EZB: Volumen notleidender Euroraum-Kredite sinkt 2019 um 12,4%
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Das Volumen der notleidenden Kredite (NPL) der im Euroraum tätigen Inlandsbanken hat sich im vergangenen Jahr deutlich verringert. Wie aus Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht, sank das NPL-Volumen per Ende 2019 um 12,4 Prozent auf 542 (2018: 619) Milliarden Euro. Diese Zahl umfasst die in den 19 Ländern des Euroraums ansässigen Banken. Der Anteil notleidender Kredite an den insgesamt ausstehenden Krediten (NPL-Quote) ging auf 3,2 (3,7) Prozent zurück, während die Bilanzsumme aller Institute um 2,8 Prozent stieg.
Die Daten zeigen, dass besonders Portugal (minus 37,3 Prozent) und Italien (minus 15 Prozent) große Fortschritte beim Abbau notleidender Kredite gemacht haben. Allerdings lagen ihre NPL-Quoten mit 7,5 (11,9) und 6,8 (8,5) Prozent immer noch deutlich über dem Durchschnitt des Euroraums. NPL-Spitzenreiter war weiterhin Griechenland mit einer Quote von 35,5 (41,6) Prozent. Deutschland kam auf 1,2 (1,3) Prozent.
Laut den EZB-Daten nahm die aggregierte Bilanzsumme deutscher Banken 2019 um 4,4 Prozent ab, während die französischer, italienischer und spanischer Institute um 5,8, 10,7 und 3,4 Prozent stieg.
Oft umgehen Banken eine Deklarierung eines Kredits als "notleidend", indem sie den Kredit umstrukturieren, stunden oder die Zahlungsfrist verlängern, ehe jene 90 Tage ohne Zahlung abgelaufen sind, die aus einem Kredit ein notleidendes Darlehen machen. Diese Praxis wird "Evergreening" genannt. Die EZB spricht von "forbearance measures".
Auch bei diesen Krediten war das Volumen rückläufig, es ging um 10,0 Prozent auf 131,6 (146,3) Milliarden Euro zurück. Der Löwenanteil dieser Kredite entfiel auf Spanien mit 35,6 (43,8) und Italien mit 23,9 (25,6) Milliarden Euro.
Das Niveau der im Zuge der Finanzkrise entstandenen notleidenden Kredite sinkt im Trend seit einigen Jahren. Gleichwohl sind NPL immer noch ein Hindernis für die Vollendung der Bankenunion, die nach Auffassung von EU-Kommission und EZB eine gemeinsame Bankeinlagensicherung umfassen soll. Die EZB hatte die Verringerung notleidender Kredite zum Thema ihres laufenden Aufsichtsdialogs gemacht, will den Banken aber wegen der Corona-Pandemie die Zügel lockerer lassen.
Die EZB rechnet allerdings damit, dass das NPL-Volumen wegen der Pandemie wieder steigen wird. Der für den Umgang mit neu entstehenden NPL verabschiedete Leitfaden, der strengere Fristen für deren Anerkennung und Abbau enthält, gilt nach Aussage der EZB trotz Corona.
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Notleidende Kredite Stundung/Streckung*
(NPL) Mrd Euro 4Q Mrd Euro 4Q
2019 2018 2019 2018
AT 11,3 12,2 2,6 2,4
BE 8,1 9,3 1,7 1,9
CY 6,8 7,8 1,3 1,8
DE 43,8 47,3 11,7 12,6
EE 0,5 0,2 0,3 0,0
ES 81,8 92,3 35,6 43,8
FI 7,4 8,4 3,4 3,9
FR 119,9 126,1 13,0 13,3
GR 73,7 89,4 14,6 16,3
IE k.A. k.A. k.A. k.A.
IT 127,8 150,2 23,9 25,6
LT 0,1 k.A. 0,0 k.A.
LU 1,3 1,4 0,4 0,3
LV 0,4 0,6 0,0 0,4
MT 0,5 0,5 0,0 0,1
NL 36,3 37,6 14,1 13,9
PT 13,3 21,2 4,7 4,6
SI 0,6 1,1 0,1 0,1
SK 0,5 0,5 0,2 0,1
EZ 542,0 618,7 131,6 146,3
Bilanz Banken 4Q NPL-Quote 4Q
Mrd Euro % der Bilanzsumme
2019 2018 2019 2018
AT 850,5 763,2 2,0 2,5
BE 519,2 499,8 2,0 2,4
CY 45,4 46,7 17,9 20,1
DE 6044,1 6323,5 1,2 1,3
EE 18,6 7,2 2,5 2,2
ES 3497,2 3383,1 3,2 3,7
FI 718,9 714,2 1,4 1,6
FR 7279,9 6883,1 2,5 2,8
GR 258,1 250,1 35,5 41,6
IE 232,2 220,9 4,3 7,3
IT 2679,2 2419,7 6,8 8,5
LT 2,9 2,6 4,7 5,6
LU 116,5 110,7 1,7 1,9
LV 7,5 7,4 7,5 12,1
MT 22,3 20,9 3,3 3,4
NL 2329,4 2290,7 1,9 1,9
PT 267,9 262,7 7,5 11,9
SI 23,3 23,3 3,7 6,3
SK 12,9 12,3 4,8 5,2
EZ 24926,2 24242,1 3,2 3,7
Quelle Daten: EZB
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June 29, 2020 06:00 ET (10:00 GMT)