KI-Aktien wie AMD, Super Micro und Micron stürzen ab: Reißleine ziehen oder Rücksetzer nutzen?
Eine düstere Prognose des Anthropic-Chefs zu autonomen KI-Systemen schickt AMD, Micron und weitere Chipwerte auf Talfahrt.
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Die AMD-Aktie gehört am Montag zu den größten Verlierern im US-Techsektor und rutschte an der NASDAQ letztlich um 4,4 Prozent auf 493,41 US-Dollar ab, nachdem Warnungen vor einer außer Kontrolle geratenden künstlichen Intelligenz die Runde machen. Anthropic-Chef Dario Amodei befürchtet, ein KI-Schwarm könnte binnen weniger Monate das Internet kompromittieren, und findet damit prominente Unterstützer. Die Verkaufswelle erfasste neben AMD auch Micron Technology und Super Micro Computer, die ebenfalls unter Druck gerieten. Unter Druck waren zuvor bereits zahlreiche Chipwerte in Asien und Europa geraten.
Amodei warnt vor Folgen für die KI-Branche
Anthropic-Chef Dario Amodei warnte, ein KI-Schwarm könnte binnen sechs bis zwölf Monaten das gesamte Internet übernehmen und dabei Schäden in Höhe von Hunderten Milliarden US-Dollar verursachen. Er rief die Branche auf, die Entwicklung ihrer leistungsfähigsten Modelle zu verlangsamen. Tesla-Chef Elon Musk sowie OpenAI-Chef Sam Altman unterstützten seine Einschätzung öffentlich. Altman stellte zugleich einen Börsengang seines Unternehmens im laufenden Jahr nicht in Aussicht.
Die Sorge, dass regulatorischer oder freiwilliger Gegenwind das Tempo der KI-Entwicklung bremsen könnte, belastet die Kapitalmärkte. Die Experten der LBBW verwiesen darauf, dass sich nun zeige, ob ein vorsichtigeres Entwicklungstempo bei künstlicher Intelligenz die Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette bremsen und damit die hohen Gewinnerwartungen der Branche gefährden könnte.
AMD-Aktie reagiert sensibel auf Marktgeschehen
Für die AMD-Aktie, die zu den wichtigsten Konkurrenten von NVIDIA im Geschäft mit Rechenzentrums-Chips zählt, ist es bereits die zweite Talfahrt binnen weniger Tage. Schon am Donnerstag belastete ein Anstieg der Ölpreise auf über 108 US-Dollar je Barrel die Technologiewerte, bevor am Freitag eine leichte Erholung einsetzte.
Reißleine ziehen oder Rücksetzer nutzen?
Für Anleger stellt sich angesichts des Ausverkaufs die Frage, ob jetzt die Reißleine gezogen werden sollte. Ein einzelner Handelstag mit deutlichen Kursverlusten liefert dafür allerdings noch kein eindeutiges Signal. Solange sich keine nachhaltige Abschwächung der KI-Investitionen abzeichnet, spricht der aktuelle Rücksetzer zunächst eher für eine Neubewertung der hohen Wachstumserwartungen als für einen fundamentalen Bruch des KI-Trends. Gleichzeitig ist das Bewertungsrisiko nicht von der Hand zu weisen: Sollten Unternehmen ihre Ausgaben für Rechenzentren und KI-Infrastruktur tatsächlich zurückfahren oder die erwarteten Erträge ausbleiben, könnten hoch bewertete Chipwerte wie AMD stärker unter Druck geraten. Für Anleger wird damit entscheidend, ob die aktuelle Sicherheitsdebatte die Investitionspläne der Branche tatsächlich verändert oder lediglich für kurzfristige Verunsicherung sorgt.
Ein ähnliches Muster zeigte sich bereits bei früheren starken Schwankungen der Chipwerte in diesem Jahr. Allerdings waren die damaligen Kursbewegungen von anderen Faktoren geprägt und lassen sich daher nicht unmittelbar mit der aktuellen KI-Sicherheitsdebatte gleichsetzen.
Ob der aktuelle Ausverkauf schnell abklingt oder sich zu einer länger anhaltenden Neubewertung der KI-Aktien entwickelt, dürfte vor allem davon abhängen, ob die Debatte um die Entwicklung leistungsfähiger KI-Modelle konkrete Auswirkungen auf die Investitionspläne der Branche hat.
Claudia Stephan, Bettina Schneider, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
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