Arbeiter sterben im Schnitt offenbar vier Jahre früher als Beamte
BERLIN (Dow Jones)--Beamte leben im Schnitt mehr als vier Jahre länger als Arbeiter. Das belegt eine noch unveröffentlichte Studie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Sozialverbandes VdK erstellt hat und die dem Spiegel vorliegt.
Vor allem bei den Männern sind die Unterschiede groß. 65-jährige Beamte können damit rechnen, noch 21,5 Jahre zu leben. Gleichaltrige Angestellte und Selbstständige dürfen im Schnitt auf 19 weitere Jahre hoffen, bei Arbeitern sind es lediglich 15,9. Bei den Frauen fallen die Unterschiede zwischen diesen Berufsgruppen ähnlich aus. Beamtinnen leben im Schnitt drei Jahre länger als Arbeiterinnen.
Schon zuvor waren Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass Menschen mit hohem Einkommen oder höherer Bildung eine längere Lebenserwartung haben - auch unter ihnen dürften viele Beamte sein.
Das DIW hat für seine Analyse nun die Haushaltsbefragung des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP) genutzt und mit amtlichen Sterbetafeln abgeglichen. Der Befund, dass die Unterschiede bei der Lebenserwartung nicht zufällig sind, sondern auch mit der sozialen Stellung zu tun haben, deutet auf ein grundlegendes Problem des Rentensystems hin: Die Ungleichheit bei den Lebenseinkommen wird durch eine ungleiche Lebenserwartung noch verstärkt. Die Studie dürfte daher Bewegung in die Rentendebatte bringen, so der Spiegel.
VdK-Präsidentin Verena Bentele sagte dem Magazin: "Wir lehnen eine generelle Erhöhung der Regelaltersgrenze strikt ab." Schon jetzt schaffe es nur eine Minderheit, bis zum Alter von 65 Jahren Vollzeit zu arbeiten, "geschweige denn bis 67". Viele Menschen mit körperlich oder psychisch belastenden Berufen müssten aus gesundheitlichen Gründen früher aufhören oder ihre Arbeitszeit reduzieren. Bentele spricht sich daher für Nachbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente aus.