Aktien Frankfurt: Verluste - Wieder Zweifel an US-chinesischer Einigung
FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein Stimmungsdämpfer aus China hat den Dax (DAX 30) am Donnerstag nach moderaten Anfangsgewinnen etwas ins Minus gedrückt. Gegen Mittag verlor der deutsche Leitindex 0,33 Prozent auf 12 867,78 Punkte - im frühen Handel hatte er noch zurückhaltenden Aussagen der US-Notenbank Fed getrotzt. Für den MDAX der mittelgroßen Werte ging es zuletzt um 0,78 Prozent auf 26 187,53 Punkte bergab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) sank um 0,32 Prozent auf 3608,88 Zähler.
Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus Verhandlungskreisen im Handelsstreit erfuhr, bezweifelt China, dass unter US-Präsident Donald Trump eine langfristige Einigung mit den USA zu erzielen sei. Am frühen Morgen hatte schon der staatliche Einkaufsmanagerindex für die chinesische Industrie gezeigt, wie sehr diese unter den Spannungen beider Länder leidet. Der für Meldungen zum Handelsstreit sehr sensible Dax gilt bei Charttechnikern angesichts der jüngsten Rally ohnehin als anfällig für Rückschläge. Für den heute endenden Monat Oktober steuert er immer noch auf ein sattes Plus von rund dreieinhalb Prozent zu.
Die US-Währungshüter hatten am Mittwochabend zwar wie schon erwartet zum dritten Mal in Folge die Zinsen gesenkt. Sie sendeten aber klare Signale für eine Pause der geldpolitischen Lockerung. Notenbankpräsident Jerome Powell nannte als Bedingung, dass es keine unerwartete und drastische Veränderung der konjunkturellen Entwicklung geben dürfe.
Im Dax waren die Aktien des Agrarchemie- und Pharmakonzerns Bayer mit erneuten Gewinnen von fast drei Prozent Favorit der Anleger. Händler werteten Aussagen des renommierten Mediators und Experten in Entschädigungsfragen Ken Feinberg in einem Interview mit dem "Handelsblatt" positiv. Er bezweifelt, dass die gestiegene Zahl von Klagen in den USA wegen angeblicher Krebsrisiken durch glyphosathaltige Unkrautvernichter einen Vergleich schwieriger und teurer für die Leverkusener macht. Am Vortag hatten die Aktien bereits von den bekräftigten Jahreszielen des Unternehmens profitiert.
Beim Energieversorger Eon (EON SE) sorgte eine neue Kaufempfehlung des Analysehauses Jefferies für ein knapp zweiprozentiges Kursplus. Jefferies-Experte Ahmed Farman hält den Bewertungsabschlag der Eon-Aktie zum Sektor für nicht gerechtfertigt.
Derweil standen Aktien aus der Autobranche unter Druck: Ungeachtet der Fusionspläne von PSA (Peugeot) und Fiat Chrysler (Fiat Chrysler (FCA)) zählten Volkswagen, Daimler und BMW sowie der Zulieferer Continental zu den größten Verlierern. Zuletzt waren die Titel der exportabhängigen Branche überwiegend stark gelaufen, was sie für die jüngsten Nachrichten aus China besonders verwundbar machte.
Sonst wurde das Geschehen am deutschen Aktienmarkt weiter von der laufenden Berichtssaison dominiert. Mangels Dax-Mitgliedern mit Zahlen standen nun vor allem Unternehmen aus der zweiten und dritten Börsenreihe im Fokus.
Unter den MDax-Favoriten war Nemetschek (Nemetschek SE) mit einem Kurssprung von knapp vier Prozent zu finden. Der Bausoftwarehersteller begeisterte die Anleger mit deutlichen Umsatz- und Gewinnzuwächsen im dritten Quartal. Deshalb geht das Unternehmen nun davon aus, das obere Ende seiner Jahresziele für den Umsatz und die operativen Ergebnismargen (Ebitda) zu erreichten.
Für Rational-Titel (RATIONAL) ging es dank ebenfalls starker Zahlen gar um knapp siebeneinhalb Prozent bergauf an die MDax-Spitze. Analyst Sebastian Künne von der Investmentbank RBC hob die sehr starke Profitabilität im dritten Quartal positiv hervor, zumal der Markt mit steigendem Kostendruck gerechnet habe. Die zwischenzeitlich angezweifelten Jahresziele schienen nun in Reichweite.
Dagegen rutschten Zalando-Titel (Zalando) mit einem Minus von sieben Prozent ans MDax-Ende. Zwar berichtete der Online-Modehändler ebenfalls über ein starkes Quartalswachstum. Marktteilnehmer störten sich aber am lediglich bestätigten Jahresausblick.
Im Nebenwerte-Index SDAX verloren die Aktien von Befesa über drei Prozent. Sie litten darunter, dass der Recyclingspezialist für das operative Jahresergebnis nun nicht mehr von einem Wachstum, sondern von einem Rückgang ausgeht./gl/fba
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---
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