Starker Lauf bei Marvell- und AMD-Aktien: Wer schafft es zuerst zum Billionen-Dollar-Unternehmen?
NVIDIA-Chef Jensen Huang hält Marvell für das nächste Billionen-Dollar-Unternehmen, doch AMD ist der Marke bereits deutlich näher. Welche Aktie hat bessere Chancen auf den Meilenstein?
Werte in diesem Artikel
• Marvell und AMD auf dem Weg zu Billionen-Dollar-Marktkapitalisierung
• Marvell profitiert von KI-Infrastrukturboom
• AMD dank Größe und breiter KI-Positionierung wahrscheinlich zuerst am Ziel
Anfang Juni sorgte NVIDIA-CEO Jensen Huang für große Aufmerksamkeit und einen Kurssprung der Marvell Technology-Aktie als er sagte, der Infrastrukturspezialist sei auf dem Weg, das "nächste Billionen-Dollar-Unternehmen" zu werden.
Huangs Aussage wirft dabei eine spannende Frage auf: Ist Marvell tatsächlich der wahrscheinlichste Kandidat für den nächsten Aufstieg in den exklusiven Kreis der Billionen-Dollar-Konzerne? Oder besitzt ein anderes Tech-Schwergewicht letztlich die realistischeren Chancen? Ein heißer Kandidat für die Aufnahme in den elitären Club wäre beispielsweise auch AMD,
dessen Börsenwert mit rund 891 Milliarden US-Dollar deutlich näher an der angepeilten Schwelle liegt als der von Marvell mit nur rund 212 Milliarden US-Dollar (Stand: Schlusskurse vom 9. Juli 2026).
Die Logik hinter Huangs Aussage
Die Bemerkung von Jensen Huang kam während eines gemeinsamen Auftritts mit Marvell-CEO Matt Murphy zustande und bezog sich ausdrücklich auf Marvells strategische Bedeutung für die nächste Ausbaustufe der KI-Infrastruktur. Nach Einschätzung beider CEOs verschiebt sich der Engpass im Zeitalter riesiger KI-Rechenzentren zunehmend von der reinen Rechenleistung hin zur Datenübertragung zwischen Tausenden von Prozessoren. Genau dort ist Marvell mit Hochgeschwindigkeits-Netzwerken, optischen Verbindungen, kundenspezifischen ASICs und modernen Interconnect-Lösungen hervorragend positioniert. Konzerne wie Samsung, Micron oder SK hynix, die - ähnlich wie Marvell jetzt - von anderen, früheren Engpässen der KI-Infrastruktur profitiert hatten, sind inzwischen auch tatsächlich in den Billionen-Dollar-Club aufgestiegen.
Die Argumentation besitzt daher durchaus Charme. Während sich der Wettbewerb bei KI-Beschleunigern zunehmend verschärft, wächst der Bedarf an immer leistungsfähigeren Netzwerken und Speicheranbindungen praktisch unabhängig davon, welcher Chip letztlich rechnet. Marvell profitiert damit von einem Infrastrukturtrend, der den gesamten KI-Markt umfasst.
Besonders interessant ist allerdings auch das Geschäft mit kundenspezifischen ASICs. Immer mehr Hyperscaler entwickeln laut "The Motley Fool" eigene KI-Chips, um sich unabhängiger von Standardlösungen zu machen und gleichzeitig Kosten sowie Energieverbrauch zu senken. Marvell zählt zu den weltweit wichtigsten Entwicklungspartnern für solche maßgeschneiderten Halbleiter und profitiert damit unmittelbar von einem Trend, der sich neben klassischen GPUs etabliert.
AMD besitzt den offensichtlichen Vorteil der Größe
So überzeugend die technologische Geschichte hinter Marvell auch klingt, aus Sicht der Börsenbewertung spricht zunächst vieles für AMD. Der Chiphersteller bewegt sich bereits heute in einer Größenordnung, die deutlich näher an einer Billion US-Dollar liegt, während sich der Unternehmenswert von Marvell noch einmal fast verfünffachen müsste, um die Billionenmarke zu überschreiten. Angesichts des starken Momentums, das der Marvell-Aktie seit Jahresbeginn bereits ein Plus von rund 186 Prozent beschert hat, scheint das zwar nicht ausgeschlossen, jedoch konnte auch die AMD-Aktie in diesem Jahr bereits um kräftige 155 Prozent zulegen (Stand: Schlusskurse vom 9. Juli 2026). Der Anteilsschein von AMD müsste daher seine Rally abbrechen und mindestens stagnieren, damit Marvell eine Chance zum Überholen hätte.
