Commerzbank: EZB stockt PEPP-Volumen vorsichtshalber nochmal auf
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) wird das Gesamtvolumen ihres Pandemiekaufprogramms PEPP (derzeit 1.850 Milliarden Euro) nach Meinung von Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert im Verlauf dieses Jahres noch einmal aufstocken. Zugleich dürfte sie das voraussichtliche Ende der PEPP-Nettokäufe nicht mehr wie jetzt mit Ende März 2022 angeben, sondern, etwas vager, mit Frühling. Auf diese Weise ließen sich laut Schubert die recht gegensätzlichen Positionen im Rat hinsichtlich des geldpolitischen Kurses nach weitgehender Impfung der Bevölkerung am besten vereinigen.
"Die EZB dürfte im späteren Verlauf des Jahres das PEPP-Gesamtvolumen noch mal etwas aufstocken (250 Mrd, die Hälfte der letzten Aufstockung), und ankündigen, dass sie flexibel kaufen wird, solange Unsicherheit über das Ausmaß der Erholung besteht", schreibt Schubert in einer Analyse. Der Volkswirt weist darauf hin, dass später im Jahr zwar die Impfkampagnen weit fortgeschritten sein dürften, dass aber noch Unsicherheiten hinsichtlich die Stärke der Konjunkturerholung bestehen dürften - beispielsweise wegen der unklaren Auswirkungen der zu erwartenden Unternehmensinsolvenzen.
Schubert zufolge könnte die EZB gleichzeitig betonen, dass sich die Wirtschaft durchaus auf dem erhofften Erholungspfad befinde, die PEPP-Aufstockung also eher eine Vorsichtsmaßnahme gegen unerwartete Rückschläge darstelle, und dass es gut möglich sei, dass das Gesamtvolumen nicht vollständig ausgenutzt werde.
Zudem dürfte die EZB laut Schubert ihre Erwartung bekannt geben, dass sie "bis Frühjahr 2022" die Käufe auf Null zurückfahren wird. "Dies ist eine etwas vagere Formulierung als das bisherige 'März 2022', weil die Lage unsicher ist, aber eben auch ein ähnlicher Zeitraum, weil sich die Wirtschaft durchaus auf dem erhofften Erholungspfad befindet und die PEPP-Aufstockung eher eine Vorsichtsmaßnahme ist", kalkuliert Schubert.
Seiner Meinung nach könnten sich sowohl die Tauben als auch die Falken im Rat mit einer solchen Vorgehensweise einverstanden erklären. "Die Tauben hätten ein weiteres Sicherheitsnetz eingezogen, dass zu anhaltend 'günstigen Finanzierungsbedingungen' beiträgt, aus Sicht der Falken sind die zusätzlichen Maßnahmen sowohl zeitlich als auch vom Volumen her begrenzt", meint der Commerzbank-Volkswirt. Wenn sich wie von der EZB erwartet die Erholung fortsetze, könnten die tatsächlich eingesetzten Kaufvolumina sowie das tatsächliche Ende der Nettokäufe gar nicht einmal so weit von dem entfernt liegen, was die EZB bisher beschlossen habe.
EZB-Ratsmitglieder haben sich in den vergangenen Wochen recht unterschiedlich über die mittelfristige Zukunft des PEPP geäußert. Offiziell wurde über ein langsames Auslaufenlassen ("Tapering") nicht geredet, selbst die kurzfristigen monatlichern Kaufvolumina ab Juni wurden nicht diskutiert.
Das niederländischen Ratsmitglied Klaas Knot brachte allerdings ein Tapering ab Herbst ins Spiel, während geldpolitische Tauben wie der Italiener Fabio Pannetta möglichst hohe Käufe befürworteten und sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde für Käufe "bis weit in die Erholung hinein" aussprach.
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May 03, 2021 05:01 ET (09:01 GMT)