Buffett & Fluggesellschaften

Warren Buffett und Airline-Aktien: So entwickelten sich die Corona-Verlierer seit dem Rausschmiss aus dem Berkshire-Portfolio


Warren Buffett und Airline-Aktien: So entwickelten sich die Corona-Verlierer seit dem Rausschmiss aus dem Berkshire-Portfolio

Mit dem Corona-Crash im vergangenen Frühling waren es vor allem Aktien von Fluggesellschaften, die sich zeitweise im freien Fall befanden. Auch Berkshire Hathaway-CEO Warren Buffett zog die Reißleine und befreite sein Portfolio von den Problemtiteln. Nun steigen die Kurse wieder. Und auch die Börsenlegende teilt eine lange Vergangenheit mit den jetzigen Überfliegern.

Werte in diesem Artikel

• Airline-Aktien von Corona-Crash erholt
• Buffett riet vermehrt von Einstieg ab
• 2016 dennoch Milliarden-Investition

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Früher US Airways-Einstieg Buffetts

Das Verhältnis von Starinvestor Warren Buffett und Aktien von Fluglinien ist von Höhen und Tiefen geprägt. Eine der weniger erfolgreichen Investitionen der Börsenlegende soll sein Einstieg in US Airways gewesen sein, wie Forbes berichtet. So kaufte Buffett 1989 wandelbare Vorzugsaktien des ins Straucheln geratenen Unternehmens, das später mit American Airlines fusionierte. Die Schuldtitel hatten einen Wert von 358 Millionen US-Dollar, die nach zwei Jahren in US Air-Aktien zu 60 US-Dollar pro Aktie umgewandelt werden konnten. Zwar seien sowohl Buffett selbst als auch seine rechte Hand Charles Munger, der Vice Chairman bei Berkshire Hathaway ist, danach einige Jahre im Vorstand von US Air gewesen, und auch sollen die Vorzugsaktien dem Unternehmen Dividenden eingebracht haben - da die Aktien aber nie an Wert gewannen, sah Buffett von einer Konvertierung seiner Schuldtitel ab. "Er schrieb seine Investition an einem bestimmten Punkt ab und stieg aus, sobald er dazu in der Lage war", so der damalige CEO der Fluggesellschaft, Ed Colodny, gegenüber Forbes. "Ich denke, schlussendlich hat er alle seine Dividenden ausgezahlt bekommen und sein Kapital zurückerhalten."

"Mein Name ist Warren und ich bin ein Aeroholiker."

Auch anschließend schien Buffett sich der Anziehung, die von Airline-Aktien ausgeht, zunächst nicht entziehen zu können, wie das Magazin weiter berichtet. In einem Interview mit der Zeitung "The Telegraph" erklärte der Investor 2002, was ihn an den Anteilsscheinen der Branche fasziniere. "Das Geschäft mit den Fluggesellschaften war außergewöhnlich. Es hat im letzten Jahrhundert Kapital verschlungen wie kaum ein anderes Geschäft, weil die Leute immer wieder zurückkommen und neues Geld hineinstecken. Sie haben enorme Fixkosten, Sie haben starke Gewerkschaften und Sie haben Rohstoffpreise. Das ist kein gutes Rezept für Erfolg", so Buffett weiter. Dennoch falle es ihm schwer, sich dem Flugsektor zu entziehen. "Ich habe jetzt eine Freecall-Nummer, die ich anrufe, wenn ich den Drang verspüre, eine Aktie einer Fluggesellschaft zu kaufen. Ich rufe um zwei Uhr morgens an und sage: 'Mein Name ist Warren und ich bin ein Aeroholiker.' Und dann raten sie mir davon ab."

