Goldpreis nach Dreimonatshoch: Welche Kräfte die Rally wirklich treiben und was das für Anleger bedeutet
Ein Rückkaufprogramm des US-Finanzministeriums gilt vielen als Erklärung für die Rally beim Goldpreis. Die Zahlen zeichnen jedoch ein anderes Bild.
Werte in diesem Artikel
- Goldpreis stieg im August auf höchsten Stand seit drei Monaten
- Rally laut WGC-Analyst vor allem von Investmentnachfrage getrieben
- Zentralbanken kauften im zweiten Quartal so viel Gold wie selten zuvor
Der Goldpreis kletterte Ende August auf knapp 4.700 US-Dollar je Feinunze, den höchsten Stand seit Mitte Mai, und facht die Debatte über die eigentlichen Treiber der Rally neu an. Viele Marktteilnehmer verknüpfen den Sprung mit der Entscheidung des US-Finanzministeriums, sein Rückkaufprogramm für langlaufende Staatsanleihen auszuweiten. Krishan Gopaul, Senior-Analyst für die Region EMEA beim World Gold Council, ordnet das laut Investing.com anders ein: Eine breite Investmentnachfrage, nicht ein einzelner politischer Auslöser, habe die jüngste Bewegung angetrieben. Für Anleger lohnt sich deshalb ein genauerer Blick darauf, welche Kräfte tatsächlich hinter dem Kursschub stehen.
Warum der Rückkauf von Staatsanleihen nicht die ganze Erklärung ist
Am 19. August kündigte US-Finanzminister Scott Bessent überraschend an, das Rückkaufvolumen für Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren von zwei auf mindestens vier Milliarden US-Dollar pro Transaktion zu verdoppeln. Die neue Obergrenze gilt vom 9. September bis zum 4. November und soll den Handel mit älteren, weniger liquiden Anleihen erleichtern. Genau diese Maßnahme gilt vielen Marktbeobachtern als Erklärung für den Kurssprung bei Gold. Wie Investing.com berichtet, ordnet Gopaul sie jedoch nur als Verstärker ein: Vor dem Hintergrund wachsender Sorgen um die Schuldenlast in den USA und anderswo habe die Ankündigung einen bereits laufenden Trend beschleunigt, aber keinen neuen ausgelöst.
ETF-Zuflüsse beflügeln den Goldpreis
Seit Juli habe sich die Investmentnachfrage laut Gopaul spürbar verstärkt, wie aus einem Bericht von Investing.com hervorgeht. Weltweit mit Gold besicherte ETFs verzeichneten im Juli demnach Nettozuflüsse von 3 Milliarden US-Dollar, nach zwei Monaten in Folge mit Abflüssen, und im August folgten weitere 17 Milliarden US-Dollar. Auch in China und Indien habe sich die Investmentnachfrage sichtbar verbessert. Die jüngste Phase der Rally sei vor allem von Terminmarktpositionierung und ETF-Zuflüssen getragen worden, nicht von einem plötzlichen Schub bei der physischen Nachfrage privater Käufer, erläuterte Gopaul gemäß Investing.com. Die physische Konsumnachfrage habe die Bewegung allenfalls am Rand gestützt.
Zentralbanken bleiben eine tragende Säule
Auch die Notenbanken bleiben ein struktureller Faktor, nach Gopauls Einschätzung aber nicht der unmittelbare Auslöser der vergangenen Wochen. Nach Angaben des World Gold Council kauften Zentralbanken weltweit im zweiten Quartal netto rund 289 Tonnen Gold, ein Plus von rund 63 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und das stärkste zweite Quartal der Erhebungsgeschichte. Angeführt wurde die Käuferliste von Polen mit 51 und China mit 33 Tonnen, während Russland rund 22 Tonnen abgab. Eine über mehrere Wochen laufende Bewegung lasse sich kaum ursächlich auf Zentralbankkäufe zurückführen, so Gopaul laut Investing.com. Sie sei eine tragende Säule des Marktes, nicht der Hauptauslöser der Rally.
Was das für Anleger bedeutet
Nach Gopauls Einschätzung bleibt das Umfeld für Gold grundsätzlich unterstützend, doch dürften Unsicherheit und Schwankungen den Markt bis zum Jahresende weiter prägen. Ein erneuter Anstieg der langfristigen Realzinsen, ein stärkerer US-Dollar oder eine restriktivere US-Notenbank könnten kurzfristig belasten. Umgekehrt sprächen anhaltende Dollarschwäche, sinkende Realzinsen, fortgesetzte ETF-Zuflüsse oder eine Eskalation fiskalischer und geopolitischer Risiken für weiteres Aufwärtspotenzial. Wer die Rally einordnen will, sollte deshalb weniger auf einzelne Schlagzeilen wie den Anleihenrückkauf schauen als auf die Investmentflüsse der kommenden Wochen.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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