Chipsektor unter Druck

Micron-Aktie im Sog von SK hynix und Samsung: Gewinnmitnahmen und eine unbequeme Frage aus Cupertino


Micron-Aktie im Sog von SK hynix und Samsung: Gewinnmitnahmen und eine unbequeme Frage aus Cupertino

Die Micron-Aktie gibt erneut nach - und diesmal ist es nicht die Bewertung, die Anleger aufschreckt, sondern eine Frage, die Apple laut gestellt hat.

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  • SK hynix und Samsung sackten kräftig ab und ziehen die Micron-Aktie mit nach unten
  • Apple und Microsoft erhöhen Produktpreise wegen steigender Speicherkosten - und stellen damit die Frage, wie lange Hyperscaler Microns Preismacht noch akzeptieren
  • Analysten erwarten trotzdem eine Neubewertung der Aktie
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    Die Micron Technology-Aktie stand am 26. Juni 2026 erneut unter Verkaufsdruck. Das Papier verlor letztlich 6,69 Prozent auf 1.132,33 US-Dollar - und das erst einen Tag nachdem es infolge eines starken Quartalsberichts um 16 Prozent zugelegt hatte. Die Kursschwäche kommt dabei von außen: SK hynix gab über acht Prozent nach, Samsung Electronics verlor über fünf Prozent - und der KOSPI brach entsprechend stark ein.

    Seoul schickt die Rechnung nach Idaho

    Bereits am 23. Juni hatte eine Verkaufswelle den globalen Chipsektor erfasst. Südkoreas KOSPI schloss an diesem Tag rund zehn Prozent im Minus - einer der schärfsten Tagesverluste des Index. SK hynix und Samsung schlossen je mehr als zwölf Prozent tiefer. Die Schwäche übertrug sich rasch auf andere Märkte: Erst verlor Japans Nikkei 225 kräftig, dann war der Stoxx Europe 600 in Europa fällig.

    Wedbush-Analyst Daniel Ives ordnete den Einbruch laut CNBC als Durchatmen ein, nicht als fundamentalen Bruch. Er betonte, die KI-Revolution befinde sich noch in einem frühen Stadium und derartige Momente gehörten zum Verlauf einer starken Marktrally. Am 26. Juni wiederholt sich das Muster: Micron folgt wieder den Seoulern nach unten, diesmal verstärkt durch einen zweiten Belastungsfaktor.

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    Apple stellt die unbequeme Frage

    Wie Barron's berichtet, könnten Anleger durch die Ankündigungen von Apple und Microsoft aufgeschreckt worden sein, ihre Produktpreise zu erhöhen - beide Unternehmen nennen steigende Speicherkomponentenkosten als Begründung. Apple verteuert MacBooks und iPads, Microsoft die Preise seiner Xbox-Spielekonsolen.

    Barron's zitiert dazu Steve Sosnick, Chefstratege bei Interactive Brokers: Apple habe klargemacht, dass es die Kostensteigerungen nicht selbst tragen kann und sie an die Verbraucher weitergibt. Sosnick weist darauf hin, dass Apples Endkunden weit preissensibler seien als die Betreiber von Rechenzentren - und fragt, bis wann auch die Hyperscaler eine ähnliche Grenze erreichen könnten. Steigende Endverbraucherpreise schüren die Sorge, dass die Nachfrage nach Speicherchips mittelfristig schwächer ausfällt als bisher angenommen, und belasten damit das Verhältnis zwischen den Speicherherstellern und ihren größten Kunden.

    Die Bewertungslücke, die Analysten beschäftigt

    Dabei ist die Bewertung der Micron-Aktie trotz des Kursanstiegs von rund 325 Prozent seit Jahresbeginn 2026 historisch niedrig geblieben. Wie MarketWatch auf Basis von FactSet-Daten berichtet, handelt die Aktie zu einem vorausschauenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,2 - kaum höher als die 8,3, die das Papier noch Ende 2025 aufwies. Das rollende 12-Monats-Gewinn-je-Aktie-Schätzungswachstum hielt mit dem Kursanstieg nahezu Schritt und legte um 284 Prozent zu. MarketWatch weist darauf hin, dass Micron damit auf einem Bewertungsniveau gehandelt wird, das sonst eher bei Telekomunternehmen zu finden ist. Zum Vergleich: Der gewichtete Forward-KGV des S&P 500 liegt laut MarketWatch bei 20,4, der des Philadelphia Semiconductor Index bei 25,1.

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    Der Grund für den anhaltenden Bewertungsabschlag ist historisch begründet. Micron schrieb laut MarketWatch noch im Geschäftsjahr 2023 einen Jahresverlust, als ein Angebotsüberhang die Preise kollabieren ließ und der Jahresumsatz um 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr einbrach. Hinzu kommt: Die bereinigten Gewinne je Aktie stiegen im jüngsten Quartal laut MarketWatch um rund 1.200 Prozent, während die bereinigte Bruttomarge auf annähernd 85 Prozent kletterte. Anleger fragen sich, ob Ergebnisse dieser Größenordnung Bestand haben können.

    Langfristverträge als Argument für eine Neubewertung

    Genau hier setzt das Argument mehrerer Analysten an. Wie MarketWatch berichtet, rechnen UBS-Analyst Timothy Arcuri und TD Cowen-Analyst Krish Sankar mit einer Neubewertung der Aktie, weil Micron zunehmend langfristige Kundenverträge abschließt, die gegen extreme Preiseinbrüche absichern sollen. Arcuri argumentiert, die vereinbarten Preisuntergrenzen lägen bei geschätzten rund 6 US-Dollar je Gigabyte tief genug, dass es bis frühestens 2029, wahrscheinlicher bis 2030 dauern dürfte, bevor neues Angebot entstehen könnte, das diese Niveaus unterschreitet. Zusätzlich seien Vorauszahlungen der Kunden vereinbart, die faktisch als Vertragsauflösungsgebühren wirkten.

    Arcuri rechnet laut MarketWatch weiter vor: Selbst wenn die Hälfte von Microns Geschäft auf historische Normalmargen von rund 35 Prozent zurückfiele, ergäbe sich eine strukturell höhere Durchschnittsmarge als jemals zuvor in der Unternehmensgeschichte - und damit ein höherer Bewertungsanspruch. TD Cowen-Analyst Sankar sieht laut MarketWatch ein Kursziel von 1.600 US-Dollar auf Basis eines Summe-der-Teile-Ansatzes: den auf Langfristverträgen basierenden Geschäftsteil bewertet er mit dem 20-Fachen von rund 40 US-Dollar je Aktie Ergebnispotenzial, den Rest des Geschäfts mit dem 7-Fachen von rund 120 US-Dollar je Aktie.

    Ob sich diese Neubewertung tatsächlich einstellt, hängt wesentlich davon ab, ob die großen Abnehmer Microns Preissetzungsmacht auf Dauer akzeptieren. Sosnicks Frage - wann auch die Hyperscaler die Grenze ihrer Kostentragfähigkeit erreichen - bleibt damit die entscheidende Beobachtungsgröße für die kommenden Quartale.

    Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net

    Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

    Bildquellen: Sundry Photography / Shutterstock.com, Bangla press / Shutterstock.com

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    DatumRatingAnalyst
    25.06.26 Micron Technology Buy Deutsche Bank AG
    25.06.26 Micron Technology Outperform RBC Capital Markets
    25.06.26 Micron Technology Neutral Goldman Sachs Group Inc.
    25.06.26 Micron Technology Overweight JP Morgan Chase & Co.
    15.06.26 Micron Technology Outperform RBC Capital Markets