Apple Outperform | Bernstein Research | |
| 07.07.26 | Apple Overweight | JP Morgan Chase & Co. | |
| 07.07.26 | Apple Neutral | UBS AG |