AMD startet somit von einer deutlich höheren Ausgangsbasis - und besitzt zudem auch eine breitere Produktpalette. Das Unternehmen ist inzwischen in nahezu allen strategisch wichtigen Segmenten vertreten: KI-Beschleuniger, klassische Serverprozessoren, PC-Prozessoren, Gaming-Grafikkarten sowie Embedded-Lösungen. Diese Diversifikation sorgt für mehrere Wachstumstreiber gleichzeitig und reduziert zugleich die Abhängigkeit von einzelnen Produktzyklen.
Und noch ein zusätzlicher Faktor könnte AMD in den kommenden Jahren Rückenwind verleihen. Mit dem Übergang von heutigen KI-Chatbots hin zu sogenannten KI-Agenten dürfte der Bedarf an klassischen Serverprozessoren deutlich steigen. AMD geht laut "The Motley Fool" davon aus, dass sich das Verhältnis von GPUs zu CPUs in KI-Rechenzentren künftig erheblich zugunsten der CPUs verschieben dürfte, weil autonome KI-Systeme neben der eigentlichen Modellberechnung deutlich mehr Rechenleistung für Planung, Orchestrierung und Ausführung benötigen. Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, könnte AMD voraussichtlich nicht nur vom boomenden Markt für KI-Beschleuniger profitieren, sondern zusätzlich von einem stark wachsenden CPU-Geschäft.
Hinzu kommt, dass AMD in den vergangenen Jahren bewiesen hat, dass man selbst gegenüber Branchenriesen Marktanteile gewinnen kann. Die Erfolgsserie im Servergeschäft sowie der wachsende KI-Beschleuniger-Markt zeigen, dass der Konzern nicht ausschließlich auf eine einzige Zukunftswette angewiesen ist.
Marvell bietet möglicherweise das größere Kurspotenzial
Dennoch wäre es zu einfach, AMD allein aufgrund seiner Größe zum Favoriten zu erklären. Börsenbewertungen entstehen schließlich nicht nur durch aktuelle Umsätze, sondern vor allem durch Erwartungen an zukünftige Gewinne.
Gerade hier besitzt Marvell einen erheblichen Hebel. Das Unternehmen prognostiziert laut "Reuters" für sein Geschäft mit maßgeschneiderten KI-Chips, die gemäß den Aussagen von CEO Murphy von "sämtlichen US-Hyperscalern" nachgefragt werden, bis zum Geschäftsjahr 2029 einen Umsatz von mehr als zehn Milliarden US-Dollar. Diese Prognose "impliziert einen zusätzlichen Umsatz von 5 Milliarden US-Dollar im Zeitraum vom Geschäftsjahr 2028 bis 2029, der ausschließlich aus einem einzigen Geschäftsbereich stammt, und deutet damit auf ein weiteres Jahr starken Wachstums im Geschäftsjahr 2029 hin", erklärte Morningstar-Analyst William Kerwin laut der Nachrichtenseite.
Gleichzeitig profitieren auch nahezu sämtliche Netzwerkprodukte von Marvell von den massiv gestiegenen Ausgaben der Hyperscaler für den explosionsartigen Ausbau ihrer Rechenzentren.
Sollte sich Huangs Einschätzung bewahrheiten und der eigentliche Engpass der KI-Infrastruktur künftig tatsächlich im Bereich Datenverkehr, optische Netzwerke und Chip-Kommunikation liegen, könnte Marvell über Jahre hinweg deutlich schneller wachsen als klassische Halbleiterunternehmen. Aus dieser Perspektive wirkt die Vision einer Billionen-Dollar-Bewertung zumindest strategisch nachvollziehbar.
Der Unterschied zwischen Wahrscheinlichkeit und Rendite
Für Investoren lohnt es sich allerdings, zwei Fragestellungen strikt voneinander zu trennen. Die erste lautet: Welches Unternehmen erreicht statistisch betrachtet eher eine Billion US-Dollar Marktkapitalisierung? Hier spricht vieles für AMD. Das Tech-Schwergewicht ist bereits wesentlich näher an diesem Ziel, verfügt über eine größere Umsatzbasis, höhere Skaleneffekte und mehrere etablierte Geschäftsfelder.
Die zweite Frage lautet hingegen: Welches Unternehmen könnte seinen Börsenwert prozentual stärker steigern? Hier besitzt Marvell vermutlich die interessantere Ausgangslage. Kleinere Firmen können bei anhaltend hohen Wachstumsraten deutlich dynamischer bewertet werden als bereits sehr große Konzerne.
AMD könnte deshalb durchaus als erstes die Billionenmarke erreichen, während Marvell gleichzeitig das größere langfristige Kurspotenzial besitzt, sofern sich die KI-Infrastruktur wie von Jensen Huang prognostiziert entwickelt.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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