Großauftrag überschattet

Bund plant Fregatten-Wechsel: Rheinmetall-Aktie sackt zweistellig ab, TKMS jubelt - auch RENK & HENSOLDT im Blick


Bund plant Fregatten-Wechsel: Rheinmetall-Aktie sackt zweistellig ab, TKMS jubelt - auch RENK & HENSOLDT im Blick

Rheinmetall vermeldet einen neuen internationalen Großauftrag, doch die Aktie gerät gehörig unter Druck. Das sind die Gründe.

Werte in diesem Artikel
Aktien

80.30 EUR 0.36 EUR 0.45 %

49.06 EUR 0.28 EUR 0.58 %

1,139.80 EUR 3.60 EUR 0.32 %

99.30 EUR 5.10 EUR 5.41 %

Indizes

33,291.24 EUR 296.87 EUR 0.9 %

Des einen Freud, des anderen Leid: Ein Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" bewegt die Papiere von Rheinmetall und TKMS am Mittwoch deutlich.

Werbung

So schnellten die Papiere von TKMS zum XETRA-Schluss um 16,07 Prozent hoch auf 84,50 Euro und führten den MDAX an. Gleichzeitig brachen Rheinmetall-Aktien letztlich um deutliche 18,65 Prozent auf 949,00 Euro ein und hielten damit zur Wochenmitte die rote Laterne im DAX.

Milliardenschwerer Auftrag für Rheinmetall

Dabei teilte Rheinmetall erst am Mittwochmorgen mit, dass man sich mit der rumänischen Regierung auf eine langjährige Partnerschaft verständigt hat. So wurden die Düsseldorfer mit der Lieferung von Flugabwehrsystemen des Typs Skyranger 35 beauftragt. Die Bestellung beläuft sich dabei auf einen Gesamtwert von 5,7 Milliarden Euro und umfasst neben den georderten Skyranger-Systemen auch Skynex-Systeme sowie zwei Millennium-Geschütze. Damit ist die Beauftragung Teil eines historischen Großauftrags, der bereits am 2. Juni 2026 bekanntgegeben wurde.

Großauftrag überschattet: Bund plant Fregattenwechsel

Dieser Großauftrag wird allerdings durch ein ganz anderes Ereignis überschattet. Verzögerungen, Kostenexplosion, juristische Risiken: Beim milliardenteuren Rüstungsprojekt für sechs Fregatten des Typs F126 zieht Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nach umfangreichen Prüfungen den Stecker. Das Verteidigungsministerium habe entschieden, dass der Bau der insgesamt sechs Fregatten nicht weiterverfolgt werde, teilte das Ressort in Berlin mit. Zuvor hatten mehrere Medien, etwa der "Spiegel" berichtet. Zur Rettung des Projekts hatte sich Rheinmetall ins Spiel gebracht, doch der Düsseldorfer Konzern hat nun das Nachsehen. Stattdessen will die Bundesregierung Fregatten beim U-Boot-Bauer TKMS beschaffen.

Werbung

Das zunächst als Generalunternehmer beauftragte niederländische Unternehmen Damen Schelde Naval Shipbuilding (DSNS) habe zeitliche und finanzielle Rahmenbedingungen nicht einhalten können, so das Ministerium. Die erste Fregatte mit einer sogenannten Anfangsbefähigung hätte Mitte 2028 geliefert werden sollen, die folgenden fünf Schiffe dann bis 2033. Das Ministerium hatte einen Generalunternehmerwechsel zur Naval Vessels Lürssen (NVL), die nun zu Rheinmetall gehört, geprüft, sich nun aber dagegen entschieden. Anfang April hatte Rheinmetall die NVL für 1,5 Milliarden Euro übernommen; Zentrum der Werft-Sparte ist die Hamburger Werft Blohm+Voss.

Das Fregattenprojekt war spätestens 2025 schwer ins Stocken geraten. Als Grund galten IT-Probleme mit der Konstruktionssoftware bei den Niederländern, die sich offenkundig übernommen hätten. Die europaweite Ausschreibung der F126 war im Jahr 2020 ein Novum und sollte den Wettbewerb in der Beschaffung der Bundeswehr stärken. Zunächst hatten sich die Kosten des Projektes für sechs F126-Fregatten auf insgesamt rund 10 Milliarden Euro belaufen sollen. Inzwischen sind Kosten von rund 2,3 Milliarden Euro entstanden, die wohl größtenteils abgeschrieben werden müssen. Für einen Vertrag mit NVL als Generalunternehmer wären weitere rund 15,2 Milliarden Euro fällig geworden; laut Ministerium wäre der Gesamtfinanzbedarf damit auf mehr als 18 Milliarden Euro angestiegen. Hinzu kam ein juristischer Vorbehalt: Bei einem Generalunternehmerwechsel hätte der Bund vertraglich auf mögliche Schadenersatzansprüche gegenüber dem bisherigen Auftragnehmer verzichten müssen, was dem verantwortungsvollen Umgang mit Haushaltsmitteln widerspreche.

Das Ministerium setzt nun auf Fregatten des Typs Meko A-200 DEU von TKMS - primär für die seegestützte U-Boot-Jagd bestimmt. Acht Schiffe sollen beschafft werden, die eigentlich als Brückenlösung geplant waren. Dies sei innerhalb der Nato von höchster Relevanz und nationaler Schwerpunkt Deutschlands.

