Energiewirtschaft fordert weitere Entlastungen bei Gas- und Strompreisen
BERLIN (Dow Jones)--Die Bundesregierung sollte laut der Energiewirtschaft wegen der hohen Energiepreise eine Absenkung der Stromsteuer und der Mehrwertsteuer auf Strom und Gas prüfen. Aktuell zahlen die deutschen Haushalte etwa doppelt so viel für ihr Gas und 15,5 Prozent mehr für ihren Stromverbrauch als im Jahresdurchschnitt 2021. Für kleine und mittlere Industriekunden liegen die Stromkosten fast 50 Prozent höher als im vergangenen Jahr, wie die aktuelle Strom- und Gaspreisanalyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ergab. Vergleichszahlen für Gas sind laut BDEW für Industriekunden nicht verfügbar.
Der Verband rechnet mit weiter steigenden Preisen für die Endkunden, da die Beschaffungskosten der Energieversorger für Strom und Gas in den vergangenen Monaten extrem gestiegen seien und erst mit zeitlicher Verzögerung bei den Verbrauchern ankämen. Insgesamt hätten sich seit Beginn des vergangenen Jahres die Großhandelspreise für Strom vervierfacht und die für Gas fast verfünffacht.
"Angesichts des nie dagewesen Preisniveaus auf den Energiemärkten ist klar: Die Abschaffung der EEG-Umlage allein kann die extrem gestiegenen Beschaffungskosten nicht abfedern", erklärte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Die Bundesregierung sollte daher die Senkung der Stromsteuer auf das europäisch zulässige Mindestmaß und die Senkung der Mehrwertsteuer auf Strom und Gas von 19 auf 7 Prozent prüfen. Auch das im Koalitionsvertrag angekündigte Klimageld sollte weiter vorangetrieben und durch eine Energiekostenkomponente ergänzt werden. Gleichzeitig sollte die Bundesregierung stärker darüber informieren, wie Haushalte effizienter mit Energie umgehen und so Strom und Gas einsparen können.
"Aufgrund langfristiger Beschaffungsstrategien der Energieversorger über mehrere Jahre kommen die Preisentwicklungen an den Großhandelsmärkten nur mit Verzögerung bei den Kundinnen und Kunden an. Je länger das Preisniveau hoch bleibt, desto mehr werden sich die Großhandelspreise jedoch in den Tarifen niederschlagen und diese auch auf längere Sicht beeinflussen", sagte Andreae.Der Durchschnitt der aktuellen Stromtarife für Haushaltskunden liegt demnach im bisherigen Jahresmittel bei 37,14 Cent pro Kilowattstunde. Das sind 15,5 Prozent mehr als im vergangenen Jahr (2021: 32,16 ct/kWh). Kleine und mittlere Industriekunden müssen laut BDEW 2022 im Durchschnitt bislang 31,36 ct/ kWh und damit fast 50 Prozent mehr als im vergangenen Jahr für Strom bezahlen (Jahresmittel 2021: 21,38 ct/kWh).
Noch teurer wurde es für Gaskunden. Haushalte in Einfamilienhäusern mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden zahlen derzeit durchschnittlich 13,77 ct/kWh (Jahresmittel 2021: 7,06 ct/kWh) für Gas. Auch Haushalte in Mehrfamilienhäusern mit einem Jahresverbrauch von 80.000 kWh bzw. 13.333 kWh/pro Wohnung müssen mit im Schnitt 13,26 ct/kWh etwa doppelt so viel bezahlen wie im Durchschnitt des vergangenen Jahres (Jahresmittel 2021: 6,47 ct/kWh), so die Berechnungen des BDEW.