Deutsches BIP steigt im 2. Quartal nach Revision leicht
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Wirtschaftsleistung Deutschlands ist im zweiten Quartal 2022 entgegen den bisherigen Annahmen leicht gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in zweiter Veröffentlichung mitteilte, erhöhte sich das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal saison- und kalenderbereinigt um 0,1 Prozent. Im Rahmen einer Vorabschätzung, deren Bestätigung Volkswirte erwartet hatten, hatten Destatis eine BIP-Stagnation gemeldet. Gegenüber dem Vorjahresquartal stieg das BIP demnach um revidiert um 1,7 (vorläufig: 1,4) Prozent.
"Trotz der schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat sich die deutsche Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen 2022 behauptet", kommentierte Destatis-Präsident Georg Thiel das Ergebnis. Im ersten Quartal war das BIP um 0,8 Prozent gestiegen.
Gestützt wurde die Wirtschaft vor allem von den privaten und staatlichen Konsumausgaben. Trotz starker Preissteigerungen und Energiekrise nutzten Verbraucher die Aufhebung fast aller Corona-Beschränkungen, um wieder mehr zu reisen und auszugehen. Die privaten Konsumausgaben waren 0,8 (erstes Quartal: plus 0,8) Prozent höher als im Vorquartal. Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben um 2,3 (plus 1,8) Prozent.
Während die Investitionen in Ausrüstungen - also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge - um 1,1 (plus 1,7) Prozent stiegen, gingen die Bauinvestitionen nach dem ungewöhnlich guten und milden Winter um 3,4 (plus 3,1) Prozent zurück.
Der Handel mit dem Ausland nahm insgesamt zu. Obwohl unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine deutlich weniger Waren nach Russland exportiert wurden als zu Beginn des Jahres, meldeten die Unternehmen insgesamt stabile Exporte: Trotz der weltweit gestörten Lieferketten wurden 0,3 (minus 0,7) Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als im ersten Quartal. Die Importe legten aber um 1,6 (plus 0,4) Prozent zu, so dass der Beitrag zur Quartalsrate des BIP mit 0,6 (minus 0,5) Prozent negativ war.
Die Bruttowertschöpfung sank um 0,3 (plus 1,6) Prozent, wobei sich in den einzelnen Wirtschaftsbereichen ein gemischtes Bild zeigte: Die Wirtschaftsleistung im verarbeitenden Gewerbe ging um 0,5 (minus 0,1) Prozent zurück. Vor allem die energieintensiven Branchen wie die chemische Industrie sowie die Metallerzeugung und -verarbeitung dämpften die Entwicklung.
In den meisten Dienstleistungsbereichen führte die Aufhebung der Corona-Beschränkungen dagegen zu einem Anstieg der Wirtschaftsleistung. Ausnahmen waren die zusammengefassten Bereiche Handel, Verkehr und Gastgewerbe, deren Bruttowertschöpfung um 1,5 (plus 2,1) Prozent sank.
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August 25, 2022 02:28 ET (06:28 GMT)