Bafin/Röseler: Manche Banken sollten Corona ernster nehmen
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Der bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) für Bankenaufsicht zuständige Exekutivdirektor Raimund Röseler hat die deutschen Banken davor gewarnt, die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie zu unterschätzen. "Es gibt Banken, die sind angesichts von Corona tiefenentspannt, das kann ich nicht nachvollziehen", sagte Röseler bei einer Konferenz der Börsen-Zeitung in Frankfurt.
Zwar kämen die Banken im Durchschnitt - zumindest bisher - gut durch die Krise, doch liege das maßgeblich an den Hilfsmaßnahmen von Fiskal- und Geldpolitik und auch der Aufsicht, sagte Röseler. Die wirtschaftlichen Folgen von Corona seien derzeit nur noch nicht zu sehen, weil durch staatliche Hilfen und "einen Verzicht auf Diagnose" Zeit gekauft worden sei.
"Wir können nicht ausschließen, dass es trotz aller Hilfsprogramme zu einer schweren Rezession kommt, vielleicht zur schwersten seit dem zweiten Weltkrieg", warnte der Bafin-Exekutivdirektor. Es sei damit zu rechnen, dass die Zahl der Kreditausfälle stark steigen werde, und zwar in Wellen. Das werde den Gewinn und das Eigenkapital schmälern.
Laut Röseler gab es bereits vor der Corona-Krise Banken, bei denen "die Uhr auf fünf vor zwölf" stand. "Deren Lage hat sich durch Corona nicht verbessert", sagte er. Es gebe Institute, mit denen die Bafin "nahezu täglich" telefoniere.
Röseler appellierte an die Institute, angesichts der geschilderten Unsicherheiten weiterhin auf Gewinnausschüttungen zu verzichten.
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September 22, 2020 04:54 ET (08:54 GMT)