Apple-Aktie vor Wendepunkt? Analysten erwarten die wichtigste Keynote seit dem iPhone X
Ein neuer CEO, heiß erwartete faltbare iPhones und historische Preiserhöhungen: Apple steht vor einer Schlüssel-Keynote. Was Analysten jetzt erwarten.
Werte in diesem Artikel
- Mittwoch: Erste Keynote unter CEO John Ternus
- Morgan Stanley erwartet vom faltbaren iPhone bis zu 14 Milliarden US-Dollar
- Analysten rechnen mit größten iPhone-Preiserhöhungen der Firmengeschichte
Am Mittwoch steht die heiß erwartete Herbst-Keynote von Apple an. Für die Wall Street ist der Termin mehr als ein gewöhnlicher Produktlaunch. Denn für den neuen Konzernchef John Ternus ist es der erste große Auftritt, und dieser fällt gleichzeitig mit der erwarteten Vorstellung des ersten faltbaren iPhones zusammen. Morgan Stanley Analyst Erik Woodring bezeichnete die Präsentation Barron's zufolge als eine der bedeutendsten iPhone-Einführungen seit dem iPhone X im Jahr 2017.
Der erste Auftritt von Ternus
Mit dem Führungswechsel zum 1. September endete eine 15 Jahre lange Ära: Cook wechselt in den Verwaltungsrat, Ternus übernimmt operativ und tritt bei der Keynote erstmals als Vorstandschef vor die Kamera. Nach Einschätzung von Morgan Stanley soll die Veranstaltung im gewohnten Format ablaufen, doch die Weichenstellungen für das Schlussquartal 2026 hängen stark vom Ausgang dieses Abends ab. Ein faltbares Gerät wäre die größte Änderung des Formfaktors seit dem iPhone X und würde Apple erstmals in ein Segment führen, in dem bislang vor allem koreanische und chinesische Hersteller aktiv sind.
Was das faltbare iPhone zum Umsatz beitragen soll
Wie Barron's berichtet, beziffert Morgan Stanley den möglichen Umsatzbeitrag des faltbaren iPhones im Schlussquartal 2026 auf rund 14 Milliarden US-Dollar und rechnet mit solider Nachfrage bei zugleich knappem Angebot. Für die zweite Jahreshälfte erwartet die Bank eine Fertigung von rund 7 bis 8 Millionen Einheiten, bei einer möglichen Gesamtstückzahl von bis zu 20 Millionen Geräten über den ersten Produktzyklus. Die Auslieferung soll erst im Oktober oder frühen November beginnen. Beim Preis gehen die Schätzungen auseinander: Morgan Stanley geht von rund 2.399 US-Dollar aus, während das Marktforschungsunternehmen TrendForce eine Spanne zwischen rund 2.099 und 2.299 US-Dollar in den Raum stellte.
Preiserhöhungen als eigentliche Belastungsprobe für Apple-Aktie
Der größere Test für die Aktie könnte jedoch nicht das neue Gerät sein, sondern der Umgang mit steigenden Preisen über die gesamte iPhone-Reihe. Morgan Stanley rechnet laut Barron's mit den in der Firmengeschichte umfassendsten Preiserhöhungen bei bestehenden Modellen und erwartet, dass Apple die Einstiegspreise des iPhone 18 Pro und Pro Max um rund 200 US-Dollar anhebt. Damit läge der Basispreis der Pro-Modelle erstmals über 1.300 US-Dollar, gegenüber 1.099 US-Dollar beim aktuellen iPhone 17 Pro. Laut Morgan Stanley ließe sich die Bruttomarge der Sparte damit bei rund 40 Prozent halten, nahe dem Niveau der vergangenen vier Geschäftsjahre. In der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen Ende Juli hatte Cook bereits eingeräumt, man werde sich eine Reihe von Optionen ansehen, um die Speicherpreise abzufedern.
Wie belastbar ist die These vom Wendepunkt
Die Einordnung von Woodring als möglicherweise bedeutendste Keynote seit dem iPhone X ist zugleich eine steile Vorlage, die sich an der Realität messen lassen muss. Der Analyst selbst dämpft die Erwartungen für den Handelstag der Keynote: Erfahrungsgemäß entwickle sich die Apple-Aktie am Tag der Vorstellung eher schwach, weil Anleger nach der Ankündigung Gewinne mitnehmen. Zudem verschiebt die geplante Auslieferung des faltbaren iPhones ab Oktober den tatsächlichen Umsatzeffekt über den Sommer hinaus, während die höheren Preise für die etablierten Modelle sofort greifen und damit das eigentliche Risiko für die Nachfrage tragen. Laut Barron's sieht Citigroup Analystin Asiya Merchant Apple wegen seiner zahlungskräftigen Kundenbasis und eigener Finanzierungsangebote dennoch als einen der widerstandsfähigsten Anbieter im Abschwung der Branche.
Wie belastbar diese Einschätzung ist, zeigt sich erst nach der Keynote: Entscheidend wird, wie die ersten Verkaufszahlen und Rückmeldungen zur Preisakzeptanz in den Wochen nach der Keynote am Mittwoch ausfallen, bevor die nächsten Quartalszahlen im Januar 2027 endgültig Aufschluss über die Wirkung auf Umsatz und Marge geben.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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