Deutscher Auftragseingang steigt im Juli weiter
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Erholung der deutschen Wirtschaft vom tiefen coronabedingten Absturz im März/April läuft reibungslos - zumindest nach den nach bisher verfügbaren "harten" Daten. Der Einzelhandel brummt, die Produktion ist angelaufen, die Auftragsbücher beginnen sich wieder zu füllen und der Welthandel scheint sich ebenfalls dramatisch zu erholen. Allerdings reichen diese Daten bisher nur bis Juni. Erste Juli-Daten sind für die kommende Wochen zu erwarten, und das wichtigste von ihnen ist der Auftragseingang der Industrie, für den Volkswirte einen erneut kräftigen Anstieg erwarten.
Weitere wichtige Konjunkturdaten sind vor allem die zum US-Arbeitsmarkt, diverse Einkaufsmanagerindizes und europäische Arbeitsmarktdaten. Die US-Notenbank veröffentlicht in Vorbereitung der September-Sitzung des FOMC ihr Beige Book.
Der Zuwachs beim Auftragseingang dürfte im Juli deutlich weniger stark als im Juni ausgefallen sein. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten ein Plus von 5,0 Prozent, nachdem der Zuwachs im Juni mit 27,9 Prozent weitaus deutlicher als erwartet ausgefallen war. Was die Bestellungen damals gestützt hatte - der sonstige Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Eisenbahntechnik) -, dürfte im Juli belastend gewirkt haben. Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlicht die Daten am Freitag (8.00 Uhr).
Zusammen mit den Auftragseingangsdaten kommen die zum Umsatz im verarbeitenden Gewerbe. Sie werden einen Vorgeschmack auf die Entwicklung der Industrieproduktion geben, über die Destatis am Montag der Folgewoche informiert. Am Mittwoch (8.00 Uhr) veröffentlicht Destatis zudem die Einzelhandelsumsatzdaten für Juli.
Nach Absturz der Service-PMIs zweite Veröffentlichung im Fokus
Zeitlich etwas aktueller sind die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für August, deren zweite Veröffentlichung durch IHS Markit in der Woche ansteht. Die erste Veröffentlichung war einer kalten Dusche für Konjunkturoptimisten gleichgekommen. Das wieder aufgeflammte Infektionsgeschehen hatte die Dienstleistungs-PMIs Deutschlands und des Euroraums stark sinken lassen. Dagegen war der Anstieg des Industrie-PMI etwas stärker als erwartet ausgefallen. Die zweiten Veröffentlichungen für Deutschland und den Euroraum kommen am Dienstag und Donnerstag (9.55 Uhr und 10.00 Uhr).
Weitere Einkaufsmanagerdaten kommen aus China und den USA: Am Montag (3.00 Uhr) die "amtlichen" PMI und am Dienstag und Donnerstag (jeweils 3.45 Uhr) die Caixin-PMIs zu verarbeitendem und nicht-verarbeitendem Gewerbe. Die ISM-Indizes dieser Sektoren werden ebenfalls am Dienstag und Donnerstag (16.00 Uhr) veröffentlicht.
US-Arbeitslosenquote sinkt weniger deutlich als zuvor
Arbeitsmarktdaten kommen in der Woche reichlich, wobei den Höhepunkt die wie im üblich am Freitag (14.30 Uhr) anstehenden US-Daten bilden. Die neue Welle von Infektionen in den USA hat den konjunkturellen Aufschwung bisher nur verlangsamt, aber nicht gestoppt. Deshalb erwarten Ökonomen für August einen weiteren Stellenzuwachs am Arbeitsmarkt, der aber schwächer als im Juli ausfallen dürfte.
Experten veranschlagen ein Jobwachstum von rund 1,5 Millionen, nachdem es im Juli ein Plus von 1,8 Millionen gegeben hatte. Selbst mit einem solchen Zuwachs wären aber immer noch weniger als die Hälfte der im März und April verlorenen 22 Millionen Stellen wieder entstanden. Die Arbeitslosenquote dürfte auf 9,9 (10,2) Prozent sinken.
Daten für Deutschland veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag (9.55 Uhr). Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten für August einen Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl von 20.000 auf Monatssicht und sehen die entsprechende Arbeitslosenquote unverändert bei 6,4 Prozent. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) spricht in seiner jüngsten Veröffentlichung von einer "Normalisierung" der Entlassungszahlen.
Arbeitslosenzahlen für den Euroraum für Juli kommen am Dienstag (11.00 Uhr). Volkswirte erwarten einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 8,0 (7,8) Prozent.
Euroraum-Inflation nähert sich im August der Null-Linie
Zeitgleich informiert Eurostat über die Entwicklung der Verbraucherpreise im August. Die von Dow Jones Newswires befragten Analysten prognostizieren eine monatliche Preisstagnation und sehen die Preise nur noch um 0,2 (0,4) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Für die Kernteuerung (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) wird ein Rückgang auf 0,9 (1,2) Prozent erwartet. Diese Erwartungen können sich aber noch durch die deutschen (Montag, 14.00 Uhr) und spanischen (Montag, 9.00) Daten ändern. In Frankreich ist die am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessene Inflationsrate auf 0,2 (0,9) Prozent gesunken.
Die US-Notenbank hat inmitten der Corona-Krise eine Änderung ihrer geldpolitischen Strategie beschlossen. Sie verabschiedete sich damit von der fast drei Jahrzehnte verfolgten Methode, einer höheren Inflation durch frühzeitige Zinserhöhungen vorzubeugen. Künftig soll die Geldpolitik auch in einem Aufschwung locker bleiben. Dieser Strategieschwenk der Fed ist besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Rezession bedeutsam, die eine Massenarbeitslosigkeit zur Folge hatte.
Die Fed geht davon aus, dass die US-Wirtschaft sehr niedrige Arbeitslosenquoten gut verkraften kann, ohne dass es zu einer Spirale aus steigenden Löhnen und Preisen kommt. Mit dem Konjunkturbericht Beige Book bereitet die Fed die jeweils nächste Sitzung vor. Ökonomen erwarten für das Treffen am 15. und 16. September keine wesentlichen Änderungen der Geldpolitik. Der Leitzins dürfte für sehr lange Zeit bei 0,00 bis 0,25 Prozent verharren.
(Mitarbeit: Andreas Plecko)
Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com
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August 28, 2020 10:17 ET (14:17 GMT)