All in KI

Personalbeben bei SAP: CEO übernimmt Schlüsselbereiche selbst - Aktie kann Talfahrt nicht stoppen


Personalbeben bei SAP: CEO übernimmt Schlüsselbereiche selbst - Aktie kann Talfahrt nicht stoppen

SAP stellt seine Produktorganisation neu auf und überträgt Vorstandschef Christian Klein die Verantwortung für zentrale Entwicklungsbereiche. Die Börse ist nicht überzeugt.

Werte in diesem Artikel
Aktien

126.02 EUR 3.32 EUR 2.71 %

138.44 EUR 0.60 EUR 0.44 %

• Christian Klein übernimmt zentrale Bereiche der Produktentwicklung
• KI-Strategie rückt noch stärker in den Mittelpunkt
• Anleger warten auf Quartalszahlen als ersten Belastungstest

Werbung

Der Softwarehersteller SAP baut seine Organisation tiefgreifend um, und an der Spitze der Produktentwicklung steht künftig der Vorstandschef selbst. Wie das "Handelsblatt" berichtet, übernimmt Christian Klein vom 1. Juli an die Verantwortung für mehrere zentrale Entwicklungsbereiche mit mehreren tausend Mitarbeitern.

Der Schritt fällt in eine angespannte Phase: Die SAP-Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 35 Prozent an Wert verloren, allein im letzten Monat haben Anleger Verluste von mehr als 17 Prozent in ihren Depots. Und auch am Dienstag prägen erneut rote Vorzeichen das Bild des einstigen DAX-Top-Performers: Auf XETRA ging es letztlich am Dienstag auf 134,00 Euro abwärts - weitere 1,93 Prozent an Verlust. Für einen Konzern, der sich "All in on AI" verordnet hat und im Deutschen Leitindex zu den schwersten Werten zählt, ist die Personalie mehr als eine Randnotiz.

Der Vorstandschef rückt an die Produktfront

Hinter dem Umbau steht das Projekt mit dem Codenamen "Fuji". Klein verantwortet vom 1. Juli an die "Business Suite", in der SAP die wichtigsten Komponenten seiner Geschäftssoftware bündelt, sowie eine Plattform, über die Kunden Transaktionen wie Einkäufe und Reisebuchungen abwickeln. Beide Bereiche führt Manoj Swaminathan operativ und berichtet nun direkt an den Vorstandschef.
Produktentwicklungschef Muhammad Alam gibt diese Aufgaben ab. In seinem Ressort verbleibt nach Angaben aus Konzernkreisen nur noch der kleinere Bereich "Product Experience" mit voraussichtlich weniger als 2.000 Beschäftigten. Alam, dessen Vertrag im März 2027 ausläuft, verlässt das Unternehmen, eine Nachfolge hat der Aufsichtsrat bislang nicht kommuniziert. SAP wollte die Pläne auf Anfrage nicht kommentieren.

Werbung

Klein denkt die Softwareentwicklung radikal neu

Klein zieht die Verantwortung für das Herzstück des Geschäfts damit dorthin, wo auch die Strategie entschieden wird, und macht die KI-Wende zur Chefsache. Seit dem Jahreswechsel gilt im Konzern die Devise "All in on AI". Schon zum 1. April hatte SAP den Vertrieb neu geordnet und unter Thomas Saueressig als Chief Customer Officer gebündelt. Die kritische Lesart der Personalentscheidung fällt unterdessen weniger schmeichelhaft aus. Innerhalb weniger Monate ist es der zweite große Eingriff in die Führungsstruktur, ein erfahrener Produktvorstand verliert sein Kernressort ohne erkennbaren Nachfolger, und der Vorstandschef häuft operative Verantwortung an, während er den Konzern zugleich strategisch und finanziell steuern soll.

Wie tief der Umbruch reicht, zeigt eine Aussage des SAP-Chefs gegenüber der "Australian Financial Review". Es gebe eine Chance, dass bei SAP "in drei bis vier Jahren niemand mehr Software entwickelt", sagte er und spielte damit auf KI-gestützte Entwicklung an. Solche Sätze befeuern die Debatte über "Vibe Coding" und automatisierte Entwicklerrollen, sie nähren aber auch die größte Sorge vieler Investoren: dass KI das klassische Lizenz- und Wartungsgeschäft kannibalisiert, bevor neue KI-Erlöse es ersetzen. Genau hier entscheidet sich, ob die Konzentration der Produktmacht beim Chef Tempo bringt oder neue Reibung erzeugt.

Die Börse bleibt skeptisch

An der Börse ist von Aufbruch wenig zu spüren. Über die vergangenen Monate hat die SAP-Aktie kräftig an Wert verloren und pendelt nahe ihrem Tief der vergangenen 52 Wochen. Der Markt zweifelt am Tempo, mit dem sich KI in zusätzliche Umsätze übersetzen lässt, zumal Konkurrent Oracle mit angekündigten Investitionen von bis zu 95 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2027 die Frage aufwirft, ob SAP bei den Ausgaben nachziehen muss. Auffällig ist die Kluft zwischen Kurs und Analystenurteil: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 218,75 Euro, deutlich über den aktuellen 134,80 Euro.

Werbung

Ob aus der Machtkonzentration Schub oder Stillstand wird, lässt sich früher überprüfen, als mancher denkt. Am 23. Juli 2026 legt SAP die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Sie sind der erste belastbare Gradmesser dafür, ob der Umbau "Fuji" und Kleins direkter Zugriff auf die Produktentwicklung im operativen Geschäft ankommen oder zunächst nur das Organigramm verändern.

Claudia Stephan, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Gil C / Shutterstock.com, nitpicker / Shutterstock.com

Aktuelle SAP Aktie News

Werbung

SAP Analysen

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für SAP nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
DatumRatingAnalyst
02.07.26 SAP SE Neutral JP Morgan Chase & Co.
29.06.26 SAP SE Buy Jefferies & Company Inc.
25.06.26 SAP SE Buy Jefferies & Company Inc.
19.06.26 SAP SE Buy UBS AG
19.06.26 SAP SE Buy Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)