HDE: Stimmung der Verbraucher trübt sich weiter ein
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Angesichts der aktuellen Energiekrise, der anhaltend hohen Inflation und pandemiebedingter Unsicherheiten ist nach einer Erhebung des Handelsverbands Deutschland (HDE) im September erneut eine Verschlechterung der Verbraucherstimmung zu beobachten. Das HDE-Konsumbarometer fiel im September weiter auf 86,28 Punkte, nachdem es im August mit 86,56 Punkten bereits ein Allzeittief erreicht hatte, und markiert damit einen neuen Allzeit-Tiefststand. "Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht, sodass die nächsten Monate voraussichtlich von Konsumzurückhaltung geprägt sein werden", so der HDE.
Die Konjunkturerwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher trübten sich im Vergleich zum Vormonat weiter leicht ein. Ihr pessimistischer Blick auf die gesamtwirtschaftliche Situation decke sich mit dem der Unternehmen. Noch vor einem Jahr seien die konjunkturellen Erwartungen der Verbraucher deutlich besser ausgefallen. Auch bei den eigenen Einkommenserwartungen halte der Negativtrend an. Sie gingen sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Hinzu kommt laut HDE, dass sich das verfügbare Haushaltseinkommen mit steigenden Lebenshaltungskosten verringert. Somit bleibe weniger Geld für den privaten Konsum.
Dass in den kommenden Monaten mehr Geld für die Lebenshaltung benötigt werde, zeige sich auch in der Entwicklung der Anschaffungs- und Sparneigung. Die Anschaffungsneigung der Verbraucher geht laut der Erhebung weiter zurück und fällt auf ein neues Allzeittief. Größere Beträge beiseitezulegen und zu sparen, sei jedoch ebenfalls nicht geplant. Die Sparneigung sei wie bereits im Vormonat gering. Zwar rechneten Verbraucherinnen und Verbraucher in nächster Zeit mit einem Nachlassen der Preisanstiege, doch die Konsumzurückhaltung werde voraussichtlich anhalten.
Die erneute Eintrübung der Verbraucherstimmung sei insbesondere darauf zurückzuführen, dass die deutlich steigenden Lebenshaltungskosten im Alltag der Verbraucherinnen und Verbraucher angekommen seien. Da die weiteren Kostenentwicklungen bislang nicht absehbar seien, sei eine Aufhellung der Verbraucherstimmung in den bevorstehenden Wochen und Monaten nicht zu erwarten. "Vielmehr könnten im Herbst mit Blick auf die Energieversorgung und die Pandemie zusätzliche Unsicherheiten aufkommen", warnte der Verband. Eine spürbare Verbesserung der Verbraucherstimmung zeige sich daher vermutlich nicht vor dem Frühjahr des nächsten Jahres. Bis dahin könnte auch die Dynamik beim privaten Konsum gering bleiben.