Bundesbank: Geldpolitische Straffung gefährdet Finanzstabilität nicht
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die starken Zinsanhebungen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank bisher weder zu einer ungewollten Einschränkung des Kreditangebots noch zu einer Gefährdung der Finanzstabilität geführt. In ihrem aktuellen Monatsbericht für Januar begründet die Bundesbank diese Einschätzung mit den Ergebnissen ihrer "monetären und finanziellen Analyse".
Die Bundesbank geht in ihrem Bericht ausführlich auf die Entwicklung der Geldmengenanalyse seit Beginn der Währungsunion 1999 ein. Habe sich die Geldpolitik der damals neuen EZB noch (in der Tradition der Bundesbank) an der Abweichung des Geldmengenwachstums vom Referenzwert orientiert, seien später - auch wegen des schwächer werdenden Zusammenhangs zwischen Geldmengenwachstum und Preisentwicklung - andere Aufgaben hinzugekommen.
Entsprechend ihrer neuen geldpolitischen Strategie spricht die EZB inzwischen von monetärer und finanzieller Analyse. Im aktuellen Umfeld widmet sie sich laut Bundesbank beispielsweise der Frage, wie sich die Ende 2021 begonnene geldpolitische Straffung auf die Finanzierungsbedingungen von Banken, Unternehmen und Haushalten auswirkt.
"Die verfügbaren Daten und Modelle deuten darauf hin, dass der Transmissionsprozess intakt ist und dass die geldpolitische Straffung sich wie erwartet auf die Realwirtschaft überträgt", urteilt die Bundesbank. Die Finanzierungskosten seien auf breiter Front gestiegen, die Nettoemission von Unternehmensanleihen sei zeitweise sogar negativ gewesen, und auch die Nettokreditvergabe an nicht-finanzielle Unternehmen und private Haushalte habe sich abgeschwächt.
Die Angemessenheit des aktuellen geldpolitischen Kurses wird laut Bundesbank auch bei Einbeziehung der damit verbundenen Finanzstabilitätsrisiken bestätigt. "Angesichts der derzeit stabilen Lage des Bankensystems im Euroraum ist momentan nicht damit zu rechnen, dass die vom EZB-Rat anvisierte geldpolitische Straffung zu größeren negativen Rückkopplungen zwischen dem Finanzsystem und der Realwirtschaft führen wird."
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January 23, 2023 06:00 ET (11:00 GMT)