DIW warnt vor Kollaps des Rentensystems in drei bis vier Jahren


BERLIN (Dow Jones)--DIW-Chef Marcel Fratzscher hat vor einem baldigen Kollaps des deutschen Rentensystems gewarnt. "Die Politik agiert erst dann, wenn sie mit dem Rücken an der Wand steht. So wie es im Augenblick ist, kann es wahrscheinlich noch drei bis vier Jahre ganz gut funktionieren", sagte der Chef des Deutschen Wirtschaftsinstituts (DIW) im Podcast "Die soziale Frage" von Business Insider, der in voller Länge am Donnerstag erscheint.

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Ohne Veränderung des bestehenden Rentensystems innerhalb der nächsten vier Jahre müssten vor allem junge Menschen nicht nur länger arbeiten, sondern auch mehr Steuern zahlen. "Wenn die geburtenstarken Jahrgänge, die in den 1960er geboren wurden, anfangen, in Rente zu gehen, dann wird es richtig hart", sagte Fratzscher. Dann werde die Politik irgendwann in Panik verfallen und in fünf Jahren drastische Einschnitte machen müssen.

Vor allem junge Menschen seien dann betroffen. "Junge Generationen werden stärker belastet, Menschen müssen länger arbeiten und ältere werden weniger herausbekommen", meinte der Ökonom. Man werde das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre oder noch höher anheben müssen. Laut Fratzscher werde es in Zukunft außerdem höhere Rentenbeiträge und Steuern geben. "Das ist leider die bittere Konsequenz, wenn man nicht jetzt anfängt, wirklich dieses System zu reformieren", so Fratzscher.

Im aktuellen Wahlkampf zur Bundestagswahl am 26. September hat keine der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien eine Erhöhung des Renteneintrittsalters gefordert.

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Laut Fratzscher sie die beste Option, mehr Menschen in Arbeitsmarkt zu bekommen, also mehr Menschen zu haben, die auch einzahlen könnten. "Bessere Löhne zu ermöglichen, das ist eigentlich der Schlüssel, der im Arbeitsmarkt liegt, um eben diese schmerzvollen Reformen im Rentensystem abzumildern."

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/apo

(END) Dow Jones Newswires

September 08, 2021 08:09 ET (12:09 GMT)

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