Erneute Investition in Fluglinien-Aktien 2016

Lange scheinen die guten Vorsätze aber nicht angehalten zu haben. 2016 wagte sich der Unternehmer erneut in die Branche vor und investierte in vier große Fluggesellschaften. Neben American Arlines waren auch Delta Air Lines, United Airlines und Southwest Airlines Teil des Buffett-Portfolios. In seinem Aktionärsbrief vor der großen Versammlung im selben Jahr sah der Berkshire-CEO von einem direkten Kommentar zu seiner neuesten Investition ab, ließ es sich aber nicht nehmen, einen Seitenhieb zu platzieren. "In einem Anhang zu den Vollmachtsunterlagen, die diesem Bericht beiliegen, wird erläutert, wie Sie die Berechtigungsnachweise erhalten können, die Sie für den Zutritt zur Versammlung und zu anderen Veranstaltungen benötigen. Denken Sie daran, dass die Fluggesellschaften manchmal die Preise für das Berkshire-Wochenende in die Höhe treiben - obwohl ich zugeben muss, dass ich für diese Praxis eine gewisse Toleranz entwickelt habe, die an Begeisterung grenzt, nachdem Berkshire große Investitionen in die vier großen amerikanischen Fluggesellschaften getätigt hat", schrieb Buffet an die Berkshire-Aktionäre. "Dennoch, wenn Sie von weit her kommen, vergleichen Sie die Kosten für einen Flug nach Kansas City mit dem nach Omaha. Die Fahrt zwischen den beiden Städten beträgt etwa zweieinhalb Stunden, und es kann sein, dass Sie in Kansas City erheblich Geld sparen können." Laut dem Onlineportal Simple Flying soll Buffett bis Anfang 2017 9,3 Milliarden US-Dollar in die vier Branchengrößen investiert haben.

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Corona-Crash: Buffett stößt Airline-Anteile wieder ab

Im vergangenen Jahr schien sich Buffett seiner Sucht dann doch noch entziehen zu können. Auf der jährlichen Aktionärsversammlung von Berkshire Hathaway kündigte das Orakel von Omaha an, Airline-Aktien im Gesamtwert von mindestens 4 Milliarden US-Dollar verkauft zu haben, wie aus einem Bericht von Yahoo Finance hervorgeht. "Die Welt hat sich für die Fluggesellschaften verändert", wird Buffett kurz nach Beginn der Corona-Krise, die die Nachfrage nach Flugreisen stark herunterschraubte, zitiert. "Es hat sich herausgestellt, dass ich mich in diesem Geschäft geirrt habe, wegen etwas, das in keiner Weise die Schuld von vier exzellenten CEOs war."

So sehr die von Buffett abgestoßenen Titel im vergangenen Jahr auch gelitten haben - angetrieben durch ermutigende Impfstoffneuigkeiten haben sich die Problemaktien nun wieder weitgehend erholt. Auch die in den USA bereits fortgeschrittene Impfkampagne treibt die Kurse der einstigen Corona-Verlierer an.

Airline-Aktien heben ab: Starke Erholungsphase nach Kurseinbrüchen

Während etwa Aktien von American Airlines im März 2020 auf unter 10 US-Dollar fielen, entwickelte sich der Kurs der Titel in den letzten 12 Monaten stark. Mit einem Plus von mehr als 120 Prozent machte das Papier seine Verluste vom letzten Jahr nicht nur wett, sondern stieg auch über Vorkrisenniveau. Aktuell werden die Aktien an der NASDAQ bei 21,57 US-Dollar gehandelt (Schlusskurs vom 05.05.2021).
Ähnlich sieht es bei Delta-Aktien aus: Während die Titel im Zuge des Corona-Crashs auf unter 20 US-Dollar abstürzten, ging es seitdem tendenziell aufwärts. So legten die Scheine in den letzten 12 Monaten bereits um mehr als 100 Prozent zu, aktuell bewegt sich der Kurs bei 45,19 US-Dollar (Schlusskurs vom 05.05.2021).
Während Aktien des Mitbewerbers United Airlines im Februar 2020 noch über 70 US-Dollar wert waren, stürzte der Kurs im März auf weniger als 20 US-Dollar ein. Aber auch hier setzte im vergangenen Jahr eine starke Erholungsphase ein: Das Plus in den letzten 12 Monaten betrug etwa 115 Prozent. Damit sind United Airlines-Titel aktuell 53,27 US-Dollar wert (Schlusskurs vom 05.05.2021).
Aber auch Anteilsscheine von Southwest Airlines haben sich mittlerweile wieder ihrem Vorkrisenniveau angeglichen. Von mehr als 50 US-Dollar im Februar 2020 ging es dann im Frühling auf bis zu 22,47 US-Dollar abwärts. Mittlerweile kosten die Papiere aber 60,87 US-Dollar (Schlusskurs vom 05.05.2021) und damit wieder so viel wie zuletzt 2018. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus rund 144 Prozent.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Photo by Alex Wong/Getty Images, Christopher Parypa / Shutterstock.com

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