EU-Wertpapieraufsicht wirft Bafin Versäumnisse bei Wirecard vor
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FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde Esma hat im Wirecard-Skandal Defizite bei der deutschen Finanzaufsicht moniert. Man habe im sogenannten "Peer Review" eine Reihe von Defiziten, Ineffizienzen sowie rechtliche und prozedurale Hemmnisse identifiziert, teilte die Esma mit.
So bemängelte die Esma bei der deutschen Finanzaufsicht Bafin etwa die Intransparenz über den Aktienbesitz ihrer Mitarbeiter. Diese werfe Zweifel über die Widerstandsfähigkeit der internen Kontrollsysteme der Aufsicht in Bezug auf mögliche Interessenkonflikte auf. Auch sieht die Esma ein erhöhtes Risiko der Beeinflussung durch das Finanzministerium angesichts der Häufigkeit und des Detaillierungsgrads der Bafin-Berichte, manchmal noch vor der Einleitung von Maßnahmen.
Sowohl der Bafin als auch der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) wird die fehlende Auswahl oder nicht rechtzeitige Auswahl von Wirecard-Berichten in den Jahren 2016 bis 2018 zur Risikoprüfung vorgeworfen.
Bei den Untersuchungen der DPR seien weder die richtigen Bereiche noch die Vorwürfe in den Medien und von Whistleblowern gegen Wirecard angemessen überprüft worden. Die Analysen und ihre Dokumentation seien unzureichend gewesen.
Mit Blick auf die Effizienz des deutschen Überwachungssystems in der Finanzberichterstattung wies die Esma darauf hin, dass die Arbeit von Bafin und DPR nicht richtig auf einander abgestimmt sei. Die Bafin sei nicht in der Position gewesen, die Wirecard-Untersuchungen der DPR gründlich zu prüfen, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Die hohe Vertraulichkeit, an die beide gebunden seien, könnte den Austausch relevanter Informationen behindert haben.
"Die Empfehlungen des Berichts können zur Prüfung des deutschen Überwachstuns- und Vollstreckungsregimes beitragen", sagte Esma-Chef Steven Maijoor.
Die Esma hatte ihre Untersuchung im Juli eingeleitet. Im Juni hatte Wirecard Luftbuchungen von fast 2 Milliarden Dollar eingestehen müssen, nachdem der Wirtschaftsprüfer EY dem Zahlungsdienstleister das Testat für den Geschäftsbericht 2019 verweigert hatte. Kurz darauf meldete Wirecard Insolvenz an.
Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com
DJG/mgo/apo
(END) Dow Jones Newswires
November 03, 2020 04:39 ET (09:39 GMT)
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