Deutsche Arbeitskosten steigen in Corona-Krise mit Rekordrate
WIESBADEN (Dow Jones)--Die Arbeitskosten in Deutschland sind im ersten Quartal 2020 mit einer Rekordrate gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal erhöhte sich der Arbeitskostenindex kalenderbereinigt um 4,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte. Dies ist die höchste Veränderung, die der Index jemals ausgewiesen hat.
Destatis weist darauf hin, dass der Index die Kosten für die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden darstellt. Diese können etwa durch Urlaub oder Krankheit merklich niedriger ausfallen als die bezahlten Stunden. In einem solchen Fall steigen die Arbeitskosten je geleisteter Stunde an, ohne dass sich die Summe der Arbeitskosten erhöht.
Wie Destatis weiter mitteilte, stiegen die Arbeitskosten im Vergleich zum Vorquartal saison- und kalenderbereinigt um 2,4 Prozent. Das ist der höchste Anstieg gegenüber dem Vorquartal seit knapp acht Jahren. Er lässt sich vor allem auf einen Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden zurückführen. So kam es während der im März einsetzenden Corona-Pandemie zu einer für ein erstes Quartal hohen Zahl an Urlaubstagen.
Die Arbeitskosten setzen sich aus den Bruttoverdiensten und den Lohnnebenkosten zusammen. Die Kosten für Bruttoverdienste erhöhten sich im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal kalenderbereinigt um 4,2 Prozent, die Lohnnebenkosten stiegen um 4,6 Prozent.
Für den internationalen Vergleich liegen mittlerweile Daten aller Mitgliedstaaten der EU für das komplette Jahr 2019 vor. Deutschland lag innerhalb der EU im Jahr 2019 mit Arbeitskosten pro geleistete Stunde von 35,90 Euro auf dem siebten Rang. Gemessen am EU-Durchschnitt von 27,40 Euro zahlten deutsche Arbeitgeber 31 Prozent mehr für eine Stunde Arbeit.
Im Vergleich zum Vorjahr verteuerte sich in Deutschland 2019 eine Stunde Arbeit kalenderbereinigt um 2,6 Prozent, in der gesamten EU um 2,8 Prozent.
Die höchsten Wachstumsraten innerhalb der EU wiesen Rumänien (12,2 Prozent), Bulgarien (11,3 Prozent) und Ungarn (10,1 Prozent) auf, allesamt Länder mit vergleichsweise niedrigen Arbeitskostenniveaus.
In Finnland (0,8 Prozent) war der Anstieg der Arbeitskosten am geringsten und in Malta gingen die Arbeitskosten sogar zurück (minus 0,9 Prozent). Im Nachbarland Frankreich fiel der Anstieg mit 1,9 Prozent deutlich niedriger aus als in Deutschland.
Basis des Vergleichs ist der Bereich des produzierenden Gewerbes und der wirtschaftlichen Dienstleistungen. Hierbei sind unter anderem der öffentliche Dienst und das Gesundheitswesen nicht enthalten.
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June 09, 2020 02:46 ET (06:46 GMT)