SAP-Konkurrent Salesforce-Aktie schwächelt: KeyBanc zweifelt an Agentforce-Wachstum
Ausgerechnet die KI-Hoffnung Agentforce sorgt bei einem Analystenhaus für so viel Skepsis, dass es die Salesforce-Aktie gleich herabstuft.
Werte in diesem Artikel
- KeyBanc stuft Salesforce wegen Zweifeln an Agentforce auf Sector Weight herab
- Kunden bemängeln unfertige Daten und ein noch nicht ausgereiftes Agentforce
- Mehr CIOs wollen Salesforce laut Umfrage künftig zurückstufen als ausbauen
Die Aktie des SAP-Konkurrenten Salesforce gerät nach einer Herabstufung durch KeyBanc erneut unter Druck. KeyBanc-Analyst Jackson Ader senkte seine Einstufung am Mittwoch von "Overweight" auf "Sector Weight" und strich das Kursziel komplett, weil ihm die Beweise für eine baldige Wachstumsbeschleunigung durch die KI-Plattform Agentforce fehlen.
In der Folge gab das Papier am Mittwoch nach. Im NYSE-Handel am Donnerstag kündigte sich nun ein weiterer Kursrutsch an: Letztlich verlor die Salesforce-Aktie 2,46 Prozent auf 162,49 US-Dollar.
Für Salesforce ist es der jüngste Rückschlag in einer Debatte, die den gesamten Softwaresektor umtreibt: Wie schnell wird sich die milliardenschwere Investition in KI-Agenten tatsächlich in Umsatz übersetzen?
Kundenfeedback bereitet KeyBanc Sorgen
Ader begründet die Herabstufung laut Investing.com vor allem mit eigenen Gesprächen im Kundenumfeld. Sein Haus besuche mehr Partner- und Kundenveranstaltungen von Salesforce als jedes andere von KeyBanc beobachtete Unternehmen, und das Bild sei in zwei Punkten durchgängig gewesen: Die Daten vieler Kunden seien nicht so organisiert, dass sinnvolle KI-Arbeit damit möglich sei, und Agentforce als Produkt sei noch nicht reif. Partner würden gerade erst beginnen, erste Testprojekte mit Agentforce in echte Pipeline umzuwandeln. Hinzu kommt eine Umfrage unter IT-Entscheidern, in der mehr Befragte angaben, Salesforce in den kommenden zwölf Monaten im Budget zurückzustufen, als es auszubauen.
Kursziel gestrichen, Schätzungen gesenkt
Wie Investing.com berichtet, senkte Ader im gleichen Schritt seine Schätzungen und entfernte das Kursziel vollständig, anstatt nur einen niedrigeren Wert zu nennen. In den veröffentlichten Kennzahlen finde er keinen klaren Beleg dafür, dass das "net-new"-Auftragsvolumen schneller wächst als das gesamte Auftragsvolumen, obwohl das Management genau das nahelege.
Ader selbst räumt ein, dass der Zeitpunkt für die Herabstufung ungünstig gewählt sein könnte. "Es ist möglich, dass wir Salesforce zum exakt falschen Zeitpunkt herunterstufen", wird der Analyst von Barron's zitiert. Man frage sich irgendwann, warum man Belege sammle, wenn man sie am Ende nicht nutze, so Ader. Bemerkenswert ist der Schwenk auch deshalb, weil sich das Haus zuvor gegen pauschale Kritik an Software-Aktien gestellt und die Vorteile der etablierten Marktstellung von Salesforce betont hatte.
Mehrheit der Analysten bleibt optimistisch
Trotz der Kritik von KeyBanc ist die Herabstufung im Analystenlager bislang die Ausnahme. Die Mehrheit der Salesforce-Analysten bewertet die Aktie weiterhin mit Kaufen, das durchschnittliche Kursziel liegt demnach bei rund 241 US-Dollar - und bietet zum letzten Schlusskurs von 166,58 US-Dollar noch über 40 Prozent Aufwärtspotenzial. Die Diskrepanz zeigt jedoch, wie unterschiedlich die Wall Street den Fortschritt von Agentforce einschätzt: Während ein Teil der Analysten auf greifbare Fortschritte im laufenden Geschäftsjahr setzt, sieht Ader die entscheidende Wachstumsbeschleunigung nach eigenen Worten noch in weiterer Ferne, als es der Markt bislang einpreist.
Ob sich Aders Skepsis am Ende durchsetzt oder die optimistischere Mehrheit der Analysten recht behält, dürfte sich an den nächsten Quartalszahlen zeigen, wenn Salesforce belastbare Pipeline-Daten zu Agentforce vorlegen muss. Bis dahin bleibt der Titel ein Testfall dafür, wie geduldig der Markt mit KI-Versprechen umgeht, die sich noch nicht in harten Auftragszahlen niederschlagen.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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