Zollschock trifft Shein: Reicht das noch für den Mega-IPO der Aktie in Hongkong?
Mit dem Entwurfsprospekt für den geplanten Börsengang in Hongkong gewährt Shein erstmals detaillierte Einblicke in seine Geschäftszahlen. Diese sind aufschlussreich.
- Shein veröffentlicht Entwurfsprospekt für Börsengang in Hongkong
- Gewinn sank 2025 deutlich, während der Umsatz weiter wuchs
- US-Zölle auf Kleinsendungen belasten das Geschäft in den USA
Der chinesische Modehändler Shein hat am Sonntag den Entwurfsprospekt für einen Börsengang in Hongkong veröffentlicht und damit den nächsten Schritt zu seinem lange verzögerten Listing gemacht. Die Unterlagen zeigen erstmals detailliert, wie stark der Gewinn zuletzt unter Druck geraten ist, während der Umsatz weiter wuchs: 2025 stieg der Erlös um 8 Prozent auf 41,85 Milliarden US-Dollar, nach einem Plus von noch 20,7 Prozent im Jahr davor. Der Nettogewinn brach im gleichen Zeitraum um 38,7 Prozent auf 2,06 Milliarden US-Dollar ein, verglichen mit 3,37 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024.
Shein-Aktie kommt - trotz Verlust im ersten Quartal
Der Gewinnrückgang setzte sich auch im laufenden Jahr fort: Im ersten Quartal 2026 rutschte Shein in einen Nettoverlust von 99 Millionen US-Dollar, nach einem Gewinn von 395 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Das operative Ergebnis sank im gleichen Zeitraum um 26 Prozent, die operative Marge fiel von 3,9 auf 2,9 Prozent. Den Verlust erklärt Shein auch mit einer einmaligen buchhalterischen Belastung von 328 Millionen US-Dollar aus der Neubewertung wandelbarer Vorzugsaktien.
Zölle als Belastung auf beiden Seiten des Atlantiks
Als Hauptgrund für den Ergebnisdruck nennt Shein den Wegfall der sogenannten De-minimis-Regel in den USA, die Sendungen unter 800 US-Dollar bislang zollfrei ins Land ließ. Seit deren Abschaffung im Mai 2025 unterliegen aus China versandte Shein-Waren Zollsätzen von 10 bis 87,5 Prozent. Auch in der Europäischen Union, die 2025 rund ein Drittel des Umsatzes ausmachte, erhebt die EU seit diesem Monat eine Gebühr von 3 Euro auf niedrigpreisige Sendungen aus Drittstaaten, was nach eigener Einschätzung von Shein ähnliche Effekte wie in den USA auslösen könnte.
Neuer Anlauf für Börsengang nach New York und London
Die China Securities Regulatory Commission hatte den Hongkonger Listing-Antrag Mitte Juli genehmigt, nachdem Shein zuvor Versuche in New York und London ohne Erfolg verfolgt hatte. Größe, Preisspanne und Zeitplan des Angebots nennt der Entwurfsprospekt nicht. Laut früheren Reuters-Berichten peilt Shein eine Bewertung von 40 bis 50 Milliarden US-Dollar an, deutlich unter den rund 100 Milliarden US-Dollar, die dem Unternehmen bei einer Finanzierungsrunde 2022 zugeschrieben wurden. Zu den Investoren vor dem Börsengang zählen unter anderem Sequoia Capital, Tiger Global und die Investmentgesellschaft Brookfield.
Ob die niedrigere Bewertungserwartung ausreicht, um trotz des Gewinnrückgangs Investoren für den Börsengang zu gewinnen, dürfte sich erst mit der nächsten Prospektaktualisierung und dem Beginn der Investoren-Roadshow zeigen. Entscheidend wird auch sein, ob sich die im Sommer verschärften EU-Zollregeln ähnlich stark auf das Europageschäft auswirken wie die US-Zolländerung im vergangenen Jahr.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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