Bitkom sieht in Bafin-Regeln für Versicherungs-Startups zu hohe Hürden
BERLIN (Dow Jones)--Der Digitalverband Bitkom hat die schärferen Finanzierungsauflagen der Finanzaufsicht Bafin für Versicherungs-Startups als Bedrohung für die Startup-Standort Deutschland kritisiert. Nach Plänen der Bafin sollen Startups künftig für einen Zulassungsantrag vollständig finanziert sein. Bitkom forderte die Aufsichtsbehörde auf, ihren Plan zu begraben, denn ansonsten würden Innovationen ins Ausland verlagert.
"Die Idee der Bafin geht völlig an der Realität der Startup-Finanzierung vorbei", sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. "Startups wachsen über mehrere Finanzierungsrunden, bei denen unterschiedliche Investoren beteiligt sind. Werden die Bafin-Pläne umgesetzt, wird eine Versicherungslizenz für unabhängig finanzierte Startups unmöglich, da von Anfang an viel zu viel Kapital für langfristige Rückstellungen aufgewendet werden müsste."
Zahlreiche deutsche Startups hätten in den vergangenen Jahren innovative digitale Versicherungsangebote auf den Markt gebracht. Doch solche InsurTechs, die nicht nur Produkte etablierter Versicherungen anbieten wollen, sondern völlig eigenständige Angebote entwickeln, würde es künftig in Deutschland wohl kaum noch geben, wenn die Bafin-Pläne umgesetzt würden, warnte Bitkom.
Auch würde das erklärte Ziel der Bafin verfehlt, durch die neuen Anforderungen den Verbraucherschutz zu stärken. Denn die InsurTechs würden dann nicht mehr in Deutschland gegründet, sondern im Ausland.
"Die geplanten Hürden für InsurTechs schaden dem Startup-Standort Deutschland und treiben Innovationen ins Ausland", warnte Berg. "Statt hierzulande die Aufsicht über Versicherungs-Startups wahrzunehmen, würde die Bafin ihre Zuständigkeit an ausländische Aufsichtsbehörden abgegeben. Mit den angedachten Regelungen wäre weder den Versicherungs-Startups noch dem Verbraucherschutz gedient."
Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com
DJG/aat/kla
(END) Dow Jones Newswires
February 01, 2021 05:11 ET (10:11 GMT)