Nach Rekordlauf ausgebremst: Sektor-Korrektur erfasst Aktien von Infineon, ASML und Intel
Nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Wochen geraten Halbleiterwerte am Dienstag unter Druck.
Werte in diesem Artikel
• Halbleitertitel unter Druck
• Analysten erhöhen teils ihre Kursziele
• KI-Infrastruktur treibt Branchenaussichten weiter an
Nach dem Rekordlauf der vergangenen Wochen kam es am Dienstag im Halbleitersektor zur Korrektur. Infineon-Aktien gaben zum XETRA-Schluss 6,26 Prozent auf 80,56 Euro nach, ASML verloren an der EURONEXT derweil 5,737 Prozent auf 1.560,80 Euro.
Damit drehte das Bild deutlich, denn noch zum Wochenstart hatte etwa Infineon mit einem Plus von 4,84 Prozent die DAX-Spitze angeführt. Zweitgrößter Verlierer im deutschen Leitindex waren am Dienstag Siemens Energy mit minus 3,93 Prozent (162,50 Euro). Der Hersteller von Energietechnik gilt als großer KI-Profiteur mit Blick auf die Stromversorgung von immer mehr Daten- und Rechenzentren. Auch die Aktien der Halbleiterproduzenten STMicroelectronics und BE Semiconductor wurden verkauft.
In der zweiten Reihe brachen SUSS MicroTec sogar um über 11 Prozent ein. Allerdings hatte sich der Kurs des Ausrüsters für die Halbleiterbranche seit Jahresbeginn verdreifacht und am Vortag ein Rekordhoch erreicht. Anteile des Chip-Ausrüsters AIXTRON und die des Chipwafer-Produzenten Siltronic verloren jeweils rund acht Prozent.
Herbe Kursverluste an der südkoreanischen Börse haben am Dienstag auch an Europas Aktienmärkten ihre Spuren hinterlassen. Investoren strichen in Fernost und anschließend auch in Europa einen Teil der immensen jüngsten Kursgewinne ein. Vor allem die mit Künstlicher Intelligenz (KI) verbundenen Papiere aus der Halbleiterbranche mussten daraufhin Federn lassen.
"Seoul ist an den Märkten der empfindlichste Seismograph für Künstliche Intelligenz geworden", schrieb Marktexperte Steven Innes. Denn in dem Land seien die Produktion von Speicherchips, die Investitionen in den Halbleitersektor und der Handel mit diesen Produkten auf das Engste miteinander verflochten. Innes sprach auch davon, dass KI-Aktien zu jedermanns Liebling geworden seien.
Investoren stellten derzeit nicht die Frage nach den technischen Möglichkeiten von KI, sondern vielmehr finanzielle Fragen: "Wer verdient am Ende das Geld? Wer finanziert den Aufbau der Produktion? Und wer bezahlt die Zinsrechnung, wenn sich die Technik erst später rentiert, als es der Markt erwartet?"
Analystenstimmen bringen keinen Auftrieb
Dabei gab es zuletzt durchaus positive Nachrichten für den Sektor: Die Bank of America erhöhte am 23. Juni ihr Kursziel für ASML von zuvor 1.583 Euro auf 2.022 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. Treiber sind eine erwartete knappe Versorgung mit fortschrittlichen Chipfertigungsanlagen sowie steigende Nachfrage aus Foundry- und Speichersegmenten, durch die das Auftragsbuch voraussichtlich bis 2027 gut gefüllt bleiben dürfte. Auch Wells Fargo hob sein Kursziel auf 2.200 US-Dollar an und bestätigte die Übergewichtung. Beide Häuser erwarten, dass das Auftragsbuch für 2027 spätestens zum Zeitpunkt der Quartalszahlen am 15. Juli vollständig gefüllt sein wird.
Infineon mit Dresdner Fabrik als strukturellem Treiber
Positiv gestimmt bleiben Analysten auch für Infineon, da der Anteilsschein des Halbleiterkonzerns Experten zufolge fundamental auf mehreren Beinen steht. Die neue Chipfabrik in Dresden, die am 2. Juli offiziell eröffnet wird, soll bis zu 9,8 Milliarden Euro jährliche Kapazität im Wachstumsmarkt der KI-Stromversorgung bringen. Bank of America bewertet Infineon mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 108 Euro. Infineon liefert Leistungshalbleiter für die Energieversorgung von KI-Rechenzentren und profitiert damit strukturell von denselben Ausgaben, die bei den Hyperscalern die Kapitalrendite unter Druck setzen.
Zweigeteiltes Bild bei US-Branchenvertretern
Micron Technology trotzt unterdessen möglicherweise dem schwachem Umfeld, hier waren am Montag nachbörslich an der NASDAQ Gewinne von 1,54 Prozent auf 1.230,05 US-Dollar zu sehen. So geht es am Dienstag 13,34 Prozent auf 1.049,15 US-Dollar abwärts. Treiber ist eine strategische Kooperationsvereinbarung mit Anthropic über gemeinsame Entwicklung von Hochleistungsspeichern für KI-Infrastruktur. Zudem stehen hier am Mittwoch die Quartalszahlen zur Veröffentlichung an.
Intel-Titel zeigen sich 6,45 Prozent tiefer bei 131,85 US-Dollar, QUALCOMM geben unterdessen 8,12 Prozent auf 203,89 US-Dollar nach.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Thomas Zoller, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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Bildquellen: ASML, Ken Wolter / Shutterstock.com
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| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 03.07.26 | Infineon Buy | Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank) | |
| 02.07.26 | Infineon Buy | Jefferies & Company Inc. | |
| 02.07.26 | Infineon Neutral | UBS AG | |
| 02.07.26 | Infineon Buy | Deutsche Bank AG | |
| 29.06.26 | Infineon Outperform | Bernstein Research |
