HWWI sieht 5 Prozent Rückgang der Wirtschaftsleistung
Von Andreas Kißler
HAMBURG/BERLIN (Dow Jones)--Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hat angesichts der gravierenden Auswirkungen der Corona-Pandemie seine Prognose der Wirtschaftsentwicklung in Deutschland für 2020 gesenkt, für 2021 aber angehoben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll demnach 2020 um 5,0 Prozent sinken und 2021 um 4,5 Prozent wachsen, wie das Institut bekanntgab. "Die deutsche Wirtschaft ist durch die Einschränkung globaler Wirtschaftsbeziehungen wie auch durch die hiesigen Schutzmaßnahmen in eine tiefe Rezession geraten", erklärten die Hamburger Ökonomen. Erwartet werde aber eine "sukzessive Erholung".
Mitte März hatten sie noch für 2020 ein Minus von 2,5 Prozent und für 2021 ein Plus von 2,3 Prozent vorhergesagt. Im Frühjahr sei die Wirtschaftstätigkeit in vielen Bereichen stark gedrückt und teilweise lahmgelegt worden, erklärte das HWWI jetzt. "Wie schnell sich die Wirtschaft davon erholt, hängt vor allem vom weiteren Verlauf der Pandemie ab." Die Forscher erwarteten angesichts einer deutlich verringerten Infektionsentwicklung und im Zuge der eingeleiteten Lockerungsmaßnahmen eine "moderate V-Erholung". Bei Rückschlägen in der Pandemie-Entwicklung sei allerdings eine ungünstigere Entwicklung als prognostiziert wahrscheinlich.
Mit Beginn der Lockerungsmaßnahmen werde sich die Wirtschaftsentwicklung auf gedrücktem Niveau stabilisieren. Auch wenn die gesamtwirtschaftliche Aktivität im Mai und Juni wieder ansteige, werde dadurch der Einbruch im März/April nicht annähernd kompensiert werden können. Das reale BIP werde im zweiten Quartal noch einmal deutlich stärker sinken als schon im ersten Quartal.
Im dritten und vierten Quartal werde es dann zwar ohne eine zweite Welle der Pandemie wieder merklich zunehmen, die Rückgänge im Frühjahr würden dadurch allerdings nicht ausgeglichen. Im nächsten Jahr sei bei Eindämmung der Corona-Pandemie eine durch Nachholeffekte und Förderprogramme verstärkte Erholung der Wirtschaft zu erwarten. "In der zweiten Jahreshälfte 2021 könnte wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht werden", erklärte das HWWI.
Laut der Prognose sollen die privaten Konsumausgaben dieses Jahr um 5,2 Prozent sinken und dann nächstes Jahr um 4,0 Prozent steigen. Die Ausrüstungsinvestitionen sollen 2020 um 13,3 Prozent zurückgehen und 2021 um 6,1 Prozent zunehmen. Die Exporte sollen 2020 um 10,3 Prozent sinken und 2021 um 7,2 Prozent steigen, die Importe dieses Jahr um 8,5 Prozent zurückgehen und nächstes Jahr um 6,5 Prozent zulegen. Die Arbeitslosenzahl steigt demnach 2020 auf 2,72 Millionen und sinkt 2021 auf 2,57 Millionen, und die Arbeitslosenquote beträgt dieses Jahr 5,8 Prozent und nächstes Jahr 5,4 Prozent.