HDE: Einzelhandelsumsatz schrumpft 2022 inflationsbereinigt um 2 Prozent


Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Der Handelsverband Deutschland (HDE) geht für die Einzelhandelsbranche insgesamt von einem nominalen Umsatzwachstum von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 607,1 Milliarden Euro aus, inflationsbereinigt entspreche das einem Minus von 2 Prozent. Dabei legen die Umsätze im stationären Handel laut der Prognose um nominal 1,4 Prozent zu, während der Onlinehandel ein Plus von 12,4 Prozent verzeichnet. "Steigende Inflation, immer höhere Energiekosten und eine schlechte Verbraucherstimmung sorgen für herausfordernde Rahmenbedingungen im Einzelhandel", erklärte der Verband.

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Dementsprechend rechneten in einer aktuellen Umfrage des HDE unter 800 Unternehmen 44 Prozent der Befragten für das Gesamtjahr 2022 mit sinkenden Umsätzen. Angesichts der großen Unsicherheiten bei Energieversorgung und Inflation sehe der HDE auch die Politik gefordert, mit entsprechenden Maßnahmen zu reagieren. "Der russische Krieg in der Ukraine und Corona-Lockdowns in Asien stören die Lieferketten, die Inflation steigt und die Energiekosten erreichen ungeahnte Höhen. Die Lage ist alles andere als einfach, die Zukunftsaussichten in vielerlei Hinsicht schwierig zu beurteilen", sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Aktuelle HDE-Umfragedaten zeigten, dass im ersten Halbjahr 2022 noch knapp die Hälfte der Handelsunternehmen im Vergleich zum Vorjahr Mehrumsätze verzeichnet hätten. Teilweise spiele hier sicher auch der Vergleich zu einem mit Corona noch schlechteren 2021 eine Rolle. Deutlich verhaltener seien die Erwartungen aber für die zweite Jahreshälfte: Hier rechne nur noch ein Fünftel der Befragten mit Umsatzsteigerungen. Auch bei den Händlern, die online und stationär aktiv sind, sei die Stimmung nicht mehr ganz so gut wie in den vergangenen Jahren. So rechne knapp die Hälfte dieser Multichannel-Händler mit stagnierenden Umsätzen im Vergleich zum Vorjahr.

"Die steigende Inflation schmälert die Kaufkraft der Kundinnen und Kunden massiv. Gleichzeitig geraten die Gewinne der Unternehmen durch stark steigende Kosten unter Druck", konstatierte Genth. Die Bundesregierung müsse auf die aktuellen Herausforderungen entschlossener und zielgerichteter reagieren. Die Unternehmen dürften durch die ungebremst ansteigenden Energiepreise nicht überlastet werden. "Zudem muss die Kaufkraft der Verbraucherinnen und Verbraucher gestützt werden", mahnte Genth. Der HDE setze sich deshalb unter anderem für die Abschaffung der kalten Progression und Entlastungen für Geringverdiener ein.

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Zudem fordere der Verband die Anpassung der bestehenden KfW-Kredit-Programme für von den hohen Energiepreisen überforderte Unternehmen. Derzeit könnten die meisten Handelsunternehmen aufgrund falsch angesetzter Zugangshürden nicht daran teilhaben. "Bei den Energiepreisen muss dringend Entlastung her. Die Stromsteuer sollte auf ein Minimum reduziert werden, und die EU muss Modelle für einen gemeinsamen, dann günstigeren, Gaseinkauf angehen", sagte Genth. Denkbar sei auch ein Gaspreisdeckel wie in Spanien und Portugal.

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/sha

(END) Dow Jones Newswires

July 05, 2022 04:30 ET (08:30 GMT)

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