Aktien von Salesforce, ServiceNow, SAP & Co.: Warum die Software-Rally bis in den Oktober laufen könnte
Monatelang fürchteten Anleger, Künstliche Intelligenz mache Software überflüssig, doch Experten zeichnen ein anderes Bild.
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Als Salesforce Ende August seine Zahlen für das zweite Geschäftsquartal vorlegte, fiel die Antwort der Börse eindeutig aus: Die Aktie sprang an der NYSE um knapp 23 Prozent an und markierte damit einen der stärksten Tagesgewinne der jüngeren Firmengeschichte. Der Auslöser sitzt tief im Zahlenwerk: Die künftigen Auftragsbestände wachsen im Jahresvergleich um 14 Prozent, und die neu abgeschlossenen Jahresauftragswerte erreichen den höchsten Stand seit vier Jahren.
Software-Lizenzen wachsen statt zu schwinden
Monatelang hatte die Furcht vor dem Wall-Street-Narrativ die Bewertung gedrückt: Wenn Mitarbeiter dank KI produktiver werden, kaufen Unternehmen weniger Softwarelizenzen, und günstig zusammengeklicktes Vibe-Coding macht Individualsoftware zur ernsten Konkurrenz. Salesforce widerlegt genau diese These. Nach Angaben von Firmenchef Marc Benioff im Rahmen der Telefonkonferenz zu den Zahlen für das zweite Geschäftsquartal sollten die Software-Lizenzen eigentlich sinken, stattdessen seien Service und Slack im Jahresvergleich gewachsen. Laut MarketWatch unter Berufung auf die Einschätzung von Michael Monaghan, Partner und Portfoliomanager bei Founder ETFs, beantwortet der Bericht damit die für Salesforce existenzielle Frage. Kunden würden nicht nur an Bord bleiben, sondern zunehmend auf teurere Softwarepakete upgraden, weil sie Zugang zur fortschrittlichsten Technologie verlangten.
Rally bei Aktien von Salesforce, ServiceNow, SAP & Co.
Der Umschwung bleibt kein Einzelfall. Ebenfalls Ende August legte die Workday-Aktie an der NASDAQ um rund 6 Prozent zu, nachdem der Anbieter für Personal- und Finanzsoftware stärker als erwartete Abo-Umsätze gemeldet hatte. Das Management bezifferte den mit agentenbasierter KI erzielten Jahresumsatz auf fast 600 Millionen US-Dollar, ein deutlicher Sprung gegenüber 500 Millionen US-Dollar im Vorquartal. Auch CrowdStrike, ServiceNow und der deutsche Softwarekonzern SAP sprangen in derselben Woche kräftig an. CrowdStrike verzeichnet nach eigenen Angaben das beste Quartal der Firmengeschichte, getrieben von der Nachfrage nach der Sicherheitsplattform Falcon im Umfeld wachsender Cyberbedrohungen durch KI. ServiceNow gilt Marktbeobachtern zunehmend als schwer von Künstlicher Intelligenz zu kopierender Datenverwahrer für Firmenkunden.
Anleger rücken von der Verdrängungsthese ab
Nicholas Frasse, der bei VanEck thematische ETFs verantwortet, hält laut MarketWatch nicht alle Softwarefirmen für gleich verwundbar. Etablierte Anbieter wie Salesforce säßen auf einem schwer kopierbaren Datenschatz und würden von der neuen Technologie eher profitieren als verdrängt. Der Markt unterscheide mittlerweile deutlich stärker zwischen einzelnen Geschäftsmodellen, statt ganze Branchen pauschal zu kaufen oder zu verkaufen. Laut Jordan Klein, Analyst am Handelsschalter von Mizuho, hat die jüngste Rally jedoch mehr mit der Positionierung institutioneller Anleger zu tun als mit neuen fundamentalen Erkenntnissen, berichtet MarketWatch. Viele Hedgefonds und Wachstumsmanager hätten Software zuletzt strukturell untergewichtet, teils aus Sorge vor KI-Verdrängung, teils um Kapital für Chip- und KI-Hardware-Wetten freizusetzen.
Wegen dieser Unterpositionierung erwartet Klein, dass Softwarewerte bis in den Oktober hinein weiter zulegen können, rechnet bei der Salesforce-Aktie im Vorfeld der Dreamforce-Konferenz im September, die vom 15. bis 17. September 2026 in San Francisco stattfindet, mit weiterem Rückenwind, warnt aber davor, die Aktie auf dem aktuellen Kursniveau noch nachzukaufen. Als bevorzugte Alternativen nennt er ServiceNow und Microsoft. Der nächste belastbare Datenpunkt dürfte damit die Kundenstimmung rund um die Dreamforce-Konferenz sein.
Die Bewertungen im Softwaresektor sind nach der jüngsten Rally spürbar gestiegen, was einzelne Werte anfällig für Rückschläge macht, sollte die Positionierungsdynamik drehen oder ein künftiges Quartal die aktuelle Euphorie dämpfen.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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