De Guindos: EZB arbeitet an Klimastresstest für gesamte Wirtschaft
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet nach den Worten ihres Vizepräsidenten Luis de Guindos an einem Klimastresstest für die gesamte Wirtschaft. "Er umfasst rund 4 Millionen Unternehmen weltweit und 2.000 Banken - nahezu alle Finanzinstitute des Euroraums - und blickt 30 Jahre in die Zukunft", schreibt De Guindos in einem auf der EZB-Website veröffentlichten Blog-Beitrag. Dieser Stresstest finde zusätzlich zu den Tests satt, die die EZB 2022 für einzelne Institute vornehmen werde.
De Guindos zufolge will die EZB mit dem Klimastresstest für die Gesamtwirtschaft ein ausgewogeneres Bild der langfristigen Zielkonflikte der Klimapolitik bekommen. Ermöglicht werde das durch einen neu geschaffenen Datensatz, der die Klimarisiken einzelner Unternehmen und Banken identifiziere und darstelle.
"Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass bei Abwesenheit einer Klimapolitik die sich aus extremen Wetterereignissen für die Unternehmen ergebenden Kosten deutlich steigen und deren Scheitern wahrscheinlicher machen", schreibt de Guindos. Die drohende "Treibhauswelt" bedrohe bestimmte Regionen besonders stark durch Hitzewellen und Feuer. Entsprechend stelle eine solche Welt ein besonders großes Risiko für Banken dar, deren Portfolios in diesen Regionen und bestimmten Sektoren konzentriert seien.
Laut de Guindos ergibt sich aus den vorläufigen Ergebnissen des Klimastresstest die Erkenntnis, dass frühzeitiges Handeln lohnt. "Die kurzfristigen Kosten eines Übergangs (zu einer CO2-ärmeren Wirtschaft) verblassen gegenüber den mittel- und langfristigen Kosten eines ungebremsten Klimawandel", schreibt der EZB-Vizepräsident.
Die EZB will im Laufe dieses Jahres noch genauere Erkenntnisse zu diesem Thema gewinnen, ehe sie 2022 Stresstests bei einzelnen Banken vornimmt. Im September will sie außerdem die Ergebnisse ihrer Strategieprüfung veröffentlichen, und dabei auch Aussagen zu den klimapolitischen Handlungsmöglichkeiten der Zentralbank machen.
EZB-Direktor Frank Elderson hatte am Mittwoch allerdings gesagt, dass es möglich sei, dass die EZB bezüglich der Umweltschutzaspekte noch nicht mit fertigen Lösungen komme, sondern weiterarbeiten müsse. Er betonte aber, dass die EZB ihre eigene Bilanz vor Umweltrisiken schützen müsse.
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March 18, 2021 03:46 ET (07:46 GMT)