EZB macht sich wohl Sorgen wegen Euro-Aufwertung
LONDON (dpa-AFX) - In der Europäischen Zentralbank (EZB) gibt es einem Pressebericht zufolge Sorgen wegen der deutlichen Aufwertung des Euro. Sollte die Aufwertung anhalten, werde dies die Ausfuhren und die Preisentwicklung dämpfen, heißt es in einem Artikel der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times (FT)", der am Donnerstag auf ihrer Internetseite veröffentlicht wurde. Zudem steige mit steigendem Euro der Druck auf die EZB, die Geldpolitik noch weiter zu lockern.
Die "FT" bezieht sich auf mehrere namentlich nicht genannte Mitglieder des EZB-Rats. Das ist das geldpolitische Entscheidungsgremium der Notenbank. Im Ergebnis könne die Euro-Aufwertung die wirtschaftliche Erholung des Währungsraums von der Corona-Krise dämpfen, heißt es in dem Artikel. Der EZB-Rat trifft sich kommende Woche, um über die geldpolitische Ausrichtung zu beraten.
In dieser Woche hatte bereits der Chefvolkswirt der EZB, der Ire Philip Lane, die Aufwertung des Euro öffentlich thematisiert. Der Euro-Wechselkurs sei wichtig, hatte Lane gesagt. Die EZB verfolgt offiziell kein Wechselkursziel. Allerdings muss sie den Eurokurs im Blick behalten, da er Auswirkungen auf wichtige ökonomische Größen wie Wirtschaftswachstum oder Inflation hat.
Der Euro hat seit Mai gegenüber dem US-Dollar etwa zehn Cent an Wert gewonnen. Die Gründe dafür sehen Experten sowohl auf Seiten des Euro als auch auf Seiten des Dollar. Der Euro hat unter anderem von der Einigung der EU-Staaten auf ein großes Corona-Wiederaufbauprogramm profitiert. Der Dollar wurde nicht zuletzt durch die Geldpolitik der US-Notenbank Fed belastet, die künftig etwas mehr Inflation zulassen will. Zuletzt hat der Dollar jedoch wieder etwas zugelegt, weil Konjunkturdaten überwiegend solide ausgefallen sind.
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