SAP-Rivale Salesforce-Aktie schwächelt seit Jahresstart - CEO hält Sorge vor KI-Untergang für "falsch"
Während die Salesforce-Aktie 2026 im Rahmen eines breiten Sektor-Ausverkaufs unter Druck steht, widerspricht CEO Marc Benioff der These, KI mache Softwarekonzerne wie seinen überflüssig.
Werte in diesem Artikel
- Salesforce-Aktie schwächelt seit Jahresbeginn
- Rivale SAP kämpft parallel mit einem gesenkten Margenausblick
- Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal stehen für Ende August an
Die Salesforce-Aktie hat seit ihrem Hoch im Jahr 2025 über 300 US-Dollar einen deutlichen Kursrückgang verzeichnet und notierte zwischenzeitlich auf einem mehrjährigen Tief. Seit Jahresbeginn liegt sie 22,45 Prozent im Minus. Am Freitag zeigt sich das Papier an der NYSE zeitweise 2,41 Prozent fester bei 210,39 US-Dollar.
Belastet werden Salesforce sowie andere Softwareaktien von der Befürchtung, KI-Agenten könnten professionelle Aufgaben billiger erledigen und damit das klassische Pro-Kopf-Abomodell der Softwarebranche unter Druck setzen, ein Szenario, das als "SaaSpocalypse" bekannt wurde.Salesforce-CEO Marc Benioff weist die Befürchtung zurück, Künstliche Intelligenz könnte seinem Softwarekonzern schaden. Die Sorge der "Softwarebären" sei schlicht falsch, erklärte Benioff. Der Konzern setzt stattdessen auf seine KI-Plattform Agentforce als Wachstumstreiber.
Benioff sieht KI als Chance statt Bedrohung
Der eigene KI-Einsatz habe es Salesforce ermöglicht, doppelt so viele Kundenanfragen zu bearbeiten als mit menschlichen Mitarbeitenden allein, sagte Benioff. In einem separaten Interview bezeichnete er agentische KI als größte Wachstumschance für das Unternehmen.
Erstmals hatte Benioff die Formulierung, die Sorgen der "Softwarebären" seien schlicht falsch, im April 2026 in einem Interview mit dem Wall Street Journal verwendet und anschließend auf der Plattform X mit Kundenbeispielen zu seiner KI-Marke Agentforce untermauert, darunter die Unternehmen Pearson und PenFed. Benioff argumentierte, Wettbewerber könnten sich per einfachem KI-Coding keine ebenso sichere und Compliance-taugliche Vertriebssoftware bauen.
Operativ zeigte Salesforce im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 zum 30. April 2026 Stärke: Der Konzern erzielte einen Rekordumsatz von 11,1 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Ergebnis je Aktie von 2,42 US-Dollar, ein Anstieg von 52 Prozent. Salesforce hob daraufhin die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 45,9 bis 46,2 Milliarden US-Dollar an. Der Konzern gab im ersten Quartal zudem 27 Milliarden US-Dollar für Aktienrückkäufe aus.
SAP-Aktie als Vergleichsmaßstab im Softwaremarkt
Salesforce und SAP gelten als Wettbewerber im Markt für Unternehmenssoftware. SAP ist breiter aufgestellt und im ERP-Geschäft besonders stark, beide Konzerne konkurrieren jedoch um ähnliche IT-Budgets im Bereich Cloud und KI-Funktionen. SAP erzielte im zweiten Quartal 2026 nach vorliegenden Berichten einen Gewinn je Aktie von 1,89 Euro nach 1,45 Euro im Vorjahr, bei einem Umsatz von 9,878 Milliarden Euro. Der Cloud-Umsatz legte um 22 Prozent zu, der kurzfristige Cloud-Auftragsbestand stieg um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro.
Wegen der Übernahmen von Dremio und Prior Labs senkte SAP zugleich den Ausblick für das bereinigte operative Ergebnis auf ein währungsbereinigtes Wachstum von 13 bis 17 Prozent, zuvor waren 14 bis 18 Prozent avisiert. SAP treibt parallel eine eigene KI-Strategie unter dem Namen "Autonomous Enterprise" voran.
Am Kapitalmarkt sehen Analysten Salesforce mehrheitlich positiv: Von 36 bei TipRanks erfassten Häusern votieren 25 mit Buy, 9 mit Hold und 2 mit Sell, das mittlere Kursziel liegt bei 238,94 US-Dollar bei einer Spanne von 160 bis 400 US-Dollar. Oppenheimer-Analyst Brian Schwartz bestätigte erst gestern seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 250 US-Dollar, BMO Capital-Analyst Keith Bachman sah das Kursziel derweil bei 230 US-Dollar. Citi-Analyst Tyler Radke stufte die Aktie am 18. August mit Hold ein und erhöhte das Kursziel von 187 auf 204 US-Dollar.
Ob Benioffs Zuversicht trägt, dürfte sich am kommenden Mittwoch zeigen, wenn Salesforce nach Börsenschluss die Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 veröffentlicht. Ob sich der Wachstumsbeitrag von Agentforce in den Zahlen niederschlägt und wie der Konzern die Kundenanfrage-Bearbeitung per KI in Umsatzeffekte übersetzt.
Martina Köhler, Bettina Schneider, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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