SHEIN-Aktie startet an der Börse - so verlief das Mega-Debüt in Hongkong
Die SHEIN-Aktie feiert an der Hongkonger Börse ihr Debüt und sorgt direkt am ersten Handelstag für Aufmerksamkeit.
Werte in diesem Artikel
- SHEIN-Aktie startet an der Hongkonger Börse
- Börsengang enttäuscht Anleger
- Details zum SHEIN-IPO im Blick
Mit Spannung hatten Anleger auf den ersten Kurs der SHEIN-Aktie unter dem Börsenkürzel 0625 gewartet. Am heutigen Dienstag war es schließlich so weit: Die Aktie startete bei 48,56 Hongkong-Dollar in den Hongkonger-Handel und damit gleichzeitig bei ihrem Ausgabepreis. Schon kurz darauf ging es jedoch abwärts. Im Tagestief sackte das Papier bisher 9,97 Prozent bis auf 43,72 Hongkong-Dollar ab. Im Tagesverlauf konnte der Verluste jedoch fast vollständig aufgeholt werden. Zum Handelsende an der Börse in der chinesischen Sonderverwaltungszone lag der Kurs mit 48,50 Hongkong-Dollar lediglich noch 0,12 Prozent unter dem Ausgabepreis.
Laut dem IPO-Prospekt, das bereits im Voraus veröffentlicht wurde, hat SHEIN knapp 280 Millionen Aktien angeboten. Ursprünglich wurde die Preisspanne auf zwischen 47,60 und 49,50 Hongkong-Dollar festgelegt. Mit dem IPO wollte der Online-Modehändler bis zu rund 13,86 Milliarden Hongkong-Dollar - umgerechnet etwa 1,5 Milliarden Euro - einnehmen.
SHEIN zwischen Wachstum und Gegenwind: Geopolitische Risiken und kritische Stimmen im Blick
Die für besonders günstige Modeartikel bekannte Plattform wurde während einer privaten Finanzierungsrunde im Jahr 2022 mit knapp 100 Milliarden US-Dollar bewertet. Doch die Rahmenbedingungen haben sich für den Konzern in den vergangenen Jahren deutlich verändert: durch neue Zollregelungen in den USA und Europa sowie geopolitische Spannungen geriet das Geschäftsmodell zunehmend unter Druck. So hat SHEIN kurz vor dem Börsendebüt nach eigenen Schätzungen eine mögliche Marktkapitalisierung von 210,2 Milliarden HKD genannt. Das sind deutlich weniger als in der Bewertung von fast 100 Milliarden US-Dollar (rund 784,3 Milliarden HKD) aus dem Jahr 2022.
Ende Juli veröffentlichte SHEIN in einem Börsenprospekt erstmals konkrete Zahlen zu den ersten Monaten des Jahres. Demnach verbuchte das Unternehmen zwischen Januar und März einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar. Laut Unternehmensangaben hatte SHEIN Ende 2025 rund 273 Millionen aktive Kunden in etwa 160 Ländern.
SHEIN setzt bei seinem Geschäftsmodell stark auf den direkten Versand aus China. Die Produkte werden von den jeweiligen Herstellern unmittelbar an Kunden in aller Welt verschickt, häufig per Luftfracht. Dadurch können die Waren zu sehr niedrigen Preisen angeboten werden.
Online-Marktplätze aus Asien wie SHEIN, Temu und AliExpress haben ihren Einfluss in den vergangenen Jahren weltweit deutlich ausgebaut. Gleichzeitig stehen die Plattformen zunehmend in der Kritik. Politiker, Vertreter des Handels und Verbraucherschützer bemängeln unter anderem die Qualität einzelner Produkte, unzureichende Kontrollen sowie Wettbewerbsbedingungen, die etablierten Anbietern Nachteile bringen könnten.
Geringer Streubesitz
Trotz der inzwischen deutlich niedrigeren Bewertung gehört SHEIN noch zu den wertvollsten Kleidungshändlern weltweit. Zum Vergleich: Die schwedische Kette H&M kommt auf umgerechnet knapp 30 Milliarden Dollar; das deutsche Unternehmen Zalando auf circa sieben Milliarden Dollar. Deutlich mehr wert ist allerdings die Zara-Mutter Inditex, die an der Börse zu insgesamt gut 200 Milliarden Dollar gehandelt wird.
SHEIN brachte bei dem Börsengang nur wenige Aktien auf den Markt. Das Unternehmen nahm durch die Ausgabe fast 14 Milliarden Hongkong-Dollar ein, das sind umgerechnet etwa 1,7 Milliarden Dollar. Der Streubesitz der SHEIN-Aktien liegt bei nur knapp sieben Prozent. Davon liegt auch noch ein Teil bei Ankeraktionären wie Tencent, sodass derzeit nur circa fünf Prozent der Anteile frei handelbar sind. Der Großteil der Aktien und Stimmrechte liegt weiter bei den Unternehmensgründern.
SHEIN-Aktie vor Bewährungsprobe: Anleger schauen jetzt auf Wachstum
Die Einnahmen aus dem Börsengang will SHEIN nach eigenen Angaben unter anderem für den Ausbau der technologischen Infrastruktur und die globale Vermarktung einsetzen.
Für die SHEIN-Aktie beginnt mit dem IPO die nächste Bewährungsprobe. Entscheidend wird sein, ob der Konzern sein internationales Wachstum trotz steigender Kosten, regulatorischer Herausforderungen und zunehmenden Wettbewerbs fortsetzen kann.
Welche Auswirkungen Experten für Verbraucher erwarten
SHEIN galt einst als sogenannter Disruptor, also ein Unternehmen, das traditionelle Mechanismen der Modebranche radikal verändern könnte. Das scheint sich laut Experten geändert zu haben. Die Börse bepreise SHEIN wie einen ganz normalen europäischen Modehändler, sagte E-Commerce-Experte und -Unternehmer Alexander Graf. Das Spannendste aus seiner Sicht: SHEIN bringe nur einen Mini-Anteil an die Börse. "Der eigentliche Zweck ist die Bereinigung der Bilanz."
Die Folge für Kunden? "Die Ära der künstlich billigen China-Pakete geht mit dem Ende der Zollfreigrenzen zu Ende", sagte der Experte. Ohne diese Zollvorteile wird es laut Grafs Einschätzung für Verbraucher in Zukunft etwas teurer. Einen trüben Ausblick hat er allerdings für europäische Händler. Ein börsengelistetes SHEIN ohne Wachstumsdruck und mit vollen Kassen könnte sich ganz auf Marge und den europäischen Ausbau konzentrieren, sagte Graf.
Bettina Schneider, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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