BMW-Aktie gesucht: Konzernchef fordert höhere Preise für chinesische Autos in Europa
BMW-Chef Milan Nedeljkovic will Zölle notfalls im Raum lassen, setzt aber zunächst auf eine politische Lösung mit China.
Werte in diesem Artikel
- Neuer BMW-Chef sucht Dialog statt weitere Handelsbarrieren
- Warnung vor Gegenmaßnahmen bei Batteriezellen aus China
- Analysten sehen Premium-Marken besser gegen Billigimporte gewappnet
BMW-Vorstandschef Milan Nedeljković fordert im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass chinesische Autohersteller ihre Fahrzeuge in Europa zu höheren, marktwirtschaftlich begründeten Preisen anbieten. Er wirbt für freiwillige Vereinbarungen zwischen Politik und Herstellern, bevor die EU über weitere Zölle entscheidet. Für BMW-Anleger rückt damit die politische Bühne stärker in den Fokus als das operative Geschäft.
Via XETRA steigt die BMW-Aktie zeitweise um 0,50 Prozent auf 60,44 Euro.BMW-Chef warnt vor Preisverzerrung
Milan Nedeljković, seit Mai Vorstandsvorsitzender der BMW AG, sieht in Europa einen enormen Preisdruck entstehen, weil die Preise vieler chinesischer Autos nach seiner Einschätzung nicht nach marktwirtschaftlichen Mechanismen zustande kommen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte er, BMW stelle sich dem Wettbewerb, eine Wettbewerbsverzerrung durch nicht nachvollziehbare Preise sei jedoch gefährlich.
Der BMW-Chef fordert deshalb, dass die Politik in Brüssel und Berlin gegenüber China auf marktadäquate Preise pocht. Statt neuer Zölle bevorzugt er freiwillige Vereinbarungen auf Basis fairer Rahmenbedingungen. Kommen solche Vereinbarungen nicht zustande, drohten seiner Einschätzung nach weitere EU-Zölle auf chinesische Autoimporte, die einen noch stärkeren Eingriff in den Markt darstellen würden.
Risiko bei höheren Zöllen: Gegenmaßnahmen aus China
Nedeljković warnt zugleich vor einer Eskalation: Denn China könnte als Vergeltungsmaßnahme die Lieferung von Batteriezellen beschränken, von denen Europa abhängig ist. An einer solchen Eskalation sei niemand interessiert, so seine Einschätzung. Er betont, Wettbewerbsfähigkeit gelinge nicht durch Abschottung, sondern durch Dialog und ein gegenseitiges Verständnis über faire Preise.
Damit positioniert sich der BMW-Chef bewusst zwischen Schutzforderung und Freihandelsbekenntnis. Für den Konzern, der laut eigenen Angaben mit den Marken BMW, MINI, Rolls-Royce und BMW Motorrad weltweit als Premium-Hersteller auftritt, hängt die Wettbewerbsposition in China und Europa an genau dieser Balance.
Analysten sehen Premium-Segment geschützt
Bernstein-Research-Analyst Stephen Reitman bestätigte gestern in einer Studie seine Outperform-Einstufung für die BMW-Aktie mit einem Kursziel von 82,00 Euro. Seiner Einschätzung nach sei besonders der Massenmarkt anfällig für chinesische Konkurrenz, während Premium-Hersteller wie BMW, Mercedes-Benz Group und Porsche AG durch ihre Markenwahrnehmung besser geschützt seien. Zugleich beobachtet Reitman, dass die Wertschätzung für chinesische Marken in Europa wachse, nachdem frühere Wellen noch stärker von Übernahmen geprägt gewesen seien.
BMW-Aktie: Anleger blicken nach Brüssel
Ob sich Brüssel und Peking auf freiwillige Preisvereinbarungen einigen oder die EU-Kommission zusätzliche Zölle beschließt, bleibt eine politische Entscheidung, die BMW nicht selbst steuert. Anleger dürften die weitere Debatte über Handelsbarrieren und mögliche chinesische Gegenmaßnahmen bei Batteriezellen genau verfolgen.
Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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