Aktien Europa: Stabilisierungsversuch - Ölpreise stehen weiter im Fokus
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PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Nach hohen Vortagesverlusten haben Europas Börsen sich am Mittwoch etwas stabilisiert. Während die Preisturbulenzen an den Ölmärkten sich auch zur Wochenmitte fortsetzen, trauten sich die Anleger an den Aktienmärkten zunächst wieder aus der Deckung. Etwas Unterstützung lieferte laut Beobachtern auch ein neues Konjunkturpaket der US-Regierung im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) kletterte bis gegen Mittag um 1,07 Prozent auf 2821,15 auf Punkte.
In etwas geringerem Maß konnte sich die Börse in Paris erholen: Der französische CAC 40 rückte um 0,71 Prozent auf 4388,32 Zähler vor. Der britische FTSE 100 kletterte derweil um 1,51 Prozent auf 5726,22 Punkte.
Die Anleger halten unterdessen weiter den Ölpreis genau im Auge. Neben der Corona-Pandemie hatten am Vortag heftige Preiskapriolen an den Ölmärkten die Sorgen um eine Rezession weiter angefacht und die Börsen rund um den Globus nach zwei positiven Wochen auf Talfahrt geschickt.
Am Ölmarkt klafft bereits seit längerem eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Weil sich nun in der Corona-Krise wegen des Erliegens des Reiseverkehrs und des Stillstand vieler Volkswirtschaften nicht genug Käufer finden, mussten Verkäufer der US-Sorte WTI in dieser Woche zeitweise sogar Geld für die Abnahme bezahlen. Am Mittwochmorgen stand vor allem der Preis für die Nordseesorte Brent unter Druck - dieser fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit 1999. "Der Ölpreis-Crash zeigt, wie es um die Weltwirtschaft bestellt ist, und ist daher ein Realitätstest für die Anleger", schrieb Marktanalyst Milan Cutkovic von Axitrader.
Dass die Investoren nun aber neuen Mut schöpften, dürfte laut Cutkovic auch an neuen Finanzspritzen der US-Regierung liegen. Der US-Senat hatte am Vortag wegen der Corona-Krise ein weiteres Konjunkturpaket in Höhe von 480 Milliarden US-Dollar (440 Mrd Euro) beschlossen.
Aus Branchensicht waren zur Wochenmitte vor allem die Technologiewerte eine Stütze. Nach dem Rückschlag am Vortag legte der entsprechende Subindex um mehr als drei Prozent zu. Börsianer zeigten sich positiv überrascht von recht zuversichtlichen Signalen der Branchengröße STMicro (STMicroelectronics).
Der Halbleiterkonzern liegt auch mit seiner reduzierten Prognose noch deutlich über den Erwartungen von Analysten, die in den vergangenen Wochen wegen der Corona-Pandemie ihre Schätzungen stark gekürzt hatten. Die Aktien von STMicroelectronics legten zuletzt um mehr als sieben Prozent zu.
Auch in anderen Branchen dominierten Bilanzen das Geschehen: Im EuroStoxx 50 schossen die Aktien des irischen Baustoffkonzerns CRH nach der Vorlage der Quartalsbilanz mit gut sieben Prozent Kursplus an die Index-Spitze. Das Unternehmen reagiert auf die aktuelle Corona-Pandemie mit Sparmaßnahmen und kürzt unter anderem die Gehälter seiner führenden Manager um ein Viertel, auch der Aktienrückkauf ist vorerst ausgesetzt.
Schlusslicht im Index waren Kering mit rund sechs Prozent Abschlag, hier nahmen die Anleger nach dem jüngsten Kursanstieg Gewinne mit. Beschleuniger war auch ein Kommentar von JPMorgan-Analystin Melanie Flouquet - sie hatte auf die zuletzt schwache Entwicklung der Marke Gucci verwiesen
Aktien von Akzo Nobel verteuerten sich hingegen nach Öffnung der Bücher um mehr als sieben Prozent. Der Farben- und Lackehersteller hat bislang der Corona-Krise durch seine erfolgreiche Restrukturierung trotzen können. Trotz Umsatzeinbußen verbuchten die Niederländer zum Jahresstart einen deutlichen Gewinnsprung.
Positive Aussagen zur Nachfrage und zum 5G-Anlauf sorgten unterdessen auch beim schwedischen Netzwerkausrüster Ericsson (Ericsson (Telefon AB LMEricsson) (B)) für deutliche Kursgewinne von knapp sechseinhalb Prozent. In der Schweiz ging es für die Aktie des Pharmakonzerns Roche nach Zahlen um knapp zwei Prozent nach oben./tav/jha/
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