Mercedes-Benz-Aktie bleibt angeschlagen: Kann der Elektro-GLC den China-Flop ausgleichen?
Der für China entwickelte CLA L bleibt hinter den Erwartungen zurück. Nun setzt Mercedes-Benz auf den neuen Elektro-GLC, um die Wende im wichtigsten Automarkt der Welt zu schaffen.
Werte in diesem Artikel
- Der elektrische CLA L verkaufte sich in China im ersten Halbjahr nur 627-mal
- Die Produktion soll laut Branchenquellen zeitweise pausiert worden sein
- Mercedes verlagert den Fokus nun auf das neue Elektromodell GLC
Der elektrische CLA L sollte für Mercedes-Benz einen Neustart auf dem chinesischen Markt einleiten. Stattdessen wurden im ersten Halbjahr 2026 nur 627 Einheiten der eigens für China entwickelten Langversion verkauft, im Juni verzeichneten Branchendienste keine einzige Neuzulassung mehr. Der deutsche Markenblog mbpassion berichtete unter Berufung auf Industriequellen, die Produktion sei im Werk des Joint Ventures Beijing Benz Automotive (BBAC) deshalb zeitweise gestoppt worden.
Technik allein reicht nicht mehr
Technisch ist das Modell eigentlich konkurrenzfähig: Die 800-Volt-Architektur ermöglicht Ladeleistungen von bis zu 325 Kilowatt, nach chinesischem CLTC-Zyklus kommt der CLA L auf bis zu 866 Kilometer Reichweite. Zusätzlich hat Mercedes-Benz mit ByteDance einen lokalen Partner für digitale Dienste eingebunden. Dass das technisch aufwendige Modell trotzdem floppt, deutet darauf hin, dass Technik allein im chinesischen Markt nicht mehr ausreicht, um gegen einheimische Anbieter zu bestehen.
Teil eines größeren Musters
Der CLA L ist damit Teil eines größeren Musters: Die China-Verkäufe von Mercedes-Benz brachen im ersten Quartal 2026 um 27 Prozent und im zweiten um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein, im ersten Halbjahr summierte sich das Minus auf 28 Prozent auf 210.200 Fahrzeuge. Erstmals fiel die Marke damit aus den Top 20 der chinesischen Pkw-Marken nach Absatz heraus, wie Daten des Branchenverbands CPCA zeigen. Laut einer Auswertung des Branchendiensts Marklines, die dem Handelsblatt vorlag, fiel der addierte Marktanteil deutscher Hersteller bei batterieelektrischen Fahrzeugen in China im ersten Quartal 2026 auf 1,6 Prozent, den bislang niedrigsten gemessenen Wert.
Neue Modelle als Antwort
Mercedes-Benz reagiert mit einer Neuausrichtung: Seit dem 8. Juli ist in China der elektrische GLC erhältlich, der als neues Flaggschiff-Elektromodell positioniert wird und dort unter anderem gegen den Audi Q6L e-tron und den BMW iX3 antreten soll. Der Konzern hat sein mittelfristiges China-Absatzziel bereits auf 500.000 bis 600.000 Fahrzeuge pro Jahr gesenkt, deutlich unter dem Rekordwert von rund 765.000 Fahrzeugen aus dem Jahr 2023. Konkurrenten wie BYD punkten dagegen mit kürzeren Entwicklungszyklen und teils deutlich höheren Ladeleistungen.
Klarheit über das Ausmaß der China-Schwäche und die ersten Verkaufszahlen des GLC dürfte der Zwischenbericht zum zweiten Quartal bringen, den Mercedes-Benz bereits am morgigen Dienstag (28. Juli) veröffentlicht. Erst dann lässt sich einschätzen, ob die Neuausrichtung greift oder der CLA-L-Flop ein Einzelfall bleibt.
Mercedes-Benz-Aktie bleibt angeschlagen
Die Aktie des Automobilkonzerns hat im bisherigen Jahresverlauf bereits kräftige Verluste eingefahren und sich um rund 25 Prozent verbilligt. Auch wenn auf Sicht der letzten Wochen eine kleine Erholung zu sehen ist, bleibt der Anteilsschein angeschlagen und deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch, das bei 62,34 Euro liegt. Auf XETRA notiert die Aktie am Montag 0,89 Prozent höher bei 45,18 Euro.
Claudia Stephan, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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