100 Jahre Mercedes-Benz: Warum die Aktie trotz Jahrhundert-Jubiläum im Keller festsitzt
Im 100. Unternehmensjahr von Mercedes-Benz trifft Tradition auf wirtschaftlichen Gegenwind. Schwächere Margen und ein schwieriges Marktumfeld belasten die Aktie.
Werte in diesem Artikel
• Mercedes-Jubiläum trifft auf schwächere operative Entwicklung
• Margen im Autogeschäft deutlich unter früheren Höchstwerten
• Aktienkurs entwickelt sich schwächer als Analystenerwartungen
Mercedes-Benz wird 100, doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr trennt sich der Markt vom Stern. Am 28. und 29. Juni 1926 fusionierten die Daimler-Motoren-Gesellschaft und Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG, und mit ihr entstand die Marke, die heute zu den wertvollsten der Welt zählt. Hundert Jahre später feiert der Konzern das Jubiläum mit der größten Modelloffensive seiner Geschichte. An der Börse fällt die Festtagsbilanz allerdings nüchtern aus.
Das Jubiläumsjahr beginnt mit sinkenden Gewinnen
So glanzvoll die Geschichte, so gedämpft der aktuelle Geschäftsverlauf. Im ersten Quartal 2026 sank der Konzernumsatz um gut 5 Prozent auf 31,6 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (EBIT) fiel um rund 17 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Stärker noch wiegt der Margenverfall im Autogeschäft: Die bereinigte Umsatzrendite von Mercedes-Benz Cars rutschte von 7,3 Prozent im Vorjahresquartal auf 4,1 Prozent, gerade noch im selbst gesteckten Zielkorridor von 3 bis 5 Prozent. Treiber ist das Geschäft in China, wo der Pkw-Absatz um rund ein Viertel einbrach, während die Verkäufe außerhalb Chinas um 5 Prozent zulegten. Stabilität liefern andere Bereiche: Die Van-Sparte hielt mit 10,1 Prozent eine zweistellige Rendite, der industrielle Free Cashflow lag mit 1,86 Milliarden Euro über den Markterwartungen.
Die Luxuswette gerät unter Druck
Die Schwäche trifft den Konzern an der empfindlichsten Stelle seiner Strategie. Auf dem Kapitalmarkttag 2022 hatte Källenius die Wende zu weniger Volumen und mehr Marge ausgerufen und wollte das obere Luxussegment bis 2026 deutlich ausbauen. Aufgegangen ist die Rechnung nur zeitweise: 2022 erzielte Mercedes-Benz Cars noch eine bereinigte Rendite von 14,6 Prozent, inzwischen liegt sie bei einem Bruchteil davon. Mittelfristig peilt der Konzern nun wieder rund 2 Millionen Fahrzeuge an, bei einem Anteil des Spitzensegments von über 15 Prozent. Verschärft wird die Lage durch das Branchenumfeld. BMW kappte am 16. Juni seine Jahresprognose und senkte die erwartete Automarge von 4 bis 6 auf 1 bis 3 Prozent. Seither steht der gesamte Sektor mit hohem Geschäftsanteil in China unter Verdacht, auch Volkswagen wird mitgezogen.
An der Börse zählt nicht das Erbe, sondern die Marge
Anleger honorieren die Tradition nicht. Seit Jahresbeginn 2026 hat die Aktie rund 28 Prozent an Wert verloren, auf XETRA zeigte der Titel am Dienstag zuletzt eine Gegenbewegung mit einem Plus von 1,6 Prozent auf 43,77 Euro ab und notiert damit klar unter dem durchschnittlichen Kursziel der Analysten, bei rund 61,20 Euro liegt.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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