EZB: Nächste Verbraucherpreisdaten mit Vorsicht interpretieren
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) rät dazu, die nächsten Euroraum-Verbraucherpreisdaten mit Vorsicht zu interpretieren. Grund ist neben Schwierigkeiten bei der Datenerfassung vor Ort, dass die Verbraucher ihre Konsumgewohnheiten wegen der hohen Unsicherheit bezüglich ihrer Einkommensaussichten und wegen nicht verfügbarer Güter und Dienstleistungen kurzfristig geändert haben dürften.
Laut EZB waren bereits im März 4,8 Prozent der auf Länderebene erhobenen Preisindizes nur noch bedingt verlässlich. Im April dürfte der Anteil dieser Indizes am gesamten Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gestiegen sein. In der vorläufigen HVPI-Veröffentlichung für diesen Monat waren 35 Prozent aller Preise zum Beispiel auf Grund des in den Vorjahren beobachtbaren Saisonmusters oder ähnlicher Indizes geschätzt worden.
Das wiederum erhöht das relative Gewicht der verlässlich messbaren Indexbestandteile, zum Beispiel von Nahrungsmitteln und Energie, die allerdings zugleich recht schwankungsanfällig sind. Die EZB will zudem nicht ausschließen, dass es bei einigen Gütern aufgrund von Lieferschwierigkeiten zu großen Preissteigerungen gekommen ist.
Die EZB weist darauf hin, dass private Haushalte ihre Konsumgewohnheiten in Krisen rasch ändern können. So verlagern sie ihren Konsum nicht nur von einer Kategorie in die andere (zum Beispiel von Reisen zu Essen), sondern auch innerhalb von Kategorien (von teuren zu billigeren Produkten). Derartige Änderungen seien unter Umständen vorrübergehender Natur und würden normalerweise nur jährlich erfasst.
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May 14, 2020 04:26 ET (08:26 GMT)