Baugewerbe sieht Sektor noch nicht über den Berg
Von Andrea Thomas
BERLIN (Dow Jones)--Das Baugewerbe hat trotz positiver Konjunkturdaten für den Juni die Talsohle noch nicht durchschritten, erklärte der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen im Juni die Auftragseingänge aufgrund von Großaufträgen um real 12,4 Prozent im Vergleich zum Mai und um 9,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
"Es ist natürlich erfreulich, wenn die Signale vom Markt nun wieder positiv erscheinen. Hierbei handelt es sich allerdings um eine deutliche Überzeichnung der Nachfrageentwicklung", erklärte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Wenn man die Großaufträge herausnehme, sehe die Situation weniger positiv aus. "Neue Aufträge kommen aber nicht im selben Umfang auf den Markt. Die fehlenden Aufträge von heute bedeuten einen Umsatzrückgang in Zukunft", warnte Pakleppa.
Die Vergabe des Straßenbau-Großprojekts A3 zwischen Erlangen und Biebelried habe sich bei den Juni-Zahlen niedergeschlagen. Das Projekt sei derzeit im Bundeshaushalt mit einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 2,1 Millarden Euro veranschlagt.
"Die Vergabe derartiger Aufträge ist für die Auftragslage im Straßenbau für die Masse der hier tätigen mittelständischen Bauunternehmen nicht repräsentativ", so Pakleppa. An der Ausschreibung von öffentlich-privaten Partnerschaftsprojekten (ÖPP) beteiligen sich laut ZDB angesichts der hohen Auftragsvolumina und langen Laufzeiten nur wenige große Bauunternehmen in Konsortien.
"Ein derartiger Orderzugang spiegelt wegen der langen Bauzeit auch nicht die Umsatzentwicklung der nächsten Monate wieder", sagte Pakleppa. Ohne die Einrechnung der Vergabe des ÖPP-Projektes wären die Order im Bauhauptgewerbe insgesamt im Juni im Vorjahresvergleich nicht um rund 9 Prozent gestiegen, sondern etwa nur auf Vorjahresniveau verblieben.
Sorge bereitet dem Verband, dass im Wirtschaftsbau nach wie vor deutlich weniger Aufträge an den Markt kämen. Im Juni seien sie um 8 Prozent nach 22 Prozent im Vormonat eingebrochen.
Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com
DJG/aat/apo
(END) Dow Jones Newswires
August 25, 2020 04:44 ET (08:44 GMT)