IfW: Deutsches BIP fällt 2020 um 7,1 Prozent


Von Andreas Kißler

KIEL/BERLIN (Dow Jones)--Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet in einer neuen Prognose für die deutsche Wirtschaftsleistung einen deutlichen Rückgang 2020 und einen Aufholprozess in ähnlicher Größenordnung 2021. "Das deutsche Bruttoinlandsprodukt bricht dieses Jahr um 7,1 Prozent ein und legt im kommenden Jahr um 7,2 Prozent zu", sagten die Ökonomen voraus. Die Weltproduktion sinke um 4,0 Prozent und nehme dann um 6,5 Prozent zu.

Werbung

Dies gehe aus der außerplanmäßigen Konjunkturprognose auf Basis jüngster Indikatoren hervor, die erstmals ein verlässlicheres Bild über die ökonomischen Folgen der Coronavirus-Pandemie zuließen. "Demnach ist der Tiefpunkt der Krise überwunden, aber der Aufholprozess zieht sich noch bis weit in das kommende Jahr", erklärten die Kieler Wirtschaftsforscher. Mitte März hatten sie für dieses Jahr einen BIP-Rückgang zwischen 4,5 und 8,7 Prozent und für nächstes Jahr ein Wachstum zwischen 7,2 und 10,9 Prozent vorhergesagt.

Insgesamt dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal laut der neuen Prognose um 11,3 Prozent sinken. "Das markiert den größten Quartalsrückgang seit Bestehen der Bundesrepublik", konstatierte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. Ab dem dritten Quartal seien dann wieder Zuwächse zu verzeichnen. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen steige in der Spitze auf 3 Millionen, im Jahresdurchschnitt erhöhe sich die Arbeitslosenquote auf 6,1 Prozent.

Vorkrisenniveau erst in zweiter Hälfte 2021

In der Spitze sei die Wirtschaftsleistung in Reaktion auf den Corona-Schock um über 15 Prozent geschrumpft und habe über den gesamten April hinweg auf diesem Niveau verharrt. Indikatoren wie der Stromverbrauch oder die Passantendichte in Innenstädten deuteten darauf hin, "dass der Tiefpunkt des Einbruchs durchschritten ist und die ökonomische Aktivität im Zuge der Lockerungen seit Anfang Mai wieder anzieht". Der Aufholprozess vollziehe sich aber deutlich langsamer als der Einbruch. Das Vorkrisenniveau dürfte daher erst in der zweiten Hälfte 2021 wieder erreicht werden.

Werbung

"Damit sind die Folgen der Krise aber längst noch nicht wettgemacht, da die wirtschaftliche Aktivität dann immer noch merklich unter dem Niveau liegen wird, das sich ohne den Effekt der Corona-Pandemie ergeben hätte", warnte Kooths. Insgesamt dürfte die Krise Deutschland dann rund 300 Milliarden Euro an Wertschöpfung gekostet haben. Ein Großteil der zurückgestauten Kaufkraft werde sich jedoch im Zuge der Lockerungen nach und nach in Konsumnachfrage entladen, wenn die privaten Akteure auch wieder Klarheit über ihre beruflichen Perspektiven hätten.

Wirtschaftspolitisch komme es jetzt darauf an, "Unternehmen mit grundsätzlich marktfähigen Geschäftsmodellen über die nächsten drei bis sechs Quartale zu bringen". Staatliche Hilfen müssten daher systematisch dort ansetzen, wo die coronabedingten Ausfälle am größten seien. Es wäre falsch, stabilisierungspolitische Eingriffe mit industriepolitischen Zielen zu überfrachten. So wäre den Gastronomen wenig geholfen, wenn jetzt staatliche Infrastrukturinvestitionen hochgefahren oder Digitalisierungsprogramme subventioniert würden.

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com

DJG/ank/apo

(END) Dow Jones Newswires

May 19, 2020 07:19 ET (11:19 GMT)

Information


Die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit werden für Finanzinstrumente von der Finanzen.net Zero GmbH als vertraglich gebundener Vermittler der DonauCapital Wertpapier GmbH (§ 3 Abs. 2 WpIG) bereitgestellt; bei Kryptowerten werden die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit ausschließlich von der DonauCapital Wertpapier GmbH bereitgestellt. Die Finanzen.net GmbH stellt ausschließlich den technischen Rahmen bereit und ist in die Wertpapier- und Kryptodienstleistung nicht einbezogen.