Werbung

TKMS-Chef: Erste Fregatte 2029 fertig

TKMS will die erste Fregatte vom Typ Meko A-200 DEU wie geplant 2029 an die Marine ausliefern. "Die Ankündigung im ersten Schritt vier Schiffe zu beschaffen und optional um vier weitere zu erweitern, öffnet die Perspektive die deutsche Werftenindustrie einzubinden", sagte TKMS-Chef Oliver Burkhard. "Wir sind offen für Gespräche mit unseren Industriepartnern." Die Werft habe bereits im Februar mit den Vorarbeiten begonnen und könne einen international erprobten, kosteneffizienteren und skalierbaren Schiffstyp liefern. Auch aus der Politik kam Zustimmung: Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) erklärte, man nehme die Entscheidung des Bundes zur Kenntnis und freue sich, einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Deutschen Marine leisten zu können. Das stärke die Standorte in Schleswig-Holstein wie auch die gesamte Industrie an der Küste. "Zeit ist der kritische Faktor. Der war mit der jetzigen Planung der 126 und vier Jahren Verzug nicht mehr gewährleistet."

Auch die Meko-Fregatten werden teurer

Das Verteidigungsministerium will dem Haushaltsausschuss des Bundestages nun schnellstmöglich die Entscheidungsgrundlage für den Kauf der Meko-Fregatten vorlegen. Der Beschaffungspreis für die ersten vier Kampfschiffe wird mit rund 6,3 Milliarden Euro angegeben, die Option über vier weitere Schiffe könnte bis Ende 2026 für rund 5,3 Milliarden Euro ausgelöst werden. Das ist weniger als eine Fortführung der F126, aber mehr als zunächst zur Rede stand. Die Mehrkosten gegenüber der ursprünglichen Haushaltsplanung führt das Ministerium auf die Umwandlung der industrieseitigen Kostenschätzung in ein verbindliches Vertragsangebot der TKMS zurück; die nach Prüfung der Marine unverzichtbaren Ergänzungen machten dabei nur rund fünf Prozent der Gesamtkosten aus und seien kein maßgeblicher Preistreiber.

Analyst warnt: Eigene Messlatte bei Auftragseingängen wackelt

Die Entscheidung, Fregatten dieses Typs zu erwerben, hatte das Ministerium zwar bereits im März getroffen, die Anzahl wurde laut Analyst Alexander Neuberger vom Bankhaus Metzler indes aber verdoppelt. Und das bedeute für TKMS auch eine Verdoppelung des Auftragsvolumens für das Meko-200-Konzept. "Sollte TKMS zudem den kanadischen Auftrag über bis zu 12 U-Boote des Typs U212CD zu einem kolportierten Stückpreis von 3 Milliarden Euro pro Boot gewinnen, könnte der Auftragseingang bis zum Quartal 2025/26 von 20 Milliarden auf 68 Milliarden Euro ansteigen", schrieb er.

Das von der Bundesregierung gestrichene Fregattenprojekt beraube den Düsseldorfer Rüstungskonzern ausgerechnet seines "Kronjuwels", welches die Übernahme des Schiffsbauers Naval Vessels Lürssen (NVL) gerechtfertigt und die Prognosen für den Geschäftsbereich Marine bis 2030 untermauert habe, schrieb Jens-Peter Rieck vom Analysehaus MWB Research. Der Rheinmetall-Vorstand werde nun die Jahresziele beim nächsten Quartalsbericht glaubwürdig neu festlegen müssen.

Analyst David Perry von JPMorgan nannte diese Entwicklung "einen herben Rückschlag" für Rheinmetall. Die Düsseldorfer dürften nun die eigenen Vorgaben für den Auftragseingang im zweiten Quartal sowie im Gesamtjahr wohl nicht mehr erreichen. Der Experte bezifferte den Auftragswert auf rund 12 Milliarden Euro. Ob damit der Übernahme von Naval Vessels Lürssen durch Rheinmetall quasi die Geschäftsgrundlage entzogen werde, sei noch nicht zu entscheiden. Denn der Bund könne bei NVL ein anderes Kriegsschiff ordern oder das Unternehmen könne als Subunternehmer agieren. Parallel bieten TKMS und Rheinmetall für die Marinewerft German Naval Yards, die zur französischen Gruppe CMN Naval gehört und große Marineschiffe wie Fregatten und Korvetten baut. German Naval Yards und TKMS teilen sich eine Fläche und gehörten lange zusammen; beide gingen aus der Traditionswerft HDW (Howaldtswerke-Deutsche Werft AG) hervor, deren Ursprünge bis 1838 zurückreichen.

So reagieren die Branchenkollegen

Im Sog des massiven Abverkaufs bei Rheinmetall gerieten auch die Branchenkollegen RENK und HENSOLDT unter Druck. Schlussendlich verloren RENK-Aktien 7,20 Prozent auf 42,44 Euro, während HENSOLDT-Papiere 3,28 Prozent auf 68,96 Euro absackten.

Für die schwarz-rote Bundesregierung ist die F126 nach dem Aus für das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS vor einigen Wochen bereits das zweite milliardenschwere Vorhaben, das nach längerer Hängepartie für beendet erklärt wird. In der deutschen Rüstungsbranche wächst die Sorge, dass dem gemeinsamen Panzerprojekt MGCS Ähnliches drohen könnte.

Benedict Kurschat, Claudia Stephan, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

Bildquellen: Oliver Hoffmann / Shutterstock.com, Tobias Arhelger / Shutterstock.com

Aktuelle Rheinmetall Aktie News

Werbung

Rheinmetall Analysen

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Rheinmetall nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
DatumRatingAnalyst
03.07.26 Rheinmetall Buy Deutsche Bank AG
03.07.26 Rheinmetall Neutral JP Morgan Chase & Co.
03.07.26 Rheinmetall Overweight Barclays Capital
25.06.26 Rheinmetall Buy Warburg Research
25.06.26 Rheinmetall Kaufen DZ BANK