NEL-Aktie deutlich im Plus: Neuer Marine-Auftrag von Collins Aerospace stützt Nischengeschäft
Ein Auftrag von Collins Aerospace für Elektrolyseur-Stacks auf US-U-Booten reicht bis ins Jahr 2028 und bleibt im Vergleich zum Auftragsbestand klein.
Werte in diesem Artikel
- Collins Aerospace bestellt erneut PEM-Elektrolyseur-Stacks für U-Boote
- Fertigung läuft im Werk Wallingford, Lieferungen ziehen sich über zwei Jahre
- Verteidigungsgeschäft bleibt Lichtblick in einem sonst schwierigen Konzernumfeld
NEL erhält über die Tochter NEL Hydrogen US eine neue Bestellung von Collins Aerospace für PEM-Elektrolyseur-Stacks, die auf US-U-Booten Sauerstoff für Lebenserhaltungssysteme erzeugen. Der Auftrag hat ein Volumen von rund zwölf Millionen US-Dollar. Für die Aktie ist das Signal vor allem strategischer Natur: Das margenstabile Verteidigungssegment bleibt intakt, während der Konzern insgesamt mit rückläufigem Umsatz und einer offenen CEO-Nachfolge kämpft.
Was der Auftrag konkret umfasst
NEL Hydrogen US, die US-Tochter des norwegischen Wasserstoffspezialisten NEL ASA, machte heute eine Bestellung von Collins Aerospace für PEM-Elektrolyseur-Stacks öffentlich. Die Ausrüstung dient der Erzeugung von Sauerstoff für Lebenserhaltungssysteme auf US-U-Booten und wird im Werk in Wallingford, Connecticut, gefertigt. Die Lieferungen sollen über die Jahre 2027 und 2028 erfolgen.
NELs Chief Commercial Officer Todd Cartwright ordnete die Bestellung in einer Pressemitteilung als Erweiterung einer langjährigen Zusammenarbeit rund um zuverlässige Sauerstofferzeugung für U-Boot-Anwendungen ein und verwies darauf, dass das Wallingford-Team diese spezialisierte Anwendung seit vielen Jahren liefere. Aus seiner Sicht bestätige der Auftrag die fortdauernde Relevanz der PEM-Technologie und der Fertigungsfähigkeiten von NEL. Das Unternehmen selbst wertete die Bestellung als Zeichen wachsender Dynamik für seine Technologie in Verteidigungsanwendungen und betonte das anhaltende Vertrauen von Collins Aerospace in die technische Erfolgsbilanz.
NEL und die historische Navy-Beziehung
Die aktuelle Order ist kein Einzelfall, sondern Teil einer über ein Jahrzehnt reichenden Zusammenarbeit. Bereits im November 2020 hatte NEL Hydrogen US von der Collins Aerospace-Sparte des damaligen Raytheon-Konzerns Bestellungen für PEM-Elektrolyseur-Stacks im Gesamtwert von mehr als 5,4 Millionen US-Dollar erhalten, ebenfalls zur Sauerstoffversorgung von Navy-Besatzungen auf nuklearbetriebenen U-Booten im Rahmen eines Exklusivvertrags. Der neue Auftrag setzt diese Linie fort, liegt mit rund zwölf Millionen US-Dollar aber über dem Volumen der 2020er-Bestellung von mehr als 5,4 Millionen US-Dollar.
Gemessen am PEM-Auftragsbestand von rund 990 Millionen norwegischen Kronen zum Ende des zweiten Quartals 2026 bleibt der Zwölf-Millionen-Dollar-Auftrag klein. Er bestätigt aber die Positionierung im margenträchtigen Verteidigungssegment zu einem Zeitpunkt, an dem das Kerngeschäft insgesamt unter Druck steht.
Einschätzung für Anleger: Was der Millionen-Auftrag für die NEL-Aktie bedeutet
Für Investoren liefert der erneute Großauftrag ein wichtiges Qualitätsmerkmal, verändert die fundamentale Gesamtlage des norwegischen Wasserstoffkonzerns jedoch nur punktuell. Das Volumen von rund zwölf Millionen US-Dollar erweist sich gemessen am gesamten Auftragsbestand von 1,21 Milliarden norwegischen Kronen zwar als vergleichsweise überschaubar, unterstreicht aber die Alleinstellungsmerkmale von NEL im hochspezialisierten Militärsektor. Das Geschäft mit der US Navy dürfte dem Konzern auch künftig verlässliche und überdurchschnittlich hochmargige Erträge sichern, die im aktuellen Marktumfeld dringend benötigt werden. Zudem demonstriert die Bestellung, dass die technologische Zuverlässigkeit der PEM-Stacks im Langzeiteinsatz auf Akzeptanz stößt.
Dem gegenüber stehen jedoch weiterhin erhebliche operative Herausforderungen im zivilen Kerngeschäft, die Anleger keineswegs ausblenden sollten. Der jüngste Umsatzrückgang um 12 Prozent im zweiten Quartal 2026, das tiefrote EBITDA infolge der Iwatani-Vergleichszahlung sowie der angekündigte Abgang von CEO Håkon Volldal belasten das Sentiment spürbar. Der Wasserstoffsektor kämpft branchenweit mit verzögerten finalen Investitionsentscheidungen (FID) seitens der Industriekunden, was das Wachstum verlangsamt. Marktteilnehmer dürften die Fortführung des Verteidigungsgeschäfts zwar wohlwollend zur Kenntnis nehmen, für eine nachhaltige Trendwende an der Börse dürfte aber ein spürbares Wiederanziehen der kommerziellen Großaufträge im Industriesektor erforderlich sein.
Im Heimathandel honorierten Anleger die Auftragsmeldung: Die NEL-Aktie legte schlussendlich um 1,96 Prozent auf 2,08 NOK zu.
Alexandra Hesse, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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