VW-Aktie im Blick: Versammlung im Werk Kassel: Betriebsrat pocht auf Zusagen
Die Sparpläne bei Volkswagen sorgen für Unruhe im VW-Werk Kassel-Baunatal.
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Das Ringen um tiefe Einschnitte bei Volkswagen sorgt für Aufruhr im VW-Werk Kassel-Baunatal. Nach einer außerordentlichen Betriebsversammlung mit Tausenden Teilnehmern nahm der Betriebsrat das Management des Autobauers in die Pflicht. "Der Standort Kassel steht wirtschaftlich stark da, liefert gute Ergebnisse und hat seine vereinbarten Beiträge erbracht", erklärte der Betriebsratsvorsitzende des VW-Werks Kassel, Carsten Büchling. "Deshalb erwarten wir, dass auch Volkswagen zu seinen Zusagen steht."
Die im Tarifabschluss 2024 und in den Vereinbarungen für Kassel zugesagten Investitionen, Produkte und Beschäftigungsperspektiven gälten, sagte Büchling. "Verlässlichkeit und Vertragstreue sind keine Verhandlungsmasse."
Bangen um Jobs und Standorte
An der Betriebsversammlung, zu der laut Betriebsrat rund 6.000 Beschäftigte kamen, nahm auch Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori teil. Er bekräftigte seine Unterstützung für den Standort, wo es eine Beschäftigungssicherung bis 2030 gebe, und kritisierte zugleich das VW-Management. Dieses müsse eine Zukunftsvision vorlegen, die größer sei "als nur über den Abbau von Arbeitsplätzen und Werkschließungen zu diskutieren", sagte der SPD-Politiker. "Es muss eine Idee geben, wie man VW in die Zukunft führen kann."
Der kriselnde VW-Konzern ringt um ein großes Sparpaket. Vorstandschef Oliver Blume will die Kosten deutlich senken und so Europas größten Autobauer wettbewerbsfähiger machen. Er hatte im Frühjahr angekündigt, an einem neuen "Zielbild 2030" für den Konzern zu arbeiten und den Sparkurs deutlich zu verschärfen. Seitdem bangen Belegschaft, Gewerkschaften und Politik um zusätzlich bis zu 50.000 Jobs und die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm.
VW: "Wer sich nicht bewegt, spielt bald keine Rolle mehr"
VW-Technik-Vorstand Thomas Schmall rechtfertigte den Kurs des Managements. Die Autobranche sei im Umbruch wie lange nicht, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Wer sich jetzt nicht bewege, werde bald keine Rolle mehr spielen - "ganz gleich, wie groß er einmal war". Schmall ist auch Chef des Konzernteils Group Components, zu dem das VW-Werk in Baunatal gehört. "Von 100 Euro Umsatz bleiben uns heute keine 4 Euro. Das reicht nicht, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern." Volkswagen müsse handeln, "solange wir es noch selbst in der Hand haben".
Für das Werk in Nordhessen habe VW "ein klares Zielbild", sagte Schmall. "Wir entwickeln Kassel konsequent vom Herz der Getriebefertigung hin zum konzernweiten Zentrum für den elektrischen Antriebsstrang." Das Umfeld erlaube allerdings keine Ruhepausen. "Der Standort muss die Kostenarbeit weiter beschleunigen, um den E-Antrieb auch für künftige Fahrzeuge wettbewerbsfähig liefern zu können."
Mansoori appelliert an VW
Minister Mansoori sagte, die Beschäftigten in Baunatal hätten den Schritt vom klassischen Getriebewerk hin zu einem Kompetenzzentrum für E-Antriebe geschafft. "Wer diese Leistung ernst nimmt, muss den Beschäftigten jetzt auch eine belastbare Perspektive geben." Vereinbarte Zukunftsprodukte und die dafür notwendigen Investitionen seien "keine unverbindlichen Absichtserklärungen".
IG Metall wirft Arbeitgebern Klassenkampf vor
Der Leiter des IG Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, kritisierte, die Arbeitgeber nutzten den Job-Abbau in der Autobranche, um tarifvertragliche Standards infrage zu stellen und die Mitbestimmung zurückzudrängen. "Sie betreiben Klassenkampf, anstatt mit uns innovative und faire Lösungen auf den Weg zu bringen." Er rief die Beschäftigten auf, am bundesweiten Aktionstag der IG Metall für die Autobranche am 21. September teilzunehmen.
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BAUNATAL (dpa-AFX)
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