Börse Frankfurt-News: Launischer Sommer (Wochenausblick)
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Weltweit steigende Corona-Neuinfektionen dämpfen die Erwartungen der Aktionäre.
Analysten rechnen aber nicht mit wirklich großen Rücksetzern Analysten, auch
wenn sich die Konsolidierung fortsetzen sollte.
3. August 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). An den Finanzmärkten drückt die
Furcht vor einer zweiten Infektionswelle auf die Stimmung. Weltweit -
insbesondere in den USA - steigen die Ansteckungsraten. Hinzu kommen miserable
Konjunkturdaten. In diesem Umfeld gab der deutsche Aktienindex vergangene Woche
mit einem Minus von 4,3 Prozent auf 12.313 Punkte die Juligewinne größtenteils
wieder ab.
Starke Signale aus Chinas Industriekonzernen heben die Laune zum Wochenbeginn
wieder. Mit einem Anstieg auf 52,8 Punkte entwickelte sich der Caixin/Markit-
Einkaufsmanagerindex im Juni den dritten Monat in Folge positiv und zudem
besser als erwartet. Die Börsen in Shanghai und Shenzen legten den Vorwärtsgang
ein. Der japanische Leitindex Nikkei verbucht ein Plus von rund 2 Prozent. Der
DAX eröffnete mit 12.374 Punkten ebenfalls stärker.
Konjunkturelle Talsohle durchschritten
Nach Ansicht von Jörg Zeuner, Chefvolkswirt beiUnion Investment, wird von
Normalität noch für längere Zeit keine Rede sein. Die Zweitrundeneffekte der
Corona-Krise auf Konsum und Investitionen verhinderten einen schnellen
Aufschwung. Zeuner erkennt in den jüngsten deutschen Zahlen zu
Industrieproduktion, Einzelhandel und Export aber ermutigende Anzeichen, dass
der Tiefpunkt hinter uns liege.
Claudia Windt geht davon aus, dass die Zahl der Neuinfektionen Taktgeber an den
Börsen bleiben wird. "Daran dürften die zur Veröffentlichung anstehenden
günstigen Konjunkturnachrichten kaum etwas ändern", meint die Helaba-Analystin.
Zudem blieben die Spannungen zwischen den USA und China ein Thema. Nach dem
sozialen Netzwerk Tiktok scheine Donald Trump nun auch chinesische
Softwarefirmen insgesamt ins Visier zu nehmen.
Erholung braucht mehr Zeit
Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank sieht die konjunkturelle Erholung
nicht in Gefahr. Sie könne aber deutlich schwächer ausfallen als bislang
angenommen. Nach den Lockdown-Erfahrungen aus dem Frühjahr würden die
Verantwortlichen künftig wohl eher versuchen, mit regionalen Maßnahmen die
Auswirkungen auf die Wirtschaft so gering wie möglich zu halten. Schickentanz
erwartet eine Fortsetzung der Konsolidierung am deutschen Aktienmarkt, sieht
aber keinen ganz großen Abgabedruck. Gemessen an den Erwartungen hätten sich
die Unternehmen in der laufenden Berichtssaison bislang recht gut geschlagen.
Mehr Helikopter-Geld für US-Verbraucher
Anleger in den USA scheinen der Pandemie etwas gelassener zu begegnen. In der
vergangenen Woche stieg der S&P 500 um 1,7 Prozent, der Nasdaq schaffte gar ein
Plus von 3,7 Prozent. Einen leichten Verlust von 19 Punkten musste der Dow
Jones Industrial hinnehmen. Das derzeit diskutierte fünfte Konjunkturpaket mit
erneuten Direktzahlungen an Unternehmen und Verbraucher soll den Konsum weiter
ankurbeln.
Viele deutsche Konzerne bringen Zahlen
Hierzulande kommt die Berichtssaison so richtig in Fahrt. Unternehmen wie
Allianz, BMW, Münchener Rück, Bayer, Siemens, Lufthansa, Beiersdorf, Henkel und
Schaeffler veröffentlichen unter anderem ihre Bücher. Wie schwer Corona auf die
Bilanzen schlagen kann, erkennt man an den teils hohen Rückstellungen. Einigen
Konzernen fällt es zudem schwer, einen Ausblick auf die weitere
Geschäftsentwicklung zu geben.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Montag, 3. August
16.00 Uhr. US-Einkaufsmanagerindizes: Verarbeitendes Gewerbe Juli. Die DekaBank
erwartet eine weitere Verbesserung des ISM-Index auf 54 Punkte, der Konsens
liegt bei 53,6 Punkten. Die wirtschaftliche Erholung laufen in den USA
uneinheitlich. Das Verarbeitende Gewerbe laufe dem privaten Konsum hinterher.
Freitag, 7. August
8.00 Uhr. Deutschland: Nettoproduktion Juni. Einer der aktuell besten
frühzeitig vorliegenden Indikatoren sind die Umsatzsteuervoranmeldungen. Diese
deuten laut DekaBank nach dem kräftigen Mai-Plus auf eine Abflachung
wirtschaftlicher Aktivität im Juni. Das werde sich insbesondere in einem
geringeren Zuwachs der Industrieproduktion widerspiegeln. Unterm Strich liegt
der Konsens bei einer im Vergleich zu normalen Zeiten immer noch kräftigen
Zunahme von 6 Prozent. Die DeaaBank liegt mit 5 Prozent darunter.
von: Iris Merker
3. August 2020, © Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)