Nokia-Aktie gibt nach: Starkes Wachstum im KI-Geschäft - Nettogewinn bricht ein
Nokia knackt beim bereinigten operativen Ergebnis die Erwartungen der Analysten deutlich, doch beim Nettogewinn klafft eine Lücke, die aufhorchen lässt.
Werte in diesem Artikel
- Bereinigtes Betriebsergebnis steigt um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro
- Nettogewinn bricht um 95 Prozent auf 5 Millionen Euro ein
- Nokia bestätigt operativ den Jahresausblick trotz technischer Anpassung
Nokia übertrifft im zweiten Quartal 2026 die Erwartungen der Analysten beim bereinigten operativen Ergebnis deutlich, doch zwischen Nettoergebnis und bereinigten Zahlen klafft eine tiefe Lücke. Das Betriebsergebnis auf bereinigter Basis stieg um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro und liegt damit über dem Analystenkonsens von 382 Millionen Euro. Auf das Zahlenwerk reagiert die Nokia-Aktie in Helsinki zweitweise mit einem Minus von 1,31 Prozent bei 9,05 Euro.
Umsatz und Marge legen zu
Der Umsatz auf vergleichbarer Basis stieg auf 4,82 Milliarden Euro, ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal mit 4,44 Milliarden Euro, währungsbereinigt sogar 9 Prozent mehr. Die bereinigte Bruttomarge verbesserte sich um 70 Basispunkte auf 46,0 Prozent, die bereinigte operative Marge kletterte ebenfalls um 70 Basispunkte auf 9,0 Prozent. Getragen wurde das Wachstum vom Netzwerkinfrastruktur-Geschäft, das um 12 Prozent zulegte, während der Umsatz mit KI- und Cloud-Kunden im Jahresvergleich um 105 Prozent regelrecht durchstartete.
Konzernchef Justin Hotard treibt die strategische Neuausrichtung des Konzerns voran. Ende vergangenen Jahres hatte Nokia seine Struktur verschlankt und den Fokus stärker auf die Vernetzung von Rechenzentren gelegt, um von dem weltweiten KI-Investitionsboom zu profitieren. Zuvor stand vor allem die Lieferung von Netztechnik für Mobilfunkbetreiber im Mittelpunkt, ein Bereich, der zuletzt stagnierte, weil erwartete Investitionen der Netzbetreiber ausblieben.
Nettogewinn bricht drastisch ein
Anders als beim bereinigten operativen Ergebnis zeigt sich aus anderem Blickwinkel ein deutlich schwächeres Bild. Die operative Marge rutschte wegen eines schnelleren Restrukturierungstempos auf minus 1,0 Prozent, nach einem positiven Wert im Vorjahresquartal. Der Nettogewinn brach um 95 Prozent auf 5 Millionen Euro ein, verglichen mit 96 Millionen Euro ein Jahr zuvor, das ausgewiesene verwässerte Ergebnis je Aktie liegt bei null Euro nach 0,02 Euro im Vorjahr. Auf bereinigter Basis stieg der Gewinn je Aktie dagegen von 0,04 auf 0,07 Euro. Firmenchef Justin Hotard verwies auf eine anhaltend hohe Nachfrage bei gleichzeitig knappem Angebot, was Kunden zunehmend zu längerfristigen Bestellungen bewege - ein Nebeneffekt steigender Preise für Speicherchips, die auch Netzausrüster zu spüren bekommen.
Vorstand hält an Jahresausblick fest
Der Vorstand bekräftigte den operativen Ausblick für das Gesamtjahr 2026. Die Prognosespanne für das bereinigte Betriebsergebnis verschiebt sich technisch auf 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro, nach zuvor 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro. Grund ist eine Umgliederung: Das Geschäft mit stationären Fixed-Wireless-Access-Endgeräten, das an Inseego verkauft werden soll, sowie die Sparte Enterprise Campus Edge gelten künftig als nicht fortgeführte Aktivitäten. Operativ bleibt die Prognose damit unverändert. Der Vorstand beschloss zudem eine Dividende von 0,04 Euro je Aktie.
Klarheit darüber, ob sich das Wachstum im KI-Geschäft fortsetzt und die operative Marge nach dem Restrukturierungsschub wieder ins Plus dreht, dürfte erst der Bericht zum dritten Quartal und den ersten neun Monaten am 22. Oktober 2026 liefern.